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bürgerinitiative gammelby bald wieder aktiv? : Erweiterung der Deponie stößt auf Widerstand

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

150 Interessierte besuchten am Dienstagabend den Informationsabend der Unternehmensgruppe Peter Glindemann, die die Deponie Gammelby kaufen und erweitern möchte. Ihre Sorgen gelten Umweltbelastungen und einem zunehmenden Lkw-Verkehr.

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2015 | 04:02 Uhr

Die Unternehmensgruppe Peter Glindemann (Sitz in Grevenkrug) ist den Gammelbyern bisher als Betreiberin des ortsansässigen Kieswerkes im Koseler Weg bekannt. Jetzt plant das mittelständische Unternehmen die Erweiterung der Deponie Gammelby und die Errichtung einer abfallwirtschaftlichen Betriebsfläche mit einer Laufzeit von 20 Jahren. Bislang hat sich nur die Gemeindevertretung mit den Plänen, die nach Aussage der Firma noch in den Anfängen stecken, befasst. Am Dienstagabend informierte das Unternehmen die Öffentlichkeit und stellte sein Konzept vor. Rund 150 Bürger hatten den Weg ins Hotel Stöterau gefunden – der Andrang war so groß, dass einige Zuhörer sich kurzerhand auf den Boden setzten.

Die Deponie am Ortsausgang Richtung Rieseby besteht seit den 70er Jahren. Zuletzt wurde sie von der Firma Nath betrieben, die in diesem Jahr Insolvenz angemeldet hat. Das Gelände ist in vier Flächen aufgeteilt. Auf der Betriebsfläche, auf der die Halle steht, will das Unternehmen nach dem Verfahren des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge, BImSchg) eine abfallwirtschaftliche Nutzfläche für den Containerumschlag und als Zwischenlager für nicht gefährliche Abfälle (Bauschutt oder Holz) errichten. Diese Fläche befindet sich nach Angaben des Geschäftsführers, Dr. Guntram Lauenstein, bereits im Besitz der Unternehmensgruppe.

Ihre Pläne, den Standort zu erweitern, stießen bei den Gammelbyern auf massive Ablehnung. Die Deponie selbst bereitet vielen Bürgern Unbehagen. Sie stellten Fragen: Was befindet sich im Deponiepolder 1? Kann man diesen zwecks Gewissheit öffnen? Was will die Firma Glindemann dort lagern? Man gehe davon aus, dass dort Bauschutt und Asbest entsorgt worden sei, so Dr. Lauenstein – das werde man dort nach neuesten Sicherheitsstandards ebenfalls tun. Reste von zurückgebauten Atomkraftwerken werde man dort nicht lagern, versicherte er. „Wir planen eine relativ kleine Deponie mit 430  000 Kubikmetern. Sie ist ausgerichtet für den regionalen Bedarf im Umkeis von rund 30 Kilometern“, so der Geschäftsführer. Die Frage nach einer Öffnung lehnte er mit Hinweis auf die Kosten von einer Million Euro entschieden ab. Sollte sein Unternehmen die Fläche erwerben, werde es für eine ordnungsgemäße Oberflächenabdichtung sorgen.

Nicht nur die Deponie, auch die Zuwegung und die Führung des Lkw-Verkehrs bereitet den Gammelbyern große Sorgen. Der Projektleiter, Ing. Dieter Stockheim, stellte zwei Alternativen vor: Die erste Möglichkeit: Von der B  76 aus erfolgen Zufahrt und Abfahrt auf die /von der Deponiefläche von Süden über den Birkenseer Weg und die Birkenkoppel. Die zweite Möglichkeit: Von der B  76 aus erfolgen Zufahrt und Abfahrt auf die/ von der Fläche von Norden durch die Dorfstraße. Beide Alternativen lehnen die Gammelbyer strikt ab. Glindemann plant, die Deponie montags bis freitags von 6 Uhr bis 17 Uhr, sonnabends von 6 Uhr bis 12 Uhr zu betreiben. Die Firma schätzt den entsprechenden Lkw–Verkehr auf zehn Lkw-Umläufe pro Tag für die Deponie und drei bis vier Lkw-Umläufe pro Stunde für die Betriebsfläche. „Das entsprechen rund zehn Lkw pro Stunde und 100 Lkw am Tag“, bestätigte Dr. Lauenstein die Rechnung einer Bürgerin. Anwohner des Birkenseer Wegs machten ihrem Unmut deutlich Luft. „Wir sind ohnehin schon belastet“, so eine Anliegerin. „Wir sind nur eine kleine Gemeinde – das ist zu viel für uns“, erhielt sie Unterstützung von einer anderen Teilnehmerin. Applaus kam auf, als eine Anwohnerin ihre Bedenken äußerte: „Bei mir sind alle Alarmglocken ganz weit oben, wenn eine Firma sich dieses kleine Stück als Sahnestück auserkoren hat.“ Harro Possel (Geschäftsführer IPP Possel und Partner) akzeptierte die Bedenken, machte aber deutlich: „Wir sind erst am Anfang, wir sind in einem Prozess. Wir sind transparent, deswegen sind wir hier“, so Possel.

„Wenn Sie partout sagen, Sie wollen das nicht als Gemeinde, dann tun wir das nicht“, sagte Geschäftsführer Lauenstein, wies aber daraufhin, dass die Genehmigung für den Deponiepolder 1 vorliege. „Wir gehen ja nicht auf die grüne Wiese. Wir haben es hier mit einem genehmigten Standort im Regionalplan des Landes zu tun“, gab er zu bedenken. Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde für die Deponie ist das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Gemeindevertreter Eckhard Schmidt brachte es nach Meinung aller Bürger, die applaudierten, auf den Punkt: „Es ist ein sehr gutes Vorhaben für die Firma Glindemann, aber nicht für die Gemeinde Gammelby.“

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