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Müllsatzung wird nachgebessert : Entlastung für Fischer und Wochenmarkthändler

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Satzung zur Müllvermeidung wird im Umweltausschuss neu beraten. Lebensmittelhändler auf dem Wochenmarkt schlagen Alarm.

Eckernförde | Die Fischer sind wieder aus der neuen, seit 1. Januar gültigen Müllsatzung entlassen und können ihre fangfrischen Dorsche, Heringe und Schollen weiterhin ungesühnt in Plastiktüten an die Kunden ausgeben. „Die Fischkutter sind keine Stände, und sie befinden sich nicht auf städtischem Grund“, sagte die CDU-Fraktionsvorsitzende Katharina Heldt am Montagabend in der Ratsversammlung. Sie sprach von einer „guten Nachricht“. Und es soll nicht die letzte gewesen sein – die CDU hat eine Änderung der Satzung zur Müllvermeidung beantragt, die zunächst in der nächsten Sitzung des zuständigen Umweltausschusses beraten werden soll. Eigentlich wollte die CDU das Thema schon in der Ratsversammlung beschließen, hatte dann aber nach Gesprächen mit den anderen Fraktionen für die Überweisung in den Umweltausschuss plädiert.

Profitieren sollen von der Änderung in erster Linie die Wochenmarkthändler, die mit Lebensmitteln wie Käse, Fleisch oder Gemüse handeln, und die teilweise massiv unter der neuen Verordnung und dem Verbot von Plastikverpackungen leiden, weil es für ihre häufig nässenden Produkte keine adäquaten Alternativen gebe. „Da brennt die Hütte, wir sollten etwas tun“, sagte Heldt. Zuvor hatte sie ein Schreiben des Wochenmarktschlachters Jens Petersen aus Lindaunis vorgelesen, der seit 32 Jahren auf dem Eckernförder Wochenmarkt seine Fleisch- und Wurstwaren verkauft und sehr auf Abhilfe hofft. Petersen berichtete von „katastrophalen Umständen“, die das Plastikverbot für sein Geschäft bedeute. Das Ersatzmaterial erfülle seinen Zweck nicht und sei nicht praktikabel, er habe „noch nie so viel Müll produziert wie jetzt“. Mitgebrachte Behälter von Kunden seien keine Option, sie dürften aus hygienischen Gründen nicht über den Tresen gereicht werden.

Die CDU-Fraktionsvorsitzende wies auf die Ungleichbehandlung unter den Wochenmarkthändlern hin, denn das Plastikverbot gelte nur für Lebensmittel. „Blumen dürfen in Folie verpackt werden, Geflügelleber aber nicht“, sagte Heldt. Eine weitere Ungleichbehandlung sei gegenüber den Supermärkten gegeben, weil dort weiterhin Plastiktüten und -verpackungen ausgegeben werden. „Wir brauchen eine rechtssichere Lösung.“

Auslöser für das Plastikverbot bei Veranstaltungen und Ständen auf städtischen Boden sei der RSH-Kindertag gewesen, weil die Organisatoren wegen des Besucheