„Erlebte Abenteuer prägen mehr als die auf dem Bildschirm“

Eva Kessler
Eva Kessler

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27. März 2018, 12:48 Uhr

Viele Familien neigen zum Optimierungswahn. Das Haus muss perfekt sein, die Kinder immer brav. Dass dies im Alltag Stress auslöst und nicht förderlich für die Entwicklung des Kindes ist, zeigte Eva Kessler im Vortrag „Familie ist... wenn jemand Zeit hat“ am Montagabend im „Schützenhof“.

Die Rollenverteilung, mit der Mutter als Hausfrau und dem Vater als Alleinverdiener, existiert nicht mehr. Selbstfürsorge sei dabei ein wichtiger Teil. Daher schlägt Kessler vor, sich die „Chefaufgabe“ im Wechsel zu teilen. Während der eine Partner nach der Arbeit Verantwortung übernimmt und sich um Hausaufgaben und Abendessen kümmert, hat der andere Zeit für sich. Dies müsse klar kommuniziert werden. Die Persönlichkeit des Kindes entstehe in der Kommunikation innerhalb der Familie. Kinder entwickeln sich in erzieherischen Fragen ganz alleine, sie benötigen einzig Anerkennung.

Besonders wichtig sei, gemeinsame Zeit zu verbringen, dabei zu entspannen oder herumzutollen. Kinder sind hungrig nach Sinn“, meint die Familienberaterin. Haben Kinder Lageweile finden sie ihre eigene Inspiration erst auf der untersten Ebene der Gemütslage. Wichtig sei es, aktives Vorbild zu sein. Man solle lieber akribisch und motiviert das Fenster putzen und „beschäftigt“ sein, sodass das Kind Lust hat, mitzumachen oder eigene Ideen entwickelt, anstatt Vorschläge zu geben zu denen Kinder ohnedies „nein“ sagen. Auch dem Kind anzubieten, mit Freude an eine Aufgabe heranzugehen, sei besser als Belohnungstaktik. Zuerst diene sie zwar als Motivation, später aber würden Kinder keinen Anreiz mehr ohne sie finden.

Kinder zu früh an digitale Medien heranzuführen, hindere sie daran, sich selbst und die Welt zu erforschen, sagte Kessler. „Erlebte Abenteuer prägen mehr als die auf dem Bildschirm“, ist sie sich sicher, „Familien, die viele Angebote haben, haben keine Schwierigkeiten mit übermäßigem Konsum digitaler Medien.“ Das Handy würde von selbst zur Seite gelegt und ein selbstbestimmtes Leben mit eigenen Ideen geführt.

Bei sechs Enkelkindern erzählte Kessler aus persönlichen Erfahrungen. Unter den Gästen hieß es, dass jede Familie einen unterschiedlichen Alltag habe. Kesslers Tipps helfen in den unterschiedlichsten Bereichen weiter. Man gehe wieder viel bewusster auf die Dinge des Alltags zu. Auch Nina Jeß, Gleichstellungsbeauftragte im Amt Schlei-Ostsee, findet: „Kessler ist nah am Menschen.“

Der Vortrag baute auf eine Veranstaltungsreihe der Gleichstellungsbeauftragten der Ämter Schlei-Ostsee, Hüttener Berge und Dänischer Wohld, sowie dem Familienzentrum Eckernförde und dem Beratungsservice „Frau & Beruf“ auf. Durch Anregungen der Gäste planen sie das weitere Konzept. Dabei sei auch im Gespräch,mit hiesigen Firmen Angebote in puncto Familienvereinbarkeit auszuarbeiten.

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