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BI „Bauen in Eckernförde“ : Exer und Tourismus: Bürger sollen mitentscheiden

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Bürgerinitiative „Bauen in Eckernförde“ sieht touristische Entwicklung Eckernfördes im Grenzbereich angekommen. Der Exer eigne sich nicht als Hotelstandort.

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erstellt am 26.Jul.2017 | 06:05 Uhr

Eckernförde | Drei Themen brennen der Bürgerinitiative „Bauen in Eckernförde“ unter den Nägeln: die Zukunft des Exers und des Tourismus in Eckernförde sowie die Beteiligung der Bürger an der Meinungsbildung und Entscheidungsfindung. Die Sprecher der Bürgerinitiative, Ursula Wedler, Thomas Lilie, Dr. Falk Buettner und Wolfram Splittgerber, haben sich in einem Pressegespräch gegen eine Bebauung des derzeit als zentrale Parkfläche mit 261 Stellplätzen genutzten Exers mit einem Hotel und / oder einer Apartmentanlage ausgesprochen. Sie führen mehrere Argumente an:

>Der Verkauf von öffentlichen Flächen sei grundsätzlich bedenklich;

>dem kurzfristigen Gewinn durch den Verkauf stünden dauerhafte Einnahmeverluste aus der Exer-Bewirtschaftung (2016 Einnahmen in Höhe von 243  200 Euro, das ist ein Viertel der gesamten städtischen Parkeinnahmen in Höhe von rund 1 Million Euro pro Jahr) sowie hohe Kosten für die Schaffung von Ersatzparkflächen gegenüber;

>Ersatzparkflächen sind derzeit in der Innenstadt nicht vorhanden.

Mit dieser Frage eng verbunden ist für die Bürgerinitiative die nach der touristischen Entwicklung der Stadt. Für die vier Sprecher ist die Grenze erreicht. Rund zwei Millionen Tagesgäste pro Jahr und die vielen Urlauber in der Hauptsaison seien für eine Stadt mit 22  000 Einwohnern kaum noch verkraftbar und veränderten die städtische Infrastruktur, wie die starke Zunahme an Ferienwohnungen zeige. Zwar profitierten die Stadt und seine Bürger in vielfacher Hinsicht von den jährlichen Zuwachsraten bei den Buchungen, Übernachtungen und Umsätzen im Einzelhandel, in der Gastronomie, im Handwerk und bei den Dienstleistungen, doch müsse man auch an die einheimischen Bürger denken, die nicht vom Tourismus leben. „Irgendwann ist das Goldene Kalb Tourismus nicht weiter zu nähren, ohne die Lebensqualität der Bürger zu beeinträchtigen“, ist Falk Buettner überzeugt.

Mit einer Blockadehaltung habe dies nichts zu tun, sagen die vier Aktivisten. Ihr Einsatz diene einzig und allein dem Ziel, die Stadtentwicklung mit Impulsen, einer öffentlichen Debatte und konstruktiver Kritik in die von ihnen und ihrem Dafürhalten nach auch vielen anderen Eckernförder Bürgern in die richtige Richtung zu lenken. Und da taucht unweigerlich auch die Frage nach der touristischen Intensität und der unkontrollierten Zunahme von Ferienwohnungen im gesamten Stadtgebiet auf. „Schwarze Löcher und heruntergelassene Jalousien“ außerhalb der Hauptsaison seien wenig verheißungsvoll. „Wir sind eine Drei-Sterne-Stadt und ein kleines Bad für kleine Leute“, plädiert Buettner dafür, Maß zu halten und sich nicht touristischen Vier-Sterne-Phantasien hinzugeben. Und man müsse an die Menschen denken, die das ganze Jahr hier leben, ergänzt Thomas Lilie. „Zuviel Tourismus tötet die Stadt.“

Wedler, Lilie, Splittgerber und Buettner wünschen sich nicht nur in dieser Frage eine frühzeitige Information und Einbeziehung der Eckernförder Bürger in die Meinungsbildung, die letztlich in einer Bürgerbefragung durch die Stadt münden sollte. Am liebsten würden sie eine solche Befragung kurzfristig für die Exer-Problematik – bebauen oder nicht bebauen – angehen, haben aber noch nicht den richtigen Hebel für die Umsetzung gefunden.

Eine Hotelansiedlung auf dem Exer halten die Vertreter der Bürgerinitiative nicht für geboten. „Tagesgäste brauchen Parkplätze, keine teuren Hotelzimmer“, sagt Falk Buettner. Das neue Mango’s Hotel und die Option „Panzerplatte“ am Südstrand reichten seiner Meinung nach als zusätzliche Hotelkapazitäten aus. Falls allerdings an einem neuen Hotel auf dem Exer kein Weg vorbeigehen sollte, empfehlen die Sprecher der Bürgerinitiative, Verhandlungen mit einem bereit stehenden Investor für das Stadthallen-Hotel-Projekt aufzunehmen, statt dafür die 261 städtischen Parkplätze zu opfern. Auf diese Weise bekäme die Stadt ihr Hotel und eine neue Stadthalle, die Parkplätze auf dem Exer blieben erhalten und die eingesparten Sanierungskosten für die Stadthalle – 3 bis 3,5 Millionen Euro –, könnten zur Mitfinanzierung der Herrichtung der Willers-Jessen-Schule für die Stadtbücherei und die Touristik verwendet werden.

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