"Es müssen noch immer Barrieren abgebaut werden"

Das Jugendrotkreuzorchester unterhielt die Besucher im Ratssaal. Fotos: Ritterbusch
1 von 2
Das Jugendrotkreuzorchester unterhielt die Besucher im Ratssaal. Fotos: Ritterbusch

Europäischer Aktionstag für Menschen mit Behinderungen bot viel Information und Unterhaltung im Rathaus

shz.de von
08. Mai 2012, 06:17 Uhr

Eckernförde | Die Inklusion von Menschen mit Behinderung funktioniert gut in Eckernförde, sagte Kathrin Jeß auf dem Europäischen Aktionstag für die Belange von Menschen mit Behinderung. Die FDP-Ratsfrau und Vorsitzende des Beirates für Menschen mit Behinderung der Stadt Eckernförde verwendet bewusst den Begriff Inklusion und nicht Integration. Integration bedeute, dass der Mensch mit Behinderung mit Hilfsmitteln, Therapien oder sogar Operationen alles dafür zu tun hat, um sich der Gesellschaft anzupassen. Nach Ansicht des Beirates müsste sich jedoch die Gesellschaft anpassen und Menschen mit Behinderungen so akzeptieren, wie sie sind und ihnen in vollem Umfang eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Unterschiede würden weder infrage gestellt noch als Besonderheit gesehen. "Es müssen noch immer Barrieren in den Köpfen abgebaut werden", stellt Kathrin Jeß fest. Dabei hat sie eine ganz einfache Lösung, um Klischees und Vorurteile abzubauen: "Fragt uns doch mal all die blöden Fragen".

Eine Möglichkeit dafür bot der Aktionstag, der in diesem Jahr in ein buntes Programm aus Information und Musik - unter anderem vom Jugendrotkreuzorchester und der Stoker Jazz Band - eingebunden war. Ein vielfältiges Programm, so die Organisatorin, sei besser dazu geeignet, viele Menschen anzusprechen, als bloße Informationsstände in der Fußgängerzone.

Eine gute Idee, fand auch Maike Braasch. "Man bekommt sonst die Probleme von Menschen mit Behinderungen nicht mit", sagte die Eckernförderin. "Durch das Programm zeigt man ein Zusammengehörigkeitsgefühl."

Für Menschen mit Behinderungen da sein, das ist auch ein Wunsch der Bahnhofsmission. Zusammen mit anderen sozialen Gruppen wie dem Sozialverband stellte Bahnhofsmissionsmitarbeiterin Mike Zachow die Angebote in Eckernförde vor. Neu bietet die Bahnhofsmission in Schleswig-Holstein einen Begleitservice für Menschen mit einer Sehbehinderung an. Ein Mitarbeiter hilft, die Reise zu organisieren, unterstützt beim Ein- und Aussteigen und gibt Orientierung am Bahnhof. Nicht zuletzt bietet die Bahnhofsmission am Eckernförder Bahnhof auch einen Hublift für Rollstuhlfahrer an.

"Inklusion verwirklicht sich im Alltag, im Beruf, bei Freunden und in der Familie", sagte Bürgermeister Jörg Sibbel. Er engagierte sich als Schirmherr für den Aktionstag und hoffte, dass dieser Tag "von Nachhaltigkeit gezeichnet ist". "Auch die Stadt kann Meschen mit Behinderung mit Blindenleitsystemenen und Rampen helfen.", sagte er.

"Es fehlt noch einiges", sagte Dieter Stepkes. Die 54-Jährige ist an Multiple Sklerose erkrankt und sitzt im Rollstuhl. Er hat die Erfahrung gemacht, dass Rampen nicht immer hilfreich sind. "An der Behindertentoilette am Hafen muss man sich mit dem Rollstuhl auf der Rampe halten und dann noch die Tür aufschließen", berichtete er - ein schwieriges Unterfangen, das alleine nur schwer zu bewerkstelligen sei. Seiner Meinung nach gebe es zudem noch zu wenig behintertengerechte Toiletten und auch das Kopfsteinpflaster unter anderem am Rathausmarkt sei für Rollstuhlfahrer ungeeignet. Der Aktionstag sei eine gute Idee, jedoch wünschte er sich noch mehr Möglichkeiten zum Meinungsaustausch.

Dass das Kopfsteinpflaster für Rollstuhlfahrer ein Problem darstellt, hat auch der Beirat für Menschen mit Behinderung festgestellt. "Man kann das Kopfsteinpflaster schneiden und mit der glatten Fläche nach oben legen", nannte Jeß eine Möglichkeit, dem Problem Herr zu werden. Zwar würden die Beiratsmitglieder zu Baumaßnahmen in der Stadt befragt, aber "es gibt auch Ecken, in denen es nicht so gut läuft", räumte sie ein.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen