zur Navigation springen

Hotel-Neubau auf dem Exer : „Entweder es passt oder nicht“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Ratsversammlung ist mehrheitlich für die Aufnahme von Verhandlungen mit einem Hotelinvestor. Die Stadt soll das Projekt bei Bedarf finanziell fördern.

Eckernförde | Die politische Mehrheit für das Hotelprojekt auf dem Exer steht. Waren die Reihen der Ratsversammlung beim kleinsten gemeinsamen Nenner „Die städtische Fläche Am Exer soll weiterhin als möglicher Hotelstandort vermarktet werden“ noch fest geschlossen – nur die Linke war dagegen und Georg Siebert vom Bürger-Forum enthielt sich –, wurde es im Anschluss schon diffiziler. Der Passus „Die Stadt und ihre Gesellschaften können eine Hotelansiedlung bei Bedarf unter vorheriger Zustimmung der politischen Gremien mit eigenen Investitionen in die Infrastruktur (z. B. Bau einer Seebrücke mit Vorplatz und Modernisierung des Meerwasserwellenbades sowie Anbindung an das Hotel) unterstützen. Öffentliche Parkplätze müssen in der bisherigen Anzahl vom Investor weiter vorgehalten werden“, spaltete die Ratsversammlung. Es kam zur Kampfabstimmung zwischen CDU (7) und SPD (7) auf der einen und den kleineren Fraktionen Grüne (3), SSW (2), Bürger-Forum (3), Linke (2) und FDP (1) auf der anderen Seite – 14:11 Stimmen also für das in Aussicht stellen einer städtischen Förderung.

CDU und SPD pochten auf diese Formulierung. Die Fraktionsvorsitzenden Katharina Heldt (CDU) und Martin Klimach-Dreger (SPD) verwiesen am Donnerstagabend auf die vergeblichen, langjährigen Bemühungen, Hotelinvestoren für den Exer zu gewinnen und die wachsende Bedeutung des Tourismus für Eckernförde. Jetzt sei die Chance da, politischen Absichtserklärungen Taten folgen zu lassen. Nach Worten Heldts habe ein schleswig-holsteinischer Betreiber aus einer Hotelfamilie Interesse, auf dem Exer ein neues Hotel zu bauen. Über die gestellten Bedingungen – Bau einer Seebrücke durch die Stadt und Modernisierung und Erweiterung des Wellenbades mit Anbindung des Hotels auf Kosten der Stadt – müsse nach der Grundsatzentscheidung verhandelt werden. Die Kosten für Seebrücke und Hallenbadmodernisierung liegen im Millionenbereich, wobei hohe öffentliche Förderungen wahrscheinlich sind. „Der Investor muss die Karten auf den Tisch legen, er wird liefern müssen“, sagte Heldt. „Am Ende werden die Erkenntnisse übereinandergelegt: Entweder es passt oder nicht.“ Keinesfalls werde die Stadt den Exer zu einem Dumpingpreis verkaufen.

Auch ihr Amtskollege von der SPD machte sich für eine Umsetzung mit der Möglichkeit einer städtischen Beteiligung stark. Zuvor hatte Martin Klimach-Dreger die CDU-Fraktion davon überzeugt, die Festlegung der maximalen Fördersumme „bis zur Höhe des zu erzielenden Verkaufserlöses (für den Exer, die Red.)“ zu streichen und die genannten Projekte Seebrücke und Hallenbadmodernisierung mit dem Zusatz „zum Beispiel“ zu versehen. Klimach-Dreger wollte damit der Gefahr von „Vorfestlegungen“ und „falschen Signalen“ an den Investor begegnen. Die Verhandlungen müssten geführt werden, allein um zu erfahren, was der Investor konkret vorhabe. „Dieses Wissen möchte ich erlangen“, sagte der SPD-Chef. „Wenn wir es von vornherein ausschließen, werden wir nie erfahren, welchen Schatz wir heben könnten.“ Sollten die Vorstellungen des Investors plausibel sein, „entscheiden wir, ob es einen Nutzen für die Stadt gibt und wie wir uns beteiligen.“

Rainer Beuthel (Die Linke) widersprach der These, dass der Tourismus in Eckernförde sich rückläufig entwickeln würde, wenn es kein neues Hotel auf dem Exer geben würde. Die Tourismusdebatte mit dem Hotelneubau zu verknüpfen sei eine „Scheindebatte“. Es gebe noch einige Dinge von der eher ablehnenden Stimmung in der Bevölkerung über die Parkplatzfrage bis zu einem möglichen Hotelneubau am Südstrand zu klären, sagte Beuthel. Die von der Stadt verlangten Vorleistungen seien „viel zu groß“.

