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Versicherung : Es wird eng für die freien Hebammen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Nürnberger Versicherung will zum 1. Juli 2015 aus der Versicherung freiberuflicher Hebammen aussteigen und bringt ihre bisherigen Kundinnen dadurch in arge Bedrängnis. Die imland-Klinik setzt dagegen auf den Dialog mit den zehn Beleghebammen.

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erstellt am 19.Feb.2014 | 06:13 Uhr

Eckernförde | Die Hebammen und auch die werdenden Mütter schlagen erneut Alarm. Nach der Kündigung der Nürnberger Versicherung zum 1. Juli 2015 stehen die freiberuflichen Hebammen vor dem Aus. Da auch die wenigen verbliebenen anderen Hebammen-Versicherer nach Auskunft des Hebammenverbandes VDH nicht bereit seien, die Kundinnen der Nürnberger zu übernehmen, droht das System an die Wand zu fahren. Bislang beherrschten die extrem hohen Haftpflichtprämien die Schlagzeilen und belasteten die berufliche Existenz der Hebammen, nun scheint das gesamte System auf den Abgrund zuzusteuern.

Silke Hoffmann-Timm arbeitet mit neun Kolleginnen als Beleghebamme auf der Geburtsstation der Eckernförder imland-Klinik. Sie ist bei der Nürnberger versichert, wie wohl auch die meisten ihrer Kolleginnen. Das Thema kennt sie mittlerweile zur Genüge. „Das hören wir schon seit Jahren“, meinte sie auf EZ-Anfrage. Und wenn der Ankündigung tatsächlich Taten folgen? „Wir müssen viel arbeiten und brauchen unsere Kraft. Ich hoffe, dass sich dann auch andere für uns einsetzen“, sagt Silke Hoffmann-Timm. Sie ist überzeugt, dass der Druck auch von der Basis, sprich den Müttern und Eltern kommen muss, die sich für den Erhalt der bewährten Geburtsstationen einsetzen.

Schon allein die kräftige Anhebung der Haftpflichtprämien zum 1. Juli um 20 Prozent auf 5090 Euro belastet die Existenz der freiberuflichen Hebammen.Nach Angaben der Kreisdelegierten Maike Pagel-Feldmann vom Hebammenverband Schleswig-Holstein arbeiten rund 60 freie Hebammen im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Sie mussten 2013 bereits einen Anstieg auf 4242 Euro hinnehmen. 2015 soll der Beitrag auf 6200 Euro steigen. Vor zehn Jahren lag der Beitrag noch unter tausend Euro. Die Hebammen sind jedoch von dem Angebot abhängig, weil nur noch ein Konsortium aus mehreren Versicherungen eine Gruppenhaftpflichtversicherung anbietet. Die Versicherung deckt Schäden bis zu sechs Millionen Euro ab, die Beiträge sind deshalb so hoch, weil bei Komplikationen mit gesundheitlichen Folgen für das Kind inzwischen nicht nur ein Schmerzensgeld, sondern auch der Ausfall von Verdienst und damit die Renten-und Krankenkassenbeiträge bis zum 30. Lebensjahr berücksichtigt werden. Der Hebammenverband hatte nach Worten von Maike Pagel-Feldmann angekündigt, sich für eine staatlich organisierte Versicherung einzusetzen (EZ v. 13.1.14).

Die Luft für die Hebammen wird immer dünner, die wirtschaftliche Existenz gefährdet, wenn nicht gegengesteuert wird. Für eine Hausgeburt gibt es von den Krankenkassen 707 Euro, für eine Entbindung im Geburtshaus sind es 563 Euro, Beleghebammen erhalten 293 Euro für eine Geburt in der Klinik. Dazu kommt die ständige Rufbereitschaft. „Mit 50 bis 60 Geburten pro Jahr arbeiten wir am Limit“, sagt Anke Baß. Wie Annkathrin Brien und die meisten ihrer Kolleginnen bietet sie auch Klinikgeburten als Beleghebamme in der Eckernförder imland-Klinik an. Dort konnte 2012 die drohende Schließung der Geburtsstation dank des immensen Einsatzes von Eltern und des Einlenkens der Klinikleitung abgewendet werden. Am Standort Rendsburg hingegen arbeiten 16 angestellte Hebammen, die über die Klinik versichert sind.

Möglicherweise steht auch dieses Thema bei den von Geschäftsführer Martin Wilde angekündigten Gesprächen mit den Eckernförder Hebammen auf der Tagesordnung, wenn die Versicherungen „scharf schalten“. Wilde lobt das gesamte Team der Geburtsstation („Wir sind stolz auf sie“), in der 2013 fast 600 Kinder zur Welt gekommen sind. Die Leistung wird auch dadurch gewürdigt, dass die Klinik den Hebammen Zuschüsse für bestimmte Extraarbeiten abseits der unmittelbaren Hebammentätigkeit gewährt, damit sie die hohen Versicherungsbeiträge auch zahlen können. „Ich kenne kein Haus, in dem die Hebammen so gut unterstützt werden“, sagt Wilde in hoher Wertschätzung ihrer Leistungen. Die imland-Klinik und der Kreis als Gesellschafter wissen um die hohe Qualität der Geburtsstation in Eckernförde und lassen sich dabei auch nicht von einem Fehlbetrag in sechsstelliger Höhe aus der Ruhe und aus dem Konzept bringen.

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