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Rendsburger Todesschüsse : Entsetzen im Finanzamt und PC-Alarm im Rathaus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Eckernförder Finanzbeamten haben ihres ermordeten Rendsburger Kollegen mit einer Trauerminute gedacht. Vorsteher Wolfgang Artz ist entsetzt, er kannte den Getöteten seit vielen Jahren. Auch bei der Stadtverwaltung und dem Jobcenter sitzt der Schock tief.

Auch am Tag nach der grausamen Tat im Finanzamt Rendsburg herrschte gestern das blanke Entsetzen bei den Kollegen im Finanzamt Eckernförde. Sie gedachten ihres am Montag in seinem Dienstzimmer erschossenen Kollegen Wolfgang B. aus Groß Vollstedt. „Ein ruhiger, sachlicher und liebenswerter Kollege“, sagte gestern Wolfgang Artz, Vorsteher des Finanzamtes Eckernförde-Schleswig (Foto), auf Anfrage unserer Zeitung. Artz kennt den vom mutmaßlichen Täter Olaf L., einem als streitbar geltenden und im Rollstuhl sitzenden Steuerberater aus Fockbek, mit einer Pistole ermordeten Wolfgang B. schon von Ausbildungsbeginn an. „Seine Frau und Familie tun mir sehr leid“, drückte Artz sein tiefes Mitgefühl an die Hinterbliebenen aus. „Ich bin entsetzt.“

Gestern hat er für seine Mitarbeiter in Eckernförde und Schleswig um 10 Uhr eine Trauerminute für den getöteten 58-Jährigen angeordnet, in der alle in sich gegangen sind und mitgetrauert haben. Artz: „Alle Kollegen sind sehr betroffen.“ Jeder werde mit der Situation sensibel umgehen und sie so weit wie möglich selbst und im Gespräch mit Kollegen und Vorgesetzten verarbeiten. In seiner rund einjährigen Dienstzeit als Chef des Finanzamtes Eckernförde-Schleswig sei ihm noch kein schwerwiegender Zwischenfälle mit Finanzamtskunden bekannt. Und auch in den Jahren davor hat es im Finanzamt nach der öffentlichen Wahrnehmung keine gewalttätigen Übergriffe gegeben.

Ob und welche Konsequenzen nach den Rendsburger Todesschüssen gezogen werden, sei jetzt Sache des Ministeriums und der Politik, sagte Wolfgang Artz. Eine „absolute Sicherheit“ gebe es zwar nicht, „aber wir haben die eine oder andere Idee“, wie man die Sicherheit erhöhen könnte. Darüber wolle er aber zunächst mit dem Finanzministerium sprechen. Alarmknöpfe seien im Eckernförder Finanzamt jedenfalls nicht installiert. Die, so der Vorsteher, gebe es nur in Erhebungsstellen sowie in Dienststellen, in denen Bußgelder erhoben und Strafsachen verfolgt würden.

Im Eckernförder Rathaus ist die Tötung des Rendsburger Finanzbeamten mit großer Bestürzung aufgenommen worden. Seit der Einführung der neuen Sozialgesetzgebung mit der Konzentration in den Jobcentern gibt es nach Auskunft von Bürgermeister Jörg Sibbel „erfreulicherweise keine Übergriffe mehr“. Als die Sozialleistungen noch im Rathaus genehmigt werden mussten, „sind auch schon mal Gegenstände geworfen worden“, sagte Sibbel. Aufgrund diverser Übergriffe in anderen Behörden habe sich die Stadtverwaltung aber unabhängig von der Rendsburger Tat mit dem Thema Sicherheit in der Verwaltung beschäftigt. In Kürze beginnt die Testphase für den „PC-Alarm“: In brenzligen Situationen können die Mitarbeiter per Tastendruck Hilfe von anderen Mitarbeitern aus anderen Büros anfordern.

„Wir sind geschockt“, sagte der Leiter des Jobcenters Eckernförde in der Riesebyer Straße, Hendrik Utrajczak. Auch seine Einrichtung ist potenziell gefährdet wie die tödliche Messerattacke auf eine Mitarbeiterin des Jobcenters Neuss vor rund zwei Jahren zeigt. „Danach sind Sicherheitskonzepte entwickelt worden, die wir heute auch anwenden“, sagt Utrajczak. Diese betreffen Amokläufe, Geiselnahmen und andere bedrohliche Situationen. Abläufe seien festgelegt, die Mitarbeiter geschult worden. Auch bei den Fluchtwegen und der Einrichtung habe man auf solche Lagen geachtet. Auch beim Jobcenter ist auf den PCs ein Alarmrufsystem mit mehreren Optionen hinterlegt, die per Tastenkombinationen zum Einsatz kommen. Zudem liegen so genannte „Signaleier“ bereit, die ähnlich wie eine Handgranate zu bedienen sind, und im Notfall ein lautes Signal senden. Eskalierende Gespräche gebe es schon mal, sagt Hendrik Utrajczak, zu körperlichen Angriffe auf die Mitarbeiter komme es „maximal fünf Mal im Jahr.“ Wer sich im Jobcenter nicht benehmen kann, bekomme zunächst eine Ermahnung und im Wiederholungsfall ein befristetes Hausverbot. Das komme hin und wieder vor. Dann müssten sich die Kunden vor Betreten des Jobcenters anmelden und würden bei ihrem Aufenthalt von Kollegen begleitet. Ihre Unterstützung allerdings erhalten sie weiter.

Im Amt Schlei-Ostsee befinden sich in den Büros des Sozialamtes Alarmknöpfe, die die Mitarbeiter bedienen können, sollten sie sich von Kunden bedroht fühlen, teilte Godber Peters, Leiter der Abteilung Finanzen, mit. „Bislang hat es aber keine Vorfälle gegeben“, so Peters. An weitere Sicherheitsvorkehrungen werde nicht gedacht.

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erstellt am 03.Sep.2014 | 06:47 Uhr

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