Verkauf des Bahnhofsgebäudes : Entschlossener Bürgermeister gibt der Bahn letzte Chance

Ungewisse Zukunft: Die Stadt erwartet jetzt klare Signale von der Bahn und ein Kaufpreisangebot für das Bahnhofsgebäude.
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Ungewisse Zukunft: Die Stadt erwartet jetzt klare Signale von der Bahn und ein Kaufpreisangebot für das Bahnhofsgebäude.

Verwaltungschef Jörg Sibbel ist nicht gewillt, weitere Verzögerungen hinzunehmen. Er fordert von der Bahn ein zügiges Kaufpreisangebot. Davon macht er abhängig, ob die Stadt weiterhin am Bahnhof den Baui eines Kino-Centers plant.

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09. Januar 2015, 06:11 Uhr

Eckernförde | „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo, mit mir allein als Passagier. Mit jeder Stunde, die vergeht, führt er mich weiter weg von Dir“. Was der Schlagersänger Christian Anders 1972 in die Mikrofone sang, ließe sich mühelos auch auf die Situation am Eckernförder Bahnhof übertragen. Selbst ein Jahr nach der Entscheidung der Eckernförder Ratsversammlung, das Bahnhofsgebäude von der Deutschen Bahn abzukaufen, es abzureißen und dort das dringend erforderliche neue Kino-Center mit mehreren Sälen und Einzelhandelsflächen zu errichten, liegt immer noch kein Kaufpreisangebot der Deutschen Bahn vor. Nicht nur viele Bürger, sondern zunehmend auch die Politik und Verwaltung nehmen diesen Lang- und Gleichmut des Staatskonzerns mit Unverständnis und Verärgerung zur Kenntnis. Die Aufbruchstimmung nach der einstimmigen Ratsentscheidung vom 7. November 2013 und der wenig später erfolgten Unterzeichnung der Absichtserklärung zum Ankauf des Grundstücks und der Gebäude (Letter of Intent) ist verpufft, Enttäuschung und Empörung machen sich breit.

„Damit ist der Weg frei für den städtischen Ankauf des Bahnhofsgebäudes mitsamt des dazugehörigen Grundstücks. Ende des Jahres (2013, die Red.) soll das Wertgutachten vorliegen, erst dann kann der Vertrag unterzeichnet werden“, hieß es im EZ-Bericht vom 8. November 2013 zur Standortentscheidung für das Kino-Center am Bahnhof. Ernüchternd: Fakten sind immer noch nicht geschaffen. Muss sich die Stadt jetzt einen anderen Kino-Standort suchen? Die Entscheidung darüber soll in Kürze fallen.

„Wir sind im Austausch und laufenden Gesprächen mit der Stadt. Es besteht noch Klärungsbedarf um zukünftige Nutzungsflächen der Deutschen Bahn“, teilte die Pressestelle auf Anfrage unserer Zeitung zum Zeitverzug und zum voraussichtlichen Termin einer Vertragsunterzeichnung mit der Stadt mit. Konkret geht es dabei um die Bereitstellung von rund 300 Quadratmeter, die die Bahn für ihr Reisezentrum und die bahntechnischen Anlagen benötigt. „Wir befinden uns in konstruktiven Gesprächen mit der Stadt Eckernförde und hoffen auf eine baldige Lösung“, so eine Bahnsprecherin auf Nachfrage. Weitere Details und eine Zeitangabe für eine mögliche Einigung nannte sie nicht. Auch zu der Höhe der Kaufpreisforderung – 2007 waren 600  000 Euro aufgerufen – wollte sich die Sprecherin nicht äußern. Die Höhe des Kaufpreises hänge auch mit der Größe der Nutzfläche für die Deutsche Bahn zusammen, sagte sie.

Jörg Sibbel, Eckernförder Bürgermeister, wird da schon deutlicher. Die Zumessung der Flächen für die Bahn sei ein konzerninternes Problem, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Die von der DB Station und Service in Kiel beanspruchten 300 Quadratmeter würden von der für den Verkauf zuständigen DB Vertrieb und Entwicklung in Hamburg in Frage gestellt, um möglichst viel Fläche zu einem dann höheren Preis verkaufen zu können. Sibbel hat inzwischen die Bundestagsabgeordneten Sönke Rix (SPD) und Johann Wadephul (CDU) sowie die Landtagsabgeordneten Daniel Günther (CDU) und Serpil Midyatli (SPD) gebeten, sich für eine Beschleunigung des Verfahrens einzusetzen. Der Bürgermeister hat für den 22. Januar einen Gesprächstermin bei der Bahn erwirkt. „Davon werde ich abhängig machen, was ich der Politik vorschlagen werde“, wies Jörg Sibbel auf die hohe Bedeutung dieses Treffens hin. Sollte die Bahn ihn dahingehend überzeugen, dass sie an einem zügigen Abschluss der Verhandlungen arbeitet, werde er der Politik empfehlen, weiterhin zur Umsetzung an diesem Standort zu stehen. Sollte er allerdings den Eindruck gewinnen, dass eine Entscheidung nach wie vor nicht in Sicht ist, „ist es nicht mehr vertretbar, länger zu warten“. Dann werde er dafür plädieren, Standortalternativen zu entwickeln, sagte Sibbel der EZ.

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