Problemlösung : Erdlager gegen Gülle-Notlage

Viele Böden sind so durchnässt, dass sie keine Gülle mehr aufnehmen können.
Viele Böden sind so durchnässt, dass sie keine Gülle mehr aufnehmen können.

Herkömmliche Behälter in vielen Betrieben bis zum Anschlag gefüllt

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18. Dezember 2017, 06:36 Uhr

Eckernförde | Die Felder sind durchnässt und können mit schweren Landmaschinen nicht befahren werden. Die Böden können keine Gülle aufnehmen. Die Kapazitäten in den Güllebehältern auf den landwirtschaftlichen Betrieben sind zunehmend erschöpft. Ein Überlaufen oder Bersten der Lagerbehälter würde die Gewässer gefährden. Deshalb erlaubt das Landwirtschaftsministerium den Bau von provisorischen Gülle-Erdlagern im Rahmen der Abwendung drohender wasserrechtlicher Gefahren. Zumindest, wenn alle anderen Möglichkeiten – wie Umlagerung oder Einlagerung in andere Sammelbecken oder Lagerbehälter – erschöpft sind. Die Untere Wasserbehörde des Kreises ist für die Erteilung von Genehmigungen zuständig. „Wir haben dazu eine zweiseitige Checkliste zusammen gestellt, in der der Landwirt seine Notsituation bezüglich der Gefahr des Überlaufens von Jauche und Gülle nachweisen muss“, erklärte Michael Wittl vom Fachdienst Umwelt das Vorgehen.

Im Regelfall würden sich Mitarbeiter der Wasserbehörde danach vor Ort ein Bild machen, bevor die Genehmigung zum Bau eines Gülle-Erdlagers erteilt werde. Am Donnerstag seien bereits sieben Anträge eingegangen. Wenn die Zahl, wie zu erwarten, stark steigen würde, sollten die Antragsteller ihren Antrag zusätzlich mit Fotos dokumentieren, damit die Bearbeitung schneller gehe, sagte Wittl.

Allein 1100 Milchviehbetriebe gebe es im Kreisgebiet, dazu Schweinehalter und die Betreiber von Biogasanlagen, machte Klaus-Peter Lucht, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, die Zahl der möglicherweise betroffenen Höfe deutlich.

Für den Bau von Gülle-Erdlagern gibt es genaue Vorschriften. Die Erdgrube muss mit Kies ausgekleidet werden, um einen guten Untergrund für die zu verlegende Folie zu schaffen. Diese muss von einem Fachbetrieb verschweißt werden und eine Mindeststärke von einem Millimeter haben. Die Größe darf 1000 Kubikmeter nicht überschreiten. Diese Güllelager dürfen zu 80 Prozent befüllt werden. Zudem müssen sie umzäunt werden, um Personen nicht zu gefährden.

Lucht befürchtet Engpässe bei der Lieferung der Folie. „Der Folienhersteller braucht fünf bis sieben Tage. Das Verschweißen ist bei Temperaturen unter fünf Grad nur in einer Halle möglich“, sagte Lucht. Bei der Wahl des Standorts für das Güllelager sind Mindestabstände zu Gewässern und die Höhe des Grundwasserspiegels zu beachten.

Der Bau eines Gülle-Erdlagers würde einen Landwirt bis zu 10 000 Euro kosten, schätzt Lucht. Die Nutzung ist auf sechs Monate begrenzt, dann muss der Rückbau erfolgen.

„Das Festlegen des Standorts, das Ausheben des Güllelagers und das Verlegen der Folie wird wohl 14 Tage in Anspruch nehmen“, gab Lucht zu bedenken. Zudem stünden die Weihnachtsfeiertage bevor. „Da kriegt der Bauer keinen Baggerfahrer“, gab Lucht den Landwirten bei der Planung zu bedenken.

Die Checkliste für den Antrag auf den Bau eines provisorischen Gülle-Erdlagers kann bei der Unteren Wasserbehörde des Kreises (04331/202519) angefordert werden.

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