Schulküche statt Klassenzimmer : Ernährungsführerschein für Kinder

Sie wissen, wie die Chefkochprobe funktioniert (v. l.): Lilli (9), Neea Julie (8), Benjamin (10) und Erik (9).
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Sie wissen, wie die Chefkochprobe funktioniert (v. l.): Lilli (9), Neea Julie (8), Benjamin (10) und Erik (9).

Durch das Landfrauenprojekt aid-Ernährungsführerschein lernen Drittklässler der Schleischule Rieseby den bewussten Umgang mit Lebensmitteln und die Handhabung von Küchengeräten.

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08. Juli 2015, 04:46 Uhr

Rieseby | Und jetzt die Chefkochprobe, ob der selbstgemachte Nudelsalat auch wirklich schmeckt. Lilli (9) und Benjamin (10) wissen, was zu tun ist. Jedes Kind greift zu zwei Teelöffeln. Mithilfe des ersten Löffels füllt es den Nudelsalat aus der Schüssel auf den zweiten Löffel, der für den Mund bestimmt ist. Die beiden lächeln – der Nudelsalat ist perfekt. Lilli und Benjamin sind zwei von 17 Drittklässlern der Schleischule, die unter der Anleitung der Hauswirtschaftsmeisterin Frauke Thode ihren aid-Ernährungsführerschein gemacht haben. aid steht für den Agrarinformationsdienst, der auch den Lehrern Informationsmaterial für das Thema Ernährungsbildung zur Verfügung stellt. Unter dem Motto „Fit für die Küche“ wurde an einem Vormittag das Klassenzimmer mit der Schulküche vertauscht und der praktische Umgang mit Lebensmitteln und Küchengeräten geübt. Auf spielerische Weise lernen die Kinder Hygieneregeln und bereiten vollwertige Mahlzeiten zu, die sie gemeinsam mit eingeladenen Eltern am Ende des Vormittags an einer sommerlich dekorierten langen Tafel verzehren.

Seit 2009 ist Frauke Thode in den dritten und vierten Klassen der Grundschulen im Kreisgebiet für den aid-Ernährungsführerschein unterwegs. Allein im Schuljahr 2014/15 erhielten 400 Grundschüler in 18 Klassen diese Auszeichnung. Wichtig ist der zweiten Vorsitzenden des Landfrauenvereins Hüttener Berge, dass die Kinder Freude am Selbermachen und am Experimentieren sowie ein gesundes Bewusstsein im Umgang mit Lebensmitteln entwickeln. Dabei sei die Teamarbeit unerlässlich, was sehr gut für die Klassengemeinschaft sei, so Klassenlehrerin Birte Franke. Knabbergemüse, frischer Obstsalat, kunterbunter Nudelsalat, fruchtiger Schlemmerquark und knusprige Ofenkartoffeln – diese Speisen wurden mit Unterstützung einiger Mütter selbstständig hergestellt. Alle Produkte stammen aus der Region. „Ziel ist es auch, Lebensmittel mit allen Sinnen wahrzunehmen. Schauen, riechen und schmecken sind wichtig“, erklärt Frauke Thode (53).

Immer seltener gebe es in den Elternhäusern der Kinder gemeinsame Mahlzeiten geschweige denn ein gemeinsames Kochen. Viele Kinder wüssten gar nicht, wie eine Kartoffel zu behandeln sei oder scheuten den Umgang mit einem scharfen Messer. „Deswegen sollten die Kinder dieses Projekt in ihr Elternhaus tragen“, so die Hauswirtschaftsmeisterin. Vielleicht stelle es eine Motivation für Eltern dar, wieder mehr Zeit mit dem Kind in der Küche zu verbringen. Nicht nur Klassenlehrerin Franke ist begeistert: „Die Rezepte schmecken einfach und sind wirklich gut“ – auch die Kinder selbst sind stolz auf ihre Kreationen. Von jedem Gang haben sie an diesem Vormittag rund 40 Portionen hergestellt.

Nicht nur das praktische Wissen ist für den Ernährungsführerschein wichtig – einen Tag vorher wurde die Theorie in einem Test abgefragt. Trotzdem habe es viel Spaß gemacht, so Jolina (9). Sie hat die Honigmelone für den Obstsalat geschnitten.

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