Experimentelle Kunst auf Carlshöhe

Fotograf Caesar Bauer arbeitet kreativ mit alten Kameras und ungewöhnlichen Techniken.  Fotos: Hallstein
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Fotograf Caesar Bauer arbeitet kreativ mit alten Kameras und ungewöhnlichen Techniken. Fotos: Hallstein

Heidemarie Utecht und Caesar Bauer zeigen ihre Arbeiten unter dem Titel "un-bedacht" / Vernissage in der Galerie Carlshöhe mit Performance

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20. März 2012, 07:10 Uhr

Eckernförde | "un-bedacht" heißt die neue Ausstellung in der Galerie Carlshöhe. Galeristin Marlies Greifenberg bietet dort zwei Künstlern ein Forum, deren Werke eine intensive Auseinandersetzung herausfordern.

Es ist der spannende Entstehungsprozess, der den Großteil von Heidemarie Utechts Bildern ausmacht. Die besondere Wirkung beziehen ihre Monotypien, die mittels Farbauftrag auf einer Glasplatte und anschließendem Einfärben von aufgelegtem Papier, das je nach Anpressdruck die Farbe aufnimmt, aus dem Entstehungsprozess. Im Vordergrund steht für die Künstlerin der experimentelle Umgang mit Papier, Holz, Leder oder auch Bernstein, um in Kombination mit diesen Materialien Neues zu schaffen. Aus Karton eine Passepartoutmappe, ein besonderer Einband für ein Buch, eine mehrstufige Schubladenbox sowie Faltmappen um Fotos zu präsentieren. Dies sind nur einige der Ideen, die von der gelernten Werklehrerin umgesetzt werden und die immer wieder durch Neues ergänzt werden. Auf der einen Seite die fachlich präzisen Ausführungen des Gegenständlichen, auf der anderen Seite ihre Bilder, die als Auseinandersetzung zwischen Klarheit und künstlerischer Gestaltung ihre Vielfältigkeit ausdrücken. "Jedes Bild ist ein Unikat und ist nicht reproduzierbar", sagte die Künstlerin und verweist auf verschiedene Techniken, die zu den einzelnen Ergebnissen führen.

Eingestimmt wurden die Besucher durch eine Tanzperformance von Lotte Grohe, die musikalisch von ihrer Schwester Dorothea auf Maultrommel, Kalimba und einer australischen Didgeridoo begleitet wurde. Die Choreografin Lotte Grohe war es auch, die bei der Fotoserie "Lottes Tanz" von Caesar Bauer den Bewegungspart übernahm, bei dem die Leuchtspuren von Leuchtdioden an den Hand-und Fußgelenken in vollkommener Dunkelheit die tänzerischen Bewegungszentren markierten. "Was dann bei mehrminütiger Belichtung auf dem Film entsteht, darauf habe ich als Fotograf keinen Einfluss", erläutert Bauer, der bei jedem Bild auch zusätzlich mit einen Spotlight die Tänzerin schemenhaft zur Abbildung bringt. Entstanden sind die Aufnahmen mit einer rund 100 Jahre alten 13 x 18-Kamera, die er auf ein 6 x 17 Zentimeter-Panoramaformat für Rollfilm umgebaut hat. Fast auf gleiche Weise entstand auch seine Serie "Refracted Nudes" - Aktfotografien, bei denen das Körperabbild fast zur Landschaft wird und der Fotograf bei wiederum vollkommener Dunkelheit und einer vierminütigen Belichtung lediglich mit einem Spotlight Momentbewegungen einfängt. Schwarz-Weiß-Aufnahmen auf Rollfilm, Farbaufnahmen in digitaler Entstehung, seit den 1980er Jahren hat sich Caesar Bauer der experimentellen und objektbezogenen Fotografie verschrieben, nachdem er zuvor nur "fotografiert" hat.

Die Ausstellung "un-bedacht" ist bis zum 13. Mai in der Galerie Carlshöhe mittwochs von 15-18 und sonnabends und sonntags von 14-17 Uhr zu sehen.

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