Siedlung in Gefahr : Experten fordern strenge Bauvorgaben

Die Doppelhaussiedlung rechts und links der Käthe-Kollwitz-Straße ist laut Gestaltungsbeirat „ein Juwel“ und muss in ihrer Art erhalten bleiben.
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Die Doppelhaussiedlung rechts und links der Käthe-Kollwitz-Straße ist laut Gestaltungsbeirat „ein Juwel“ und muss in ihrer Art erhalten bleiben.

Gestaltungsbeirat kritisiert Wildwuchs in der Käthe-Kollwitz-Siedlung – strenge Auflagen erforderlich.

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24. Juli 2015, 06:11 Uhr

Die Käthe-Kollwitz-Straße als einheitlich gestaltete, eingeschossige Siedlung mit rotem Klinker und rotem Dach aus der Zeit des Nationalsozialismus hat es den fünf Experten des Gestaltungsbeirats angetan. „Ein Juwel“, sagte der Hamburger Architekt Fredo Wiescholek über die 33 kleinen Doppelhäuser zwischen Bystedtredder und Schleswiger Straße. „Diese Siedlung ist vielleicht einmalig in Schleswig-Holstein“. Es bestehe durchaus ein öffentliches Interesse, die Siedlung in der ursprünglichen Form zu erhalten. „Zerstören geht schnell, so etwas zu pflegen ist richtig schwierig“, sagte Wiescholek.

Aber genau diesen Weg müsse Eckernförde gehen, war sich der Gestaltungsbeirat unter der Leitung des Lübecker Architekten Helmut Riemann nach einem Ortstermin einig. Die bereits erfolgten „brachialen Veränderungen“ wie die Errichtung von bereits zwei hellgrauen Doppelhäusern und eines weiteren Neubaus nach dem Abriss der Altgebäude in der ansonsten einheitlichen rot verklinkerten Siedlung sowie mehrerer uneinheitlicher Anbauten müsse umgehend gestoppt werden, forderte Riemann. Der eingeschlagene Weg, die künftigen Bauaktivitäten in diesem Gebiet über die Aufstellung eines Bebauungsplans zu regeln, „ist der völlig falsche Weg“, entgegnete der erfahrene Architekt dem Stadtplaner Luis Gomes Martinho, der den bereits vom Bauausschuss und der Ratsversammlung per Aufstellungsbeschluss in die Wege geleiteten B-Plan Nr. 71 „Käthe-Kollwitz-Straße“ am Mittwochabend im Gestaltungsbeirat vorstellte.

Gomes Martinho hatte die Notwendigkeit einer B-Planaufstellung mit dem Abverkauf der Doppelhäuser durch das Gemeinnützige Wohnungsunternehmen (GWU) und den sich daraus ergebenden Veränderungsdruck begründet. Die neuen Eigentümer, oft langjährige Mieter, wollten die Wohnfläche der kleinen Häuser durch Anbauten vergrößern, einige Häuser seien gar abgerissen und durch hellgraue Neubauten ersetzt worden, was einen Teil der übrigen Bewohner aufgebracht hätte. Um eine weitere nachteilige Veränderung der einheitlichen Siedlung zu verhindern, und dem Schutzbedürfnis Rechnung zu tragen, habe die Politik sich für die Aufstellung eines Bebauungsplans entschieden, um darüber Einfluss auf die künftige Gestaltung nehmen zu können. Darin habe man beispielsweise eine rote Fassade sowie eine Trauf - und Firsthöhe von 3 bzw. 8,80 Metern ebenso vorgeschrieben wie die Möglichkeit von Flachdachanbauten in einem zusätzlichen, fünf Meter tiefen Baufeld eröffnet.

Mit dem B-Plan ließen sich solche negative Entwicklungen wie durch die vorgenommenen An- und Neubauten nicht verhindern und die Siedlung würde „noch mehr kaputt gemacht als jetzt schon“, sagte Helmut Riemann.Die Stadt müsse jetzt „den Stift in die Hand nehmen und die Anwohner zeigen, wie eine maßvolle Erweiterung aussehen kann. Das geht nur mit einer Gestaltungssatzung, an die sich die Besitzer halten müssen. Sonst fahren wir die Kiste an die Wand.“ Fredo Wiescholek forderte „mehr Radikalität“ und klare Festlegungen, was erlaubt ist und was nicht.

Bauamtsleiter Roy Köppen kündigte an, dass man die Anregungen des Gestaltungsbeirats aufnehmen und eine Gestaltungssatzung in den B-Plan einarbeiten und der Politik zur Entscheidung vorlegen werde.

Die mehrfach von Beifall begleiteten Ausführungen des Gestaltungsbeirats war Wasser auf die Mühlen des früheren Landeskonservators Dr. Deert Lafrenz. Es gebe noch zahlreiche andere Siedlungen solcher Art in Eckernförde. Lafrenz wollte insbesondere das GWU in die Pflicht genommen wissen, dass mit den Argumenten „unmodern und unsozial sehr schnell mit Abbrüchen bei der Hand“ sei. In Eckernförde müsse dringend eine Diskussion über den Umgang mit der Architektur aus den 20er und 30er Jahren geführt werden.

Architekt Alexander Ulrich lobte den Gestaltungsbeirat für seine Haltung. Es müsse jetzt auch den Politikern bewusst gemacht werden, welche Qualität umsetzbar sei.

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