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Kommunale Entwicklungszusammenarbeit : Es braucht jetzt mehr als Sonntagsreden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

55 Teilnehmer tauschen sich bei der Landesfachtagung „Eine Welt in Schleswig-Holstein“ im TÖZ zu Fragen und Instrumenten kommunaler Entwicklungzusammenarbeit aus. Klimaforscher Mojib Latif warnte vor Folgen des Erderwärmung.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2013 | 06:23 Uhr

Die nördlichste Fairtrade-Stadt Deutschlands, Städtepartnerschaft mit dem tansanischen Tanga und dazu eine für das Bundesland typische Größe – Eckernförde sei der perfekte Austragungsort für die Landesfachtagung zum Thema kommunale Entwicklungszusammenarbeit, betonte Veranstalter Martin Weber vom Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein (BEI). Rund 55 Interessierte trafen sich am Montag im Technik- und Ökologiezentrum zu der Veranstaltung „Eine Welt in Schleswig-Holstein“ – darunter vor allem Vertreter kommunaler Verwaltungen und entwicklungspolitische Akteure. Als besondere Gäste waren Professor Doktor Mojib Latif vom Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung sowie Ulf Kämpfer, Staatssekretär am Landesministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MLUR), in die Ostseestadt gekommen.

„Eine Konsequenz der Globalisierung ist das Heranrücken der Probleme“, sagte Ulf Kämpfer. Darüber, dass jeder mit seinem Handeln auf die eine Welt einwirke, gebe es ausreichend Bewusstsein. Die Herausforderung sei klar, so Martin Weber. Eine Verhaltensänderung, bliebe im Alltag jedoch meist aus.

Passend dazu fügte sich der Vortrag von Mojib Latif über den Klimawandel und dessen globalen Folgen ein. Weltweiten Klimaschutz gebe es demnach nach wie vor nicht. „Seit 2000 ist der CO²-Ausstoß um 40 Prozent gestiegen“, so der Experte. Die Schuld aber allein auf Länder wie Indien oder China zu schieben, spiegele die tatsächliche Verantwortlichkeiten nicht wider. „Natürlich hat gerade China erheblich aufgeholt, sogar beim Pro-Kopf-Ausstoß hat es mit Europa gleichgezogen. „Das liegt aber auch daran, dass die Industrieländer ihre Produktion dorthin verlagern.“ Man dürfe deshalb nicht nur schauen, wo etwas produziert, sondern auch, wo es letztlich konsumiert wird. Der Klimaforscher forderte von allen Seiten mehr Ehrlichkeit in dieser Diskussion und verwies auf das Potential erneuerbarer Energien – auch als Perspektive für von der Wirtschaftskrise betroffene Staaten. „Energie gibt es es genug, die Technologien müssen nur verbessert und weiterentwickelt werden.“ Nur sofortiges Handeln könne die Erderwärmung und die Folgen für Umwelt und Menschheit noch in Grenzen halten.

Nachhaltige Entwicklung impliziere neben Umweltverträglichkeit auch Sozialverträglichkeit, betonte zudem Martin Weber. „Wir stimmen weitgehend darin überein, dass wir die Handlungsoptionen anderer nicht durch unser Handeln einschränken wollen.“ Die Erkenntnis alleine reiche aber nicht. „Es muss über Sonntagsreden hinausgehen. Entwicklungszusammenarbeit kann auch vor Ort, im Kleinen stattfinden.“

Diese Botschaft zu vermitteln, Anregungen für die Kommunalpolitik zu geben und Vernetzungen zu unterstützen waren zentrale Ziele der Fachtagung, die das BEI in Zusammenarbeit mit dem MLUR und dem Städteverband Schleswig-Holstein organisiert hatte. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen verschiedene Workshops. In vier sogenannten Wold Cafés erhielten die Teilnehmer zunächst Informationen zu den Initiativen Fairtrade-Towns, Städte- und Schulpartnerschaften in Schleswig-Holstein und Globales Lernen sowie zu dem Streitfall: Tariftreue- und Vergabegesetz. Anschließend konnten sich die Teilnehmer in Vertiefungsseminars intensiver mit einem Instrument kommunalpolitischer Entwicklungszusammenarbeit beschäftigen.

Vorläufige Ergebnisse: Die bisher BEI-interne Arbeitsgruppe „Produktion und Konsum“ wird um kommunale Vertreter erweitert. Außerdem wird es eine Exkursion der Akteure des Fairtrade-Workshops zum Süd-Nord Kontor in Hamburg geben. Mit Blick auf das Thema „nachhaltige Beschaffung“ soll eine eine Broschüre entstehen. Die Teilnehmer des Workshops Städte- und Schulpartnerschaften wollen sich zukünftig regelmäßig über Stand und Formen von Partnerschaften austauschen.

 

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