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Warnstreik : Erzieherinnen wollen mehr Wertschätzung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Erzieherinnen der kommunalen Kindergärten verlangen eine bessere Einstufung in der Tariftabelle. Ihre Aufgaben und Belastung ist stark gestiegen. Deshalb haben sie am Mittwoch einen Tag lang die Arbeit niedergelegt.

Eckernförde | Es sollte ein Schuss vor den Bug der kommunalen Arbeitgeberverbände sein: Gestern haben die Erzieherinnen der städtischen Kindertagesstätten in Eckernförde die Arbeit niedergelegt. Ein ganztägiger Warnstreik sollte ihren Forderungen nach einer besseren Eingruppierung während der laufenden Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst der Kommunen Ausdruck verleihen. Aufgerufen dazu hatte die vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Begründung: Am 23. März endete die erste Verhandlungsrunde ohne ein Angebot der Arbeitgeber.

„Viele denken, dass Erzieherinnen mit den Kindern ein bisschen malen und für den Rest des Tages Kaffee trinken“, sagte Verdi-Vertreterin Carina Schulz gestern Vormittag im Café Heldt, wo sich die Erzieherinnen zu einem Streik-Frühstück trafen. „Aber im Gegenteil hat sich der Job stark gewandelt.“

Das bestätigte Andrea Carstens, Leiterin des städtischen Kindergartens Püschenwinkel. „In den letzten Jahren sind viele Arbeitsfelder wie die Dokumentation hinzugekommen.“ Die Zahl der Kinder, die eine intensivere Betreuung und mehr Aufmerksamkeit benötigen, sei stark gestiegen. Ebenso die Arbeit mit den Eltern. „Sie brauchen mehr Beratung als früher.“ Hinzu kämen Kontakte zu anderen Einrichtungen und Gespräche mit Therapeuten. „Vor 25 Jahren war es etwas Besonderes, wenn ein Kind mal eine sprachliche Förderung benötigte“, fügt Kita-Nord-Leiterin Andrea Dechow hinzu. In ihrem Kindergarten hat rund die Hälfte der Kinder einen Migrationshintergrund. „Heute bekommen 35 von 60 Kindern eine sprachliche Förderung.“

Das alles bedeutet wesentlich mehr Aufwand. Was nicht in der Arbeitszeit geschafft wird, wird oft privat erledigt – ohne Bezahlung. Andrea Carstens: „Die Politik muss sehen, dass nach den Eltern die Erzieher für die Bildungsbiographie der Kinder verantwortlich sind.“ Doch die Realität sieht anders aus: Rein rechnerisch betreuen 1,5 Erzieherinnen 20 Kinder. Bei Ausfallzeiten wie Krankheiten sind die Kolleginnen allein.

„Es ist an der Zeit, dass Ihr Euch das nicht mehr gefallen lasst“, rief Verdi-Ortsvorsitzender Horst Kunze den Erzieherinnen Mut zu. „Jeder sagt, dass die Erzieherin eine gesellschaftlich wichtige Aufgabe übernimmt. Aber bei der Wertschätzung hört es dann auf.“

Dabei geht es nicht um eine einmalige Gehaltserhöhung, sondern um eine bessere Eingruppierung: Sozialpädagogische Assistenten werden in die Entgeltgruppe S4 eingestuft. Bei Berufsantritt erhalten sie für eine volle Stelle 2155 Euro brutto monatlich. Erzieherinnen stehen bei Berufsantritt bei 2367 Euro. Verdi fordert eine Eingruppierung in die Entgeltgruppe S8, die 2478 Euro bei Berufsantritt bedeutet.

Die Eltern waren frühzeitig über den Warnstreik informiert worden. Von ihnen erhalten die Erzieherinnen Rückenwind: „Ich kann die Forderungen der Erzieherinnen nur unterstützen“, sagt zum Beispiel Carolin Kankelfitz. Die 39-Jährige hat einen vierjährigen Sohn im Kindergarten Püschenwinkel. „Es ist wichtig, dass sich engagierte und gut ausgebildete Kräfte um die Kinder kümmern. Und ich will, dass es auch in Zukunft so bleibt.“ Die Kindergärtnerinnen würden teilweise die Erziehungsarbeit übernehmen, zu der die Eltern wegen der Notwendigkeit zur Arbeit heute keine Zeit mehr haben. „Was gibt es Wichtigeres?“

Für die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) sind die Warnstreiks unbegründet: „Die Gewerkschaften haben bislang mehr gestreikt als verhandelt. Das steht in keinem Verhältnis“, so VKA-Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann. Bis Mai seien schon Warnstreiks geplant – unabhängig vom Verhandlungsverlauf. Dabei habe die VKA Gespräche über die Eingruppierung nie abgelehnt. Heute geht es in Düsseldorf in die nächste Verhandlungsrunde.



 

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erstellt am 09.Apr.2015 | 06:47 Uhr

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