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Eckernförder Zeitung

21. November 2017 | 15:12 Uhr

Walz : Europa von Nord nach Süd

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Riesebyer Zimmermann Lukas Erb kehrt von dreijähriger Walz zurück / Familie und Freunde feiern Heimreise

von
erstellt am 26.Okt.2017 | 06:23 Uhr

Rieseby | In Europa kennt sich Lukas Erb (24) aus. Nach drei Jahren und einem Tag auf der Walz ist der Riesebyer Zimmermanngeselle am Wochenende zurück in seine Heimat zurückgekehrt. Mit einer großen Feier im elterlichen Garten hießen ihn seine Familie, seine Freunde, ehemalige Arbeitskollegen und fast 20 Wandergesellen aus ganz Deutschland willkommen. Mit großer Freude und Erleichterung legte der Zimmermanngeselle begleitet von Freunden und Gesellen dann nach alter Tradition die letzten Meter vom Ortsschild nach Hause zurück.

„Als ich den 50-Kilometer-Bannkreis um Rieseby überschritt, hatte ich ein komisches Gefühl“, blickt der Riesebyer, der bei Thomas Lutz in Loose gelernt hatte, zurück. „Je näher ich dann aber der Heimat kam, um so größer war die Vorfreude“. Schon die letzte Woche vor der Heimreise war etwas Besonderes. In Lübeck stießen sieben Wandergesellen, in Kiel vier weitere und am Sonnabend, am Tag der Rückkehr, weitere vier Wandergesellen dazu. „So ist es Tradition“, ergänzt Joscha Kuller, der mehrmals gemeinsam mit Lukas Erb unterwegs war.

Auch bei den Eltern Ulrike und Rainer Erb war die Freude über die Rückkehr ihres Sohnes groß. „Ist ja doch eine entbehrungsreiche Zeit“, stellt Rainer Erb fest. So leben die Walzgänger nur von dem, was sie am Körper tragen oder in ihrem sogenannten Charlottenburger (Tuch) tragen. Ein Mobiltelefon gehört nicht zur erlaubten Ausrüstung. Nachdem sie aber mitbekamen, dass die Walzzeit durchaus organisiert ist und ein gewisses Netzwerk dahinter steckt, waren sie unbesorgt. Froh, dass ihr Sohn nun gesund und voller Erfahrungen zurück ist, sind sie natürlich dennoch. Er habe an Selbstbewusstsein und Lebenserfahrung gewonnen.

Er würde es wieder tun, berichtet Lukas Erb. Als er vor drei Jahren los zog, da hatte er zunächst viele Gedanken an zu Hause im Kopf. „Aber das erste Jahr verging wie im Flug“, blickt er heute zurück. Es war keine Zeit, viel an die Vergangenheit zu denken, zuviel passierte jeden Tag neu. Seine Wanderzeit führte ihn über Mittel- und Süddeutschland in die Schweiz und weiter über Frankreich, Spanien bis nach Südportugal. Von dort zog es ihn in den Norden nach Skandinavien. Über Dänemark ging es nach Norwegen bis hinauf zum Nordkap. „Das war eine schöne Zeit“, ergänzt Joscha, der dort gemeinsam mit Lukas in der Nähe von Tromsø einen Supermarkt mit umbaute. Nach dem Norden zog es den Riesebyer wieder in den warmen Süden. Vier Monate war er auf Korsika, bevor es schließlich wieder nach Dänemark ging. „Skandinavien und vor allem Dänemark haben mir gut gefallen“, stellt Lukas fest. Die Arbeitstechniken und die Menschen, „alles war sehr spannend“.

Die Wanderzeit hat ihm sehr viel gebracht, sagt der Riesebyer glücklich. Er hat viel gutes Werkzeug und Arbeitstechniken der Holzverarbeitung kennen gelernt. „Fast noch wichtiger ist aber, dass ich an Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Menschenkenntnis gewonnen habe“. Wenn es mal Tage gab, wo er im Regen an der Straße stand und es hielt jemand mit dem Pkw an, um ihm eine trockene Nacht und eine warme Mahlzeit zu bieten, dann war er glücklich über das Vertrauen, das ihm als Wildfremdem entgegen gebracht wurde.

Es sei genau so wie der Spruch, „man geht als Junge und kommt als Mann zurück“, sagt Joscha. Genauso empfindet er seine Walz. Er hat noch rund ein halbes Jahr vor sich, dann kehrt er nach Krefeld am Niederrhein zurück. Lukas trägt seine schwarze Kluft noch sechs Wochen lang. In der Zeit sucht er sich Arbeit, mehrere Angebote hat er schon in Aussicht, und er zieht zu seiner Freundin. Dank der Wanderzeit hat er auch über seine berufliche Zukunft nachgedacht. „Ich weiß jetzt, was ich will.“ Und so denkt er darüber nach, seinen Meister zu machen und vielleicht auch in die Selbstständigkeit zu gehen.

Etwas komisch war es für ihn, jetzt seine Walzbegleiter alleine losziehen zu lassen. So zog es Joscha gemeinsam mit Tim Gottlebe (20) in Richtung Westerland weiter. Joscha gibt Tim sein Walzwissen weiter, denn dieser hat erst vor vier Wochen in Lüneburg seine Walz aufgenommen. Einer kommt an, ein anderer bricht auf, so ist die Tradition, stellt Joscha fest.

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