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Munitionsreste in der Ostsee : Explosiver Gesprächsstoff

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein informierte auf einer Tagung über Munitionsreste in der Ostsee. Auch Umweltminister Robert Habeck war zu Besuch im Ostsee Info-Center.

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erstellt am 09.Apr.2014 | 06:31 Uhr

Allein an der Ostsee sind seit dem Zweiten Weltkrieg mehr als 160 Menschen durch Unfälle mit Munitionsresten gestorben, 260 wurden zum Teil schwer verletzt. „Es ist ein seltenes Ereignis, wenn man Munitionsreste am Strand findet“, sagt Ingo Ludwichowski, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu). „Aber es kommt vor. Und dann sollte man wissen, was zu tun ist.“ Denn nur, weil die Weltkriege lange her sind, löse sich das Problem nicht auf, „stattdessen lösen sich langsam die Metallgehäuse der Munition auf“.

Das und die 300 000 Tonnen Munitionsreste in der deutschen Ostsee sind der Grund für die Informationsveranstaltung, zu der auch Umweltminister Robert Habeck (Grüne) gestern ins Ostsee Info-Center kam. Das Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein informierte unter der Federführung Ingo Ludwichowskis über „Gefährliche Funde am Strand – Munition als Erbe der Weltkriege“.

Fünf Experten sprachen in Referaten über Zahlen und Daten, über die Auswirkungen der Inhaltsstoffe auf Mensch und Natur und darüber, was zu tun ist, wenn man Verdächtiges am Strand findet. Adressaten waren Polizei, DLRG, Touristiker, Ordnungsämter und Kurverwaltungen – alles Multiplikatoren, die die Menschen in ihrer Umgebung über die Gefahren aufmerksam machen können.

Bekannt sind die Fälle von Phosphor-Funden an Stränden. Der weiße Phosphor ähnelt dem Bernstein, doch wenn er trocknet fängt er Feuer und ist mit Wasser nicht zu löschen. Er verbrennt mit einer Temperatur von 1300 Grad Celsius und hat schon zu schwersten Verletzungen geführt. Aber auch Schießwolle, die mit Steinen verwechselt werden kann, kann bei Körperkontakt zu Gesundheitsschäden führen.

Über die Beseitigung von Altlasten gibt es unterschiedliche Auffassungen: Ob Sprengen, Unschädlichmachen mit UV-Licht oder Zerschneiden mit Wasserstrahlen – ein Problem besteht: Man weiß nicht genau, wo die Munition nach dem Zweiten Weltkrieg verklappt wurde. Denn nicht immer haben die Kutter die Last dort versenkt, wo sie es sollten. Das ist aber kein Ostsee-spezifisches Problem: „Es gibt in Europa eigentlich keinen Bereich ohne Munitionsreste“, so Ludwichowski. Panik sei fehl am Platze, angebracht sei dagegen öffentliche Information.

Dabei hat Eckernförde noch Glück: Nach dem Fund zweier Übungsminen aus dem Zweiten Weltkrieg am Strand ist das Thema vor einigen Jahren schon einmal erörtert worden. Ergebnis: Die Gefahr in der Eckernförder Bucht ist laut dem Leiter des Amtes für Katastrophenschutz nicht groß. Das Thema dürfe nicht verharmlost werden, es sei aber auch nicht Zeit für Panikmache.

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