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Jubiläum : Erste Jahre: „Trainingslager ohne Ende“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Jörg-Michael Schmidt ist heute 30 Jahre als Gemeindepastor in Rieseby und Loose im Amt

Rieseby | „Ich bin überrascht von der Aufgabenvielfalt, die mich als Pastor erwartet hat“, sagt Jörg-Michael Schmidt. Heute, 30 Jahre nach seinem ersten Arbeitstag am 16. Dezember 1986 , blickt er entspannt zurück auf seine Zeit in der Kirchengemeinde Rieseby. „Die ersten Jahren waren ein Trainingslager ohne Ende“, sagt er. Inzwischen habe er viel Erfahrung gesammelt und sei sehr glücklich, über das Zurückliegende.

Die besondere Herausforderung für einen Pastor sieht Schmidt in der Sprache, mit der er die Menschen erreicht. „Ich möchte die Sprache der Menschen sprechen, ohne sie nachzuahmen“, erklärt der 57-Jährige die Aufgabe. Ob bei Taufen, Trauungen oder Beerdigungen – immer gilt es die Menschen einzubinden, sie mit ihren Ängsten und Sorgen zu achten und Antworten auf ihre Fragen zu finden. Eine große Hilfe ist ihm das Studium der Germanistik und der Theaterwissenschaften. Dadurch gelingt es Schmidt mit Sprache zu jonglieren. Immer wieder greift er zum Wort Gottes als Quelle zurück, und schaut, wie er die Aussagen auf den Alltag anwenden kann. „Das macht mir immer wieder Freude“, sagt er und sei selber erstaunt, wie er zu den selben Passagen immer wieder neue Ansätze findet.

„Nach seinen Predigten kann man etwas mitnehmen“, sagt Peter Lorey. Lorey gehörte acht Jahre dem Kirchengemeinderat an und wurde nun erneut für sechs Jahre gewählt. Seine Freundschaft zu Schmidt geht schon 28 Jahre zurück. Zusammen haben sie Sport gemacht und vieles mehr.

Besonders wertvoll wurde ihre Freundschaft, als Pastor Schmidt Ende 2011 schwer erkrankte. Familie Lorey hielt einen engen Kontakt zu Sibylle Schmidt und den drei Kindern. Zugleich übernahmen Peter Lorey und der weitere Kirchengemeinderat seine Aufgaben in Vertretung. „Das wünscht sich keiner, als Ehrenamtler für den Hauptamtler einspringen zu müssen“, sagt Lorey. Aber Schmidt hatte mit der Kirchensanierung und der Veränderung der evangelischen Kinderstube viel angestoßen. Das liegen zu lassen, hätte den Pastor nach seiner glücklichen Rückkehr gleich extrem gefordert. Im August 2012 wurde Schmidt erfolgreich operiert und hielt am 7. März 2013 wieder seinen ersten Gottesdienst.

In der Zeit hätten sie selber erlebt, wie umfangreich die Arbeit eines Gemeindepastors ist, sagt Lorey. Die Vorstellung, sie stünden einmal die Woche auf der Kanzel, machten Trauungen und Beerdigungen, und das sei es, die treffe nicht zu. Neben den Kernaufgaben der Theologie und der Seelsorge mit den Menschen sind es zahlreiche Aufgaben mehr, die der Pastor organisieren muss und die seine ganze Verantwortung fordern. Neben der Mitarbeiterführung für die kirchlichen Einrichtungen (21 Köpfe), der Verwaltung und Organisation der Gemeindearbeit, die Jugend- und Seniorenarbeit ist es vor allem auch der Haushalt der Kirchengemeinde, der fordert, berichtet Schmidt. „Man sieht die ganze Arbeit nicht“, ergänzt Lorey.

Welche Arbeit Schmidt am meisten Spaß macht, das kann er nicht sagen. Reich beschenkt fühlt er sich, wenn in Konfirmandengruppen Jugendliche beginnen, Fragen zu stellen und wenn Ehepaare 20 Jahre nach ihrer Trauung zu ihm kommen und berichten, wie viel ihnen die Predigt gab. „Nur wer Fragen stellt, der kann auch Antworten erhalten“, sagt Schmidt.

Nach seinem Theologiestudium kam Schmidt 1984 zum Vikariat in die Kirchgemeinde Borby. Beim damaligen Pastor Jens Christophersen hat er viel gelernt, vor allem auch, dass er Grenzen ziehen muss. Da habe er auch sein optimistisches Weltbild, wonach alle Menschen gut seien, aufgeben müssen, erklärt Schmidt. Ein großes Anliegen ist Schmidt die Vernetzung mit den Kirchengemeinden in Schwansen. Schon seit vielen Jahren arbeite man sehr gut zusammen und habe erkannt, dass jede Kirchengemeinde für sich selbstständig bleiben könne, und dem eine enge Vernetzung dennoch nicht entgegenstehe. Und da die Zusammenarbeit sehr gut läuft, wurden die Gemeinden vom Kirchenkreis als Modellregion ausgewählt. Details werden 2017 festgelegt.

In die Zeit von Schmidt fiel der Bau des kirchlichen Kindergarten 1995, der Umbau des Gemeindebüros und die umfangreichen Sanierungen in der St.-Petri-Kirche. Diese werden im Lutherjahr 2017 mit dem Austausch des letzten verbliebenen Kirchenfensters abgeschlossen. Eine Lösung steht noch hinsichtlich des defizitären Friedhofsbetriebs aus. „Ansonsten ist die Kirchengemeinde sehr gut aufgestellt“, lobt Lorey die Weitsicht des Pastors.

Als Chance wertet Schmidt die Integration von Asylsuchenden. Auf lange Sicht und im Zuge der Globalisierung geht er von einer Vermischung der Religionen aus. Ökumene werde dabei vor allem an der Basis und in den Gemeinden erfolgen. Es gehe nicht um Missionierung, sondern viel mehr um die Bewahrung der Humanität im Umgang miteinander, macht Schmidt deutlich. Er ist den Ehrenamtlichen im Helferkreis sehr dankbar für ihren Einsatz.

Danken möchte Schmidt neben der Familie auch allen Mitarbeitern und Ehrenamtlichen, die ihn alle die Jahre begleitet und durch ihr Engagement unterstützten.

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erstellt am 16.Dez.2016 | 06:21 Uhr

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