Fahrlässige Tötung: Geldstrafe für Urlauber

Wohnmobilist und Motorradfahrer: Verkehrsunfall mit Todesfolge wäre vermeidbar gewesen

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16. Dezember 2014, 06:42 Uhr

Verkehrsunfälle mit Todesfolge sind für die Gerichte meist ein schmaler Grat. Oft wünschen die Hinterbliebenen aus Wut und Trauer und dem eigenen Gerechtigkeitsempfinden heraus ein hartes Urteil, genauso oft ist der Unfallverursacher jedoch mit seinen eigenen Schuldvorwürfen und schlechtem Gewissen schon schwer gestraft.

Auch gestern musste das Amtsgericht Eckernförde über einen Unfall befinden, bei dem ein Mensch sein Leben verlor. Er ereignete sich am 10. August 2013 an der Kreuzung B 76 / Grüner Weg. Am späten Nachmittag fuhr ein 74 Jahre alter Tourist aus Niedersachsen mit seinem Wohnmobil auf der B 76 in Richtung Kiel und bog nach links in den Grünen Weg ab. Ihm entgegen kam ein Motorrad, dessen Fahrer nicht mehr bremsen konnte und in die Seite des Wohnmobils krachte. Der 53 Jahre alte Mann aus Barkelsby starb noch am Unfallort.

Das Motorrad habe er zwar gesehen, räumte der wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Wohnmobil-Fahrer ein, jedoch in weiter Entfernung an der Kreuzung am Lornsenplatz. Seinen Schilderungen nach ist er links abgebogen, nachdem die Ampel auf Grün gesprungen war und er zwei entgegenkommende Autos durchgelassen hat. Erst durch den Knall beim Aufprall des Motorrads merkte er, dass etwas passiert war.

Der Motorradfahrer hatte zuvor die Rendsburger Straße befahren und war am Lornsenplatz als Zweiter in der Warteschlange hinter einem Auto auf der linken der beiden Linksabbiegespuren zum Stehen gekommen. Der Fahrer (43) des Pkw sagte vor Gericht aus, dass der Motorradfahrer während des Wartens mit seinem Gas gespielt hatte. Der Zeuge habe Platz zum Überholen machen wollen und sich vorgenommen, bei Grün möglichst stark zu beschleunigen und auf die rechte Linksabbiegespur hinüberzuziehen, doch soweit sollte es nicht kommen: Der Motorradfahrer wollte den Pkw-Fahrer in der Kurve rechts überholen, verlor jedoch die Kontrolle über sein Zweirad und stürzte. Die Geschwindigkeit des Motorradfahrers bezeichnete der Zeuge als zügig und schätzte sie auf 60 bis 65 km/h.

Auch ein Sachverständiger kam in seinem Gutachten auf eine Geschwindigkeit von 60 bis 70 km/h, mit der das Motorrad auf das Wohnmobil aufprallte. Eine Bremsspur auf der Straße wies gar darauf hin, dass die Geschwindigkeit des Motorrads bei Bremsbeginn zwischen 84 und 97 km/h lag. Es konnte jedoch nicht mit absoluter Gewissheit geklärt werden, ob die Bremsspur von diesem Motorrad stammte. Doch egal, wie hoch die Geschwindigkeit war – der Unfall hätte laut Gutachter in jedem Fall durch den Wohnmobilfahrer vermieden werden können, wenn er den Abbiegevorgang abgebrochen hätte.

„Der Angeklagte hätte den Motorradfahrer wahrnehmen können und müssen“, führte dann auch der Staatsanwalt in seinem Plädoyer aus. Er berücksichtigte allerdings auch, dass der nicht vorbestrafte Angeklagte von dem Ereignis mitgenommen sei und versucht habe, Kontakt zu den Hinterbliebenen aufzunehmen. Er forderte eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 30 Euro. Die Verteidigung wies auf die überhöhte Geschwindigkeit des Motorradfahrers hin und auf die schwere psychische Belastung des Angeklagten durch den Unfall. Die Vermeidbarkeit durch den Angeklagten müsse jedoch angenommen werden. Deshalb forderte sie keinen Freispruch, jedoch eine geringere Strafe.

Dem kam der Richter nach. Er verurteilte den Angeklagten, der eine Rente in Höhe von 1200 Euro bezieht, wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe in Höhe von 80 Tagessätzen à 25 Euro – erst ab 90 Tagessätzen ist man vorbestraft. Er trägt die Kosten des Verfahrens. „Dem Motorradfahrer ist ein erheblicher Vorwurf zu machen, doch das entbindet Sie nicht von Ihrer Sorgfaltspflicht als Linksabbieger – egal wie schnell er gefahren ist“, sagte der Richter.

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