Thorsten Peuster vom Bürger-Forum möchte sich „nicht die Pistole auf die Brust setzen lassen“. Eine Seebrücke dürfe nicht zur „Entweder-Oder-Frage“ werden.

Die für Oliver Fink nachgerückte Ratsfrau der FDP, Susanne Molt, monierte ebenfalls die „kostenintensiven Forderungen“ des Hotelinvestors . Eine Seebrücke sei alles andere als ein Alleinstellungsmerkmal für Eckernförde, weil die an der gesamten Küste zu finden seien. Der Investor werde sich nach dem Grundsatzbeschluss darauf verlassen, dass die Stadt sich beteiligt und könnte Schadensersatz fordern, wenn die Stadt sich später doch gegen eine Realisierung entscheiden sollte. Man müsse auch den Mut haben, auf diesen Investor zu verzichten. Zu klären wäre noch, ob eine Vergabe des Exers per Erbpacht für die Stadt günstiger sei als ein Verkauf. Molt schlug die Einholung eines Hotel-Gutachtens vor. Sie warf zudem die Frage auf, ob man sich angesichts der 411 Flüchtlinge in Eckernförde nicht lieber auf den Bau, die Herrichtung oder Miete von Unterkünften konzentrieren solle.

Sylvia Grabowski-Fillmer (SSW) hielt Investitionen der Stadt „nicht für den richtigen Weg“. Das Bad sei gerade saniert worden, und es sei ohnehin nicht vorstellbar, dass Ruhe suchende Hotelgäste ins öffentliche Bad gingen. Beim Gedanken an einen „Bademantelgang zwischen Hotel und Wellenbad kann ich nur mit dem Kopf schütteln“. Auch die Parkplätze seien zentral kaum nachzuweisen. „Wenn es solche Erwartungen gibt, ist es nicht der richtige Investor“, sagte Grabowski-Fillmer. „Ja zum Hotel, Nein dazu, dem Investor den Hof zu machen.“ Der Verkaufserlös des Exers sei an anderen Stellen viel besser einzusetzen als für den Bau einer Seebrücke.


Ralph Krüger „schockiert“


 

Der Fraktionschef der Grünen, Edgar Meyn, brachte als gebürtiger Usedomer seine Seebrücken-Erfahrung ein. Die Brücken passten an die weiten, flachen Küsten Mecklenburg-Vorpommerns, aber nicht zwangsläufig in die enge Eckernförder Bucht ohne Bädertradition und Bäderverkehr auf dem Wasser. Ein Alleinstellungsmerkmal sei sie nach den Vorstößen von Niendorf und Heiligenhafen ohnehin nicht mehr. „Alle haben es, wir jetzt auch – was ist das denn?“, so Meyn.

Angesichts der kritischen Beiträge gegen eine städtische Förderung des Hotelprojekts platzte dem CDU-Ratsherrn Ralph Krüger der Kragen. Er sei „schockiert“. Nach Jahren gebe es endlich einen Investor, der für Arbeitsplätze und Kaufkraft sorge, und nun werde so etwas „einfach vom Tisch gewischt und der Sargdeckel draufgepackt – das ist ganz schlimm!“, schimpfte Krüger. Martin Klimach-Dreger (SPD) regte die Einberufung einer Einwohnerversammlung zum Thema Hotelneubau auf dem Exer an, sobald Fakten vorliegen. „Noch nehmen wir als Stadt kein Geld in die Hand.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 07.Nov.2015 | 06:53 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen