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Podiumsdiskussion in der Schule : Erstwähler fragen Direktkandidaten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Schülervertretung der Peter-Ustinov-Schule hat sechs Politiker zur Podiumsdiskussion eingeladen. Themen waren unter anderem Lernmittelfreiheit und Gleichstellung.

Eckernförde | „Wir hatten das Gefühl, dass einige Jugendliche in Bezug auf die Landtagswahl noch nicht so richtig informiert sind. Und das wollten wir ändern“, sagte Saskia Kowallick. Die 18-Jährige ist Mitglied der Schülervertretung der Peter-Ustinov-Schule. Gemeinsam mit Madita Koch (18), ebenfalls aus dem 12. Jahrgang, begrüßte sie gestern Vormittag ungewohnte Gäste auf der Bühne der Aula. Zu Gast waren die Direktkandidaten von CDU, SPD, SSW, Piraten, Bündnis 90/Die Grünen für den Wahlkreis 8 (Eckernförde) und der FDP-Landesvorsitzende Dr. Heiner Garg, die sich und das Programm ihrer jeweiligen Partei vorstellten und den Schülern Rede und Antwort standen: Daniel Günther (CDU), Jette Waldinger-Thiering (SSW), Joschka Knuth (Bündnis 90/Die Grünen), Wolfgang Dudda (Piraten) und Serpiel Midyatli (SPD).

Die Politiker nicht nur im Fernsehen zu erleben, sondern sich selbst ein Bild von den Direktkandidaten zu machen, die am 7. Mai für den Landtag kandidieren – diese Möglichkeit nutzten gestern die Schüler des 11. und 12. Jahrgangs der Peter-Ustinov-Schule. Alle sind Erstwähler und so blickten sie gespannt der zweistündigen Diskussion entgegen.

Lernmittelfreiheit auch für die digitalen Medien, Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare, Adoptionsrecht für sie, Flüchtlingspolitik – die Schüler hatten ganz konkrete Fragen an die Politiker. Umso erstaunter reagierten alle, als auch Daniel Günter (43) von der CDU ein eindeutiges Ja zum Adoptionsrecht sagte. „Ich finde es höchst bedauerlich, dass meine Partei auf Bundesebene noch nicht auf diesem Weg ist“, so der 43-Jährige. FDP-Landesvorsitzender Dr. Heiner Garg, der in der Vorstellungsrunde sagte, dass er seit fünf Jahren mit einem Mann zusammenlebe und diesen am liebsten auch heiraten wolle, kritisierte das Verhalten der CDU auf Bundesebene: „Ich finde es schlicht beschämend, wie sie mit Menschen wie mir umgehen“, so der 51-Jährige.

Dass in der Bildungspolitik noch viele Baustellen vorhanden seien, bekannte auch Serpil Midyatli (SPD). Die 41-Jährige steht für Lernmittelfreiheit in Gänze, auch für die digitalen Medien wie Tablets, sieht aber die oberste Priorität in der hundertprozentigen Lehrerversorgung an den Schulen, so dass alle Schüler an der Bildung teilhaben. In diese Richtung stieß auch Jette Waldinger-Thiering (SSW). Digitalisierung und Kosten für Klassenfahrten seien „ganz große Themen“, so die 52-Jährige. Das Problem sei erkannt, aber seine höchste Priorität in der nächsten Legislaturperiode sei die „hundertprozentige Unterrichtsgarantie“, so Günther, der gleich zu Beginn verriet, dass er 1993 sein Abitur mit der Durchschnittsnote 3,4 gemacht habe. Denn es müssten für alle jungen Menschen die Chancen auf Bildung vorangetrieben werden. Wichtiger als ein eigenes Tablet zu besitzen sei der Unterricht in digitalen Medien, so Wolfgang Dudda (Piraten, 58). „Wer mit den digitalen Medien nicht zurechtkommt, ist der Analphabet des 21. Jahrhunderts“, so Dudda. Ähnlich plädierte Joschka Knuth: „Wir müssen die Technik verstehen“, so der Kandidat der Grünen. Ganz anders die Meinung der FDP: „Wir müssen so schnell wie möglich das digitale Steinzeitalter in Schleswig-Holstein beenden“, sagte Garg. Es könne nicht sein, dass nur diejenigen digital lernen könnten, die über den entsprechenden Geldbeutel verfügten. Großen Beifall erhielt er für sein Schlussstatement. „Ich will diese Scheiß AfD aus dem Landtag raushalten.“ Unterstützung erhielt er von der SPD. „Alles ist besser als Rechtspopulismus und rechte Hetze zu wählen“, sagte Midyatli. Eine Vertrauensgesellschaft statt einer Überwachungsgesellschaft und mehr Demokratie forderte Dudda (Piraten). Günther (CDU) hat sich die Unterrichtsgarantie auf die Fahnen geschrieben, während Knuth sich für eine Gesellschaft in einem offenen Europa stark macht. Teilhabe aller an der Bildung auszubauen, ist das Ziel von Waldinger-Thiering (SSW).

Noch ist sich Madita Koch nicht ganz sicher, wen sie am 7. Mai wählt, „aber gebracht hat es auf alle Fälle etwas“, sagte sie nach der Diskussion. Saskia Kowallick war sich vorher bereits sicher. „Aber ich habe von beiden Podiumsdiskussionen (EZ-Podiumsdiskussion am 29. März, die Red.) stark profitiert“, so die 18-Jährige.

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erstellt am 04.Apr.2017 | 06:51 Uhr

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