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„Es geht nicht um mich, es geht um die Demokratie“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Sicherheitsstufe Orange im Brüsseler EU-Parlament. Kurz vor Rot. Noch dürfen die Abgeordneten das Gebäude verlassen, aber Ulrike Rodust, EU-Abgeordnete aus Söby, ist geblieben und sitzt seit 9 Uhr mit ihren Kollegen im Fischereiausschuss. Ein Zeichen der Stärke angesichts des Terrors ringsherum. Einige Parlamentarier wollten die Sitzung absagen, Ulrike Rodust hat sich vehement dafür eingesetzt, dass sie weitergeht: „Genau das wollen die Terroristen doch. Die Demokratie lahm legen, das ist nicht meins“, sagt die gestandene Sozialdemokratin (66) und langjährige EU-Angeordnete.

Sie ist seit Montag in Brüssel und war gestern bereits im Parlament, als die Bomben detonierten und Menschen getötet wurden und verletzt wurden. Rings um die Parlamentsgebäude kreisen die Hubschrauber, die Luft ist erfüllt von Sirenengeheul. Kein Wunder – eine der Anschlagsziele ist die U-Bahnstation in unmittelbarer Nähe, vielleicht 800 Meter entfernt, Luftlinie noch weniger. „Das ist ein Angriff auf die europäischen Institutionen“, sagt Rodust. Und das Parlament mittendrin. Verständlich, dass da Ängste hochkommen. „Meine Angst hat sich auf meine Mitarbeiter beschränkt“, sagt die 66-Jährige, die von den fürchterlichen Anschlägen zwar geschockt ist, die zugespitzte Lage persönlich aber relativ entspannt und mit Gottvertrauen durchlebt. „Es macht doch keinen Sinn, sich da hineinzusteigern. Mir persönlich wird im gesicherten Parlamentsgebäude nichts passieren. Es geht aber nicht um mich, es geht um die Demokratie. Die gilt es zu schützen und zu stärken“, appelliert Ulrike Rodust an alle Bürger, sich nicht durch derartige Anschläge, so grauenhaft sie auch sein mögen, einschüchtern zu lassen.

Nach dem Telefonat mit unserer Zeitung in der Mittagspause war noch nicht klar, ob die Sitzung des Fischereiausschusses wie geplant um 15 Uhr weitergeht. „Ich fürchte, dass wir nicht tagen können.“ Denn an der Sitzung sollten auch Vertreter der EU-Kommission teilnehmen, und die sitzen in ihrem Gebäude fest. Außerdem war eine Anhörung mit einem von ihr geladenen Gast geplant, er hat Brüssel nicht erreicht. Wie geht’s weiter? Ulrike Rodust lässt alles auf sich zukommen. Die Metro ist dicht, der ÖPNV zusammengebrochen. Sie hat den Rückflug vom Flughafen Zaventem nach Hamburg für heute geplant. Doch daraus dürfte nichts werden. Rodust geht ganz pragmatisch damit um und wird versuchen, auf die Bahn oder aufs Auto umzusteigen, um nach Schleswig-Holstein zurückzukommen. Ihr eigenes Schicksal nimmt sie ganz gelassen. Auch, dass sich ihre Pläne für das anstehende Osterfest jetzt vielleicht ändern. Damit kann sie gut leben. Ihre Gedanken sind vielmehr bei den Opfern und Hinterbliebenen der Terroranschläge. Und bei der Demokratie, die die Terroristen zerstören wollen.

Ihr Mann Uwe ist zuhause in Söby, hat gerade Holz im Wald geschlagen und steht natürlich mit seiner Frau in ständiger Verbindung. Er weiß um die latente Gefahr, in der sich seine Frau als EU-Politikerin bewegt, und kann gut damit umgehen. Er freut sich darauf, seine Frau möglichst bald wieder in die Arme schließen zu können.

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erstellt am 22.Mär.2016 | 12:24 Uhr

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