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Eckernförder Zeitung

12. Dezember 2017 | 19:15 Uhr

Heiligabend : Erst melken, dann bescheren

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Weihnachten auf dem Hof Köhn: Erst die Tiere versorgen, dann melken und erst dann Weihnachtsessen und Bescherung

von
erstellt am 24.Dez.2016 | 06:00 Uhr

Riesdeby | Den Tieren im Stall ist es gleich, ob Weihnachten ist oder nicht. Für Familie Reimer Köhn in Rieseby ist erst dann Weihnachten, wenn die Tiere versorgt sind. In den Tagen vor Heiligabend haben auf dem Familienhof alle angepackt, um möglichst viele Arbeiten vorzuziehen. Die Ställe wurden ausgemistet, die Futterwagen vorbereitet, damit heute Zeit für die Familie und das Weihnachtsfest ist.

Weihnachten ist für Familie Köhn immer eine anstrengende Zeit. Nicht nur, weil sie immer morgens früh und am frühen Abend die 170 Milchkühe melken müssen, sondern auch, weil sich für den ersten Weihnachtstag die ganze Großfamilie ankündigt. Hofsenior Richard Köhn hat Geburtstag. Er wird 84 Jahre alt. Für den Jubilar aber kein Grund, sich nicht jedes Jahr um die Weihnachtsbäume zu kümmern. Gemeinsam mit Sohn Reimer wurden zwei Bäume mit der Motorsäge passend für die Baumständer zugesägt. „Es gab noch keinen Heiligabend, wo der Baum nicht stand“, sagt Richard Köhn.

Und während die Männer sich um die Bäume kümmern, stehen Gerda Köhn und Schwiegertochter Silke Köhn in der Küche. „Traditionell gibt es Heiligabend immer Gans, schon seit 1960“, sagt Gerda Köhn. Aus dem Kassettenrekorder sind deutschsprachige Weihnachtslieder zu hören und ihr kleiner künstlicher Tannenbaum in der Küche leuchtet. „Ein echter würde zu schnell die Nadeln verlieren“, sagt Gerda Köhn. Währenddessen wird die elf Pfund schwere Gans eingesalzen und mit klassisch Apfelstücken und Rosinen gefüllt. Sie kommt für vier Stunden in den Ofen. Dazu gibt es Klöße und natürlich selbstgemachten Rotkohl.

Am Heiligabend zieht Silke Köhn das abendliche Melken vor. Damit sie die Arbeit schafft, denn um 18.30 Uhr steht die Gans auf dem Tisch, beginnt sie um etwa 15 Uhr mit dem melken. In der Zwischenzeit hat Tochter Franziska (18) dem Weihnachtsbaum schon den letzten Schliff gegeben und geschmückt. „Rot und Silber, Lametta und echte Kerzen, so ist es bei uns üblich“, berichtet sie. Weihnachten ist für sie und ihre älteren Geschwister Reinhard (27) und Melanie (30) besonders schön. Alle kommen zusammen, das gehört zu Weihnachten dazu. „Dieses Weihnachten ist für mich ganz besonders“, sagt sie. Sie wird nach dem Abi im kommenden Jahr in die USA gehen und Weihnachten fern der Familie feiern.

Heiligabend wird erst festlich gegessen und dann ist Bescherung. Neben den Kindern ist dann auch Silkes Mutter, Anna Loy, dabei. Früher verteilte der Weihnachtsmann die Geschenke. „Meistens steckte Oma in dem Kostüm“, erinnert sich Franziska und lacht. Jetzt hat sie den Part übernommen und verteilt die Geschenke, die unter dem Baum liegen, „aber ohne Kostüm“. Gegen 22 Uhr endet der Abend. „Wir müssen morgens um 5 Uhr raus zum Melken“, erklärt Silke Köhn. Außerdem werden am ersten Weihnachtstag ab 11 Uhr 27 Gäste samt Familie zum Geburtstag von Richard Köhn erwartet. Da gibt es immer genug zu tun. Mittags gibt es Gulasch satt und zum Nachtisch von Franziska selbstgemachtes und heißbegehrtes Eis, später noch Kaffee und Kuchen. Und auch hier geben die Kühe die Zeit vor. Gegen 15 Uhr wird Silke Köhn schon unruhig. „Ich fange lieber früher an zu melken, als abends später fertig werden. Irgendwann brauche ich auch meinen Feierabend“, sagt sie.

Auch wenn die Familie alles gut vorplant und vorbereitet hat, damit alles gelingt, so können sie die Niederkunft von Kälbern ihrer Kühe nicht planen. „Wir rechnen jederzeit damit“, ergänzt Reimer Köhn. Dann gehen die Tiere vor. Und wenn eine Hand gebraucht wird, dann könnten auch alle Kinder mitanpacken. „Die Tiere gehören Weihnachten bei uns einfach dazu, das ist für uns ein ganz normales Weihnachtsfest“, sagt Silke Köhn.

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