Imland-Klink Eckernförde : Entscheidende Tage für die Geburtshilfe

Ringen um eine Lösung: Nach dem Wunsch Vieler sollen Schwangere auch künftig in der Geburtshilfe in der Imland-Klinik entbinden.
Ringen um eine Lösung: Nach dem Wunsch Vieler sollen Schwangere auch künftig in der Geburtshilfe in der Imland-Klinik entbinden.

Die Geburtshilfe soll in Eckernförde bleiben. Nach einer Gesprächsrunde im Kieler Gesundheitsministerium nimmt der Optimismus zu.

Avatar_shz von
24. August 2012, 10:55 Uhr

Eckernförde | Hinter den Kulissen wird weiter um den Erhalt der Geburtshilfe (und damit auch der Kinderstation) an der Imland-Klinik Eckernförde gerungen. Am Dienstagabend haben sich die Verantwortlichen und Entscheidungsträger im Gesundheitsministerium getroffen, um über die komplexe und zugespitzte Lage in Eckernförde zu beraten. Gesprächsteilnehmer waren Vertreter des Ministeriums, der Klinik (Geschäftsführer Martin Wilde, Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Oliver Behrens), der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH). Ministeriumssprecher Christian Kohl und Klinik-Geschäftsführer Martin Wilde sprachen anschließend von "konstruktiven Gesprächen". Alle Verfahrensbeteiligten seien "an gemeinsamen Lösungen interessiert", sagte Kohl.
Wilde beurteilt die Chancen für einen Erhalt der Geburtshilfe positiv: "Alle Beteiligten haben ein hohes Interesse an einer Lösung. Wir stehen kurz vor der Lösungsfindung." Ende der Woche werde es ein weiteres Gespräch geben, eine Entscheidung erwartet er bereits in der nächsten Woche.
Schließungstermin 1. Oktober noch nicht vom Tisch
Den Kassen liegen die beiden Zulassungsanträge von Dr. Wolfgang Schlüter aus Glücksburg und Dr. Axel Klug aus Flensburg vor. Sie sind bereit, Bereitschaftsdienste auf der Entbindungsstation zu übernehmen. Die KV und die Kassen haben zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Zulassung mit Blick auf die aktuelle Gesetzeslage und im Hinblick auf die durchaus positiven personellen Perspektiven für die Geburtshilfe in Eckernförde (weiterer Bewerber sowie erwartete Rückkehr einer fest angestellten Frauenärztin) gegeben sind.
Während Mittwoch auf der Facebook-Seite "Geburtsstadt Eckernförde" bereits die Rücknahme des Schließungsdatums 1. Oktober bejubelt wurde, bleibt die Bestätigung für diese Meldung aus. Der Termin sei noch nicht vom Tisch, erklärte Martin Wilde. "Wir haben - Stand heute - noch kein verlässliches Ärzteteam", begründete er das Festhalten an dem Datum. Insbesondere die von den Vorgängen komplett überrumpelte Politik hatte über alle Parteigrenzen hinweg gefordert, diesen Termin aufzuheben, um mehr Zeit für die Lösungsfindung zu gewinnen. Wilde indes ist überzeugt, dass bereits weit vorher eine Entscheidung fallen werde.
Betten der Pädiatrie nur zu 17 Prozent belegt
Der Geschäftsführer nahm auf Anfrage der Eckernförder Zeitung auch zu dem wiederholt aus Mütter- und Klinikkreisen erhobenen Vorwurf Stellung, die Kinderstation werde bereits zugunsten der neuen Endoprothetik scheibchenweise abgebaut. Das sei keineswegs der Fall, sagte Wilde. Fakt sei, dass die zehn Betten der Pädiatrie zuletzt nur noch zu durchschnittlich 17 Prozent belegt gewesen seien (ein bis drei Kinder). Daher habe man eines der beiden Spielzimmer aufgelöst und als neues Büro für Dr. Steffen Oehme, den Leiter der Endoprothetik, hergerichtet.
Die Kinderstation müsse in jedem Fall erhalten bleiben, findet der Kinderarzt Dr. Sven-Arne Zeller. Er leistet mit drei Kollegen einen fachärztlichen Hintergrunddienst in der Klinik. Ein Viertel der Kinder auf der Station kommen ihm zufolge aus der Geburtshilfe. Um den Säuglingen schnell zu helfen, wenn Probleme in den ersten Lebensstunden auftreten, sei die Kinderstation unerlässlich. Die Erfahrung zeige, dass Komplikationen wie etwa Fruchtwasser in der Lunge oder Infektionen durchaus vorkommen können. Selbst wenn die Geburtshilfe geschlossen werde, sei die Station für die medizinische Versorgung der Kinder in der Umgebung notwendig. "Wer will mit einem kranken Kind eine lange Autofahrt machen?", fragt Sven-Arne Zeller.
CDU-Politiker will Druck nötigenfalls erhöhen
Der CDU-Landtagsabgeordnete Daniel Günther fordert von der Klinikleitung ein klares Bekenntnis auf lange Sicht für beide Stationen. Er sei bereit, den politischen Druck zu erhöhen, wenn es notwendig ist.
Sönke Rix und weitere SPD-Politiker trafen sich Mittwochabend mit der Initiativgruppe. Der Bundestagsabgeordnete vermutet, dass die ursprüngliche Entscheidung zur Schließung aus betriebswirtschaftlichen Gründen gefallen ist. Das entspreche nicht den Erwartungen an ein kommunales Krankenhaus. Damit deutet er Zweifel an der Kompetenz der Klinikleitung an.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen