Entscheidungen im Rausch der Energiewende?

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18. Juli 2014, 13:11 Uhr

Ja zur Windkraft, weg vom Atomstrom. Der Atomunfall am 11. März 2011 im japanischen Fukushima löste in Europa, vor allem in Deutschland, die Debatte um einen Wechsel zu sauberen Energien aus. Vor dem Hintergrund müssen die Bemühungen von Bund, Land, Kreis und Gemeinde gesehen werden, die Windkraftnutzung auszubauen. Anders ist aus heutiger Sicht nicht nachzuvollziehen, warum die Einstufung Schwansens als charakteristischer Landschaftsraum, und damit frei von Windkraftanlagen, geändert wurde. Zu dem Sinneswandel, der ja nicht auf eine Veränderung des Naturraums und seiner Lebensräume mit Flora und Fauna zurückzuführen ist, haben sicher auch die Stellungnahmen der Gemeinden beigetragen. Sie kritisierten in vielen Fällen die Benachteiligung der Halbinsel, weil dort keine Windkraft zulässig sein sollte. Die Stimmung für Windkraft, für sprudelnde Gewerbesteuern für klamme Gemeindehaushalte sowie interessierte Bürger, die als Anleger an den Windmühlen beteiligt sein wollten, war groß. Vielleicht zu groß, als dass man offenen Auges sah, was ein Ja zur Windkraft in der eigenen Gemeinde bedeuten kann. Ja, es wurden Windparks besucht, ja, es war im Gespräch, wie viele und wie hohe Anlagen kommen können. Und letztlich war auch bekannt, wie die rechtlichen Grundlagen zur Bestimmung von Abständen aussehen, es war bloß niemandem geläufig. Sich aber das vor der eigenen Terrasse vorzustellen, optisch, gefühlsmäßig und hörbar – dass ist schwer und wohl auch nicht simulierbar. Tatsächlich, das Kind ist in den Brunnen gefallen. Will man es bergen, kostet es nicht nur Mut sondern vermutlich auch viel Geld. Geld was als Preis dafür gesehen werden muss, dass viele Bürger und Gemeindevertreter erst spät aufwachten und realisierten, dass die kommunale Selbstverwaltung von Bürgern und Gemeindevertretern gleichermaßen Verantwortung und Einsatz fordern.

Schön wäre es, wenn der Gesetzgeber die Bedürfnisse der Menschen denjenigen der Vögel angleicht, denn dann wäre um jedes Wohngebäude (Nest) ein von Windkraftanlagen freizuhaltender Radius von drei Kilometern, wie er für den Seeadler gilt, vorgeschrieben.

Ganz offensichtlich muss an den Rahmenbedingungen für Windkraftanlagen gearbeitet werden, bei denen die Bedürfnisse der Menschen an den Stand des technisch Möglichen der heutigen Windkraftanlagen angepasst wird. Die Chance ist groß, denn Windkraft ist positiv besetzt, sie muss nur verträglicher sein. Es gilt weiterhin: Weg vom Atomstrom, hin zu sauberer Energie vor Ort.

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