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Großeinsatz der Polizei : Entwarnung nach zweieinhalb Stunden

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Große Aufregung um einen herrenlosen Koffer am Eckernförde Bahnhof: Kampfmittelräumer mit Röntgenkamera im Einsatz – der schwarze Trolley war leer.

Zweieinhalb Stunden herrschte gestern am frühen Nachmittag höchste Sicherheitsstufe rund um den Bahnhof. Ein herrenloser, schwarzer Trolley sorgte zwischen 12.20 und 15 Uhr für einen Großeinsatz von Polizei, Kampfmittelräumdienst, Feuerwehr und Rettungskräften, der geräumte Bahnhof mitsamt des Parkplatzes und des ZOB wurde großräumig abgesperrt, die Reeperbahn vom Schulweg bis zur Preußerstraße für den Verkehr gesperrt. Alle Einsatzkräfte bis auf einen mussten gebührenden Abstand zum Bahnsteig halten, auf dem der Koffer stand. Ein Beamter des Kampfmittelräumdienstes aus Groß Nordsee, Gemeinde Krummwisch (Kreis Rendsburg-Eckernförde) näherte sich dem von einem Unbekannten abgestellten Koffer mit ebenso unbekanntem Inhalt um 14.29 Uhr mit großer Vorsicht in einem Bombenschutzanzug und einer speziellen Röntgenkamera. Nachdem der Bombenentschärfer mehrere Aufnahmen angefertigt hatte, entfernte er sich ebenso vorsichtig wieder zu seinem Transporter, in dem die Aufnahmen ausgewertet wurden. Ergebnis: „Da war nichts drin, der Koffer war komplett leer“.

Für den Kampfmittelexperten eine gute Nachricht. Auch wenn der Aufwand erheblich war und der öffentliche Nahverkehr für fast drei Stunden lahmgelegt war. „Wir kommen lieber einmal mehr, das ist unser Job, und ganz umsonst war unser Einsatz ja nicht: Wir haben für Sicherheit gesorgt“, sagte der Beamte, der namentlich nicht genannt werden wollte. In der heutigen Zeit müsse man stets mit dem Schlimmsten rechnen, sagte Polizeioberkommissar Höfer von der Bundespolizei in Flensburg. Noch weitaus schlimmer wäre es gewesen, wenn sich in dem Koffer tatsächlich eine Bombe befunden hätte. Über die Gründe, warum ein leerer Koffer auf dem Bahnsteig „vergessen“ wird, kann nur spekuliert werden, möglicherweise war es auch ein schlechter Scherz. Erkenntnisse über den Eigentümer gab es gestern noch keine, die Polizei ermittelt allerdings weiter. Eine Kamera ist am Bahnhof (noch) nicht installiert.

Entdeckt hat den schwarzen Trolley Horst Zachow von der Bahnhofsmission. Der langjährige Helfer hatte zuvor einem älteren Herrn, „der schlecht zu Fuß war“ und einen Hund dabei hatte, zum Gleis 3 begleitet – er wollte den Zug um 10.19 Uhr nach Kiel nehmen. Da der ominöse Koffer zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Bahnsteig 1 neben einer Bank stand, fragte Zachow den Herrn, ob dieser einen zweiten Koffer dabei habe. „Er hat dann extra seinen Koffer aufgemacht, um eine Verwechslung auszuschließen“, sagte Horst Zachow unserer Zeitung. Man rätselte kurz über die Herkunft und die Besitzverhältnisse, dann alarmierte seine Kollegin Hannelore Schmidt um 11.10 Uhr die Polizei. Zwei junge Beamte sondierten daraufhin die Lage, sperrten den Bahnhof ab und räumten das Gelände. Dann kam die Verstärkung vom Polizeirevier und der Bundespolizei, wie immer in solchen kritischen Situationen rückte vorsorglich auch die Freiwillige Feuerwehr Eckernförde mit einem Löschzug und 18 Mann sowie Sanitäter und Notärzte in mehreren Rettungswagen an. Die Einsatzleitung hatte der stellvertretende Leiter des Polizeireviers Eckernförde, Lars Thedens. „Wie erwartet – Fehlalarm“, sagte er, nachdem die Kampfmittelräumer den Koffer gecheckt hatten und Entwarnung geben konnten. Der Einsatz sei „schulmäßig“ gelaufen, sagte Thedens, der allen Einsatzkräften dankte und froh war, dass sich die schlimmsten Befürchtungen nicht bewahrheitet haben.

Der Bahn- und Busbetrieb konnte gegen 15 Uhr wieder aufgenommen werden, und die zahlreichen Fahrgäste – darunter auch viele Schüler – kamen sicher nach Hause.

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