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„Rock am Strand“ in Eckernförde : Enttäuschte Scorpions-Fans bleiben auf Tickets sitzen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Festival „Rock am Strand“ in Eckernförde fand nie statt. Der Veranstalter hat Geldprobleme - und das spüren die Fans.

Eckernförde | Erst die Enttäuschung und nun noch richtig böser Ärger: Das ausgefallene „Rock am Strand“-Festival mit den Scorpions in Eckernförde hat bei vielen Fans für lange Gesichter gesorgt. Und seit gestern ist klar: Der Veranstalter kann nicht alle Tickets zurückzahlen.

Es sollte so schön werden am Südstrand von Eckernförde: Die Scorpions, Gotthard, Baltic Sea Child und andere Bands wollten spielen. Doch vier Wochen vor dem Konzerttermin am 15. August blies der Veranstalter, Bremen Events & Concerts, alles ab. Weil nur rund 7000 Karten (für je 60 Euro) verkauft wurden. Zu wenig, um das Projekt ohne dickes Minus zu finanzieren, so der Veranstalter.

Von ihm erhielten Käufer jetzt die Nachricht, dass 380 Bestellungen nicht erstattet werden könnten. „Wir möchten Ross und Reiter nennen, damit nicht die Frage aufkommt, was Bremen & Events & Concerts mit dem Ticketgeld gemacht hat“, schreibt Jan Trautmann, Chef des Unternehmens, in einer Mail. Und erklärt: „Das Ticketgeld fließt in die Gagen und das Drumherum der Show.“ Während die Scorpions nach dem einvernehmlichen Entschluss zur Absage auf ihr Geld verzichtet hätten, gebe es vier Akteure, die keine Abstriche machen wollten: Einen Agenten, der die Scorpions vermittelt, die Band Baltic Sea Child, der Technik-Dienstleister Rocksound und das Atlantic Hotel Kiel (Suiten für die Scorpions). Deshalb fehle ein hoher fünfstelliger Betrag für auszuzahlende Tickets. 

In der Branche herrscht Aufruhr über das Schreiben, man fühlt sich angeschwärzt. „Ein unmögliches Geschäftsgebaren“, findet Malte Jochimsen, Manager von Baltic Sea Child und erklärt, man bestehe auf die Erfüllung des Vertrages, weil andere Termine abgesagt worden seien. Bei Rocksound in Hannover kümmert sich ein Rechtsanwalt um den Brief. Chef Olaf Schröter: „Das ist eine Frechheit, wir hatten gar keine Geschäftsbeziehung, keinen Vertrag.“ Und auch bei den Ticketkäufern kommt die Mail nicht gut an. „Was geht mich das an?“, fragt Anja Husfeld aus Jardelund, die drei Karten gekauft hatte.

„Wir wollten den Leuten offen erklären, wo ihr Geld geblieben ist, es sollte keine Diffamierung sein“, betont Jan Trautmann auf Nachfrage. Da unter den 380 Bestellungen auch zahlreiche Personen mehrere Tickets geordert hätten, müsse eine Summe von 65.000 Euro zurückgezahlt werden. Zudem habe Bremen & Events & Concerts für Vorbereitung und Vermarktung 100.000 Euro ausgegeben. Dieses Geld sei verloren, was das Unternehmen als kleinen Veranstalter hart treffe.

„Die Insolvenz droht absolut“, sagt Trautmann. „Wenn alle ihr Geld einfordern, können wir nicht zahlen.“ Deshalb werde man den Käufern ein neues Angebot machen: „Sie können entweder mit dem Ticket ein Scorpions-Konzert im kommenden Jahr besuchen, zum Beispiel in Hamburg, oder auf das Geld warten, bis der finanzielle Engpass überwunden ist und wir wieder Einnahmen generiert haben.“

Bereits im Februar sei übrigens abzusehen gewesen, dass die Ticketzahlen im Vorverkauf zu niedrig seien, sagt Trautmann. „Ich habe schon damals eine Absage vorgeschlagen, von der aber niemand etwas wissen wollte.“ Scorpions-Sprecher Peter Lanz: „Die Situation ist nicht schön, die Scorpions bedauern das sehr.“

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erstellt am 04.Sep.2015 | 11:01 Uhr

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