Konzert : Exotik in St. Nicolai mit Marimba und Vibraphon

Nils Rohwer komponiert selbst Stücke für Marimba und Vibraphon, die weltweit aufgeführt werden. Jetzt spielte er in St. Nicolai.
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Nils Rohwer komponiert selbst Stücke für Marimba und Vibraphon, die weltweit aufgeführt werden. Jetzt spielte er in St. Nicolai.

Öfter mal was Neues: Statt Orgel und Posaunen kamen ungewohnte Instrumente in der Kirche zum Einsatz.

shz.de von
14. Juli 2015, 05:41 Uhr

Eckernförde | Nils Rohwer heißt der Zauberer, der mit vier Schlägeln in zwei Händen aus ungezählten Metall- und Palisanderholzstücken eine umfassende Klangwelt in Sinfonieorchester-Stärke heraufbeschwören kann. Mit den ungewöhnlichen und raumgreifenden Instrumenten Marimba (Holz über fünf Oktaven) und Vibraphon (Metall) ist der Zugang zum Altarraum der St.-Nicolai-Kirche in voller Breite belegt. Die Zuhörer im gut gefüllten Kirchenschiff sind fasziniert: ein klanggewaltiges Erlebnis, eine intensive Begegnung mit musikalischer Vielfalt. So geschehen am Sonntagabend.

Was stand auf dem Programm? Nils Rohwer bot ein Solo-Konzert und das mit ausschließlich eigenen Kompositionen. Er, der eigentlich seit frühen Jahren Schlagzeuger ist, Orchester-Schlagzeug studierte, wurde vor 20 Jahren selbst von den außergewöhnlichen Klängen der Mallets (Vibraphon, Marimba) gefangen genommen. Fasziniert von ihren ungeahnten Möglichkeiten, begann er schon bald zu komponieren, widmete dabei seine Werke geschätzten Kollegen, lieben Freunden, auch seinen beiden Kindern. So entstand „Da-Ma-dancing“ – ein vergnügtes, lockeres Stückchen Musik, das sicher nicht nur David und Maxi Freude bereitet.

Wie angenehm, dass Nils Rohwer zwischen seiner konzentrierten Art, Holz- und Metallplatten zum Klingen zu bringen, auch von seiner Arbeit, seinen Erfahrungen, der musikalischen Kostbarkeit seiner Instrumente erzählt. So lässt sich vieles begreifen und nachvollziehen. Gut informiert und emotional angewärmt, lauscht man wissend der Minimalmusik mit ihren Repetitionen und Variationen. Dazu kommt obendrein die Freude an griffigen Titeln, die sich im Fluss der Klänge dann auch leicht miterleben lassen. Nils Rohwer liebt zum Beispiel Schmetterlinge, und in seiner Komposition „Butterfly“ erlebt man sie dann auch, diese geflügelten, farbenfrohen Wesen, wie sie im Sonnenschein unterwegs sind. Man kann nur immer wieder staunen, was Musik vermag.

Und falls die vorgenannte Richtung nicht zu verfolgen ist, dann gleitet man verzaubert ins eigene Träumeland, sieht glitzernde Tropfen, federleichte Wasserfontänen, weite Wüsten, afrikanische Steppen und leise Wolken am Sommerhimmel – das große Kopfkino. Mit einem Bassbogen streicht Nils Rohwer dann das Metall des Vibraphons an, lässt Vibrationen entstehen, und dann ist medidative Versenkung in sphärische, fast außerirdische Klänge durchaus möglich.

Eine kleine Pause erlaubte den Zuhörern, diese zaubrischen Instrumente näher zu erkunden – die reine Faszination.


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