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Eckernförder Zeitung

11. Dezember 2017 | 09:09 Uhr

Große Show : Es muss nicht immer die Diva sein

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Claudia Piehl erweckte mit ihrem Programm “Listen to the Piehl“ große Gefühle im Carls. Besonders stark waren ihre melodisch ausgeglichenen Songs und Musicals.

Eckernförde | Es gibt viele Möglichkeiten, Glück zu empfinden. Eine ist, Claudia Piehls Konzerte zu besuchen. Jedenfalls, wer Musicals mag. „Hör dir mal die Piehl an – Singen ist gesund - weltweit“ heißt übersetzt das Motto des neuen Programms „Listen to the Piehl“. „Claudia Piehl gibt die Diva, singt Musical, Chansons, Pop und erzählt, warum das Singen so gesund ist, besonders zur Weihnachtszeit“, vermeldet die Werbekarte. Das stimmt zwar, ist dennoch zu hoch gegriffen. Zum Glück ist Claudia Piehl keine Diva – jedenfalls nicht, was die schlechten Seiten solcher Berühmtheiten wie Arroganz oder eitles Gehabe auf der Bühne betrifft. Claudia Piehl ist auch keine Diva, was ihr künstlerisches Gesamtpaket und –angebot betrifft, sondern eine Sängerin, Chorleiterin, Gesangscoach, Autorin, Regisseurin aus Eckernförde und eine Profi-Musikerin, die ihren Job mit Herzblut macht.

Um über das Singen zu Glücksgefühlen beizutragen, hatte sie sich für den Auftritt im Carls die Rolle einer Musiktherapeutin ausgesucht. Bewusst und unbewusst ist das auch geglückt: Schon nach einer halben Stunde sollten sich durch bloßes Zuhören Glückshormone bemerkbar machen. Deren Ausschüttung begann schon viel früher mit einem jazzig angehauchten „Gentle on my mind“, und könnte noch – so Claudia Piehl – durch Rotwein und Schokolade vergrößert werden. „Zusammen mit meinem Gesang wäre das dann der Overkill“. „Oxitoxin stärkt die Bindungskraft von der werdenden Mutter zum Kind; Adrenalin vermindert Schmerzempfindlichkeit, erhöht die Motivation und Wachheit“ verkündete sie, verteilt in die Ansagen ihrer Titel. „Auch die Bauchatmung dient der Gesundheit!“

Gefühle und Mitfühlen bestimmten das Programm mit Schwerpunkt auf Musical-Zitaten. Claudia Piehl moderierte, führte gekonnt in das Umfeld der Musical-Songs ein und sang sie auch. Begleitet wurde sie von der Ausnahme-Pianistin Sylwia Timoti, Karlo Buerschaper am E-Bass und Dirk Zühlsdorff am Schlagzeug. In einem Block kam Jan-Friedrich Conrad am Synthesizer dazu. Zu hören waren Songs aus den Musicals „Cabaret“, oder „Aida“, aber auch Stücke von Jacques Brel („Ne me quitte pas“, mit Piano-Begleitung und mehrsprachig gesungen einer der Höhepunkte des Abends) und Berthold Brechts „Seeräuber Jenny“ aus der Dreigroschenoper. Damit die Glückshormon-Produktion zuverlässig angeregt wird, wurde in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Plattdeutsch von Claudia Piehl gesungen; einmal sogar in Polnisch von Sylwia Timoti.

Claudia Piehl singt alles, was eine Pop-Diva gerne singen möchte. Die Piehl als Chansonette für kleine Bühnen wirkte sehr viel glaubwürdiger als mit übertriebenen Gefühlswallungen wie in „Die Wahrheit“ aus dem Musical „Aida“. Bei so vielen verschiedenen Genres, mit denen Claudia Piehl als Gesangslehrerin vertraut ist, wagte sie sich auch in Bereiche, die ihrer Stimme nicht gut taten – wie in Songs, in denen der Ausdruck extreme Anforderungen bis zum Schreien an die Stimme stellte: Überforderungen, die bei weitem nicht mehr so „schön“ klangen und dieser Stimme so gerecht wurden, wie in melodisch ausgeglichenen Songs.

An diesem Abend wurde das Carls auch zum Fernsehstudio: Teile des Konzerts wurden von Bernhard Waack aus Pinneberg live ins Internet übertragen und konnten weltweit verfolgt werden. Eine Aufzeichnung des Konzerts ist jederzeit abrufbar. „Früher haben wir vor jeder Show gerufen ‚Heute: Eckernförde! Morgen: die ganze Welt!‘ Mit den neuen Medien ist das bei geringem Aufwand möglich!“ freute sich Claudia Piehl über den Fortschritt der Technik.

Tanzeinlage, der Gang singend durchs Publikum, C.P. an der Klarinette, Reminiszenz an ihr Vorbild Peter Maffay, der Theaterteller zur Stärkung in der Pause machten diesen Abend dennoch zu mehr als nur einer intensivierten Glückshormon-Produktionsanregung. „Ist es gut, ist es schlecht? Ich bin nie mit halbem Herz dabei, lieg ich falsch, hab ich recht? Ich sag ja oder ich sag nein…“ heißt es in dem Maffay-Song. Claudia Piehl hat „ja“ gesagt zu allen Songs. Nur reicht es nicht aus, mit ganzem Herzen dabei zu sein. Die Stimme muss auch mitmachen. Die Zugabe „Sag mir, wo die Blumen sind“ endet mit „Wann wird man je versteh‘n?“ könnte ein Hinweis auf eine Diva sein: Deren Verhalten versteht auch nicht jeder.

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Weitere Infos und Hörbeispiele: www.claudiapiehl.de und auf youtube




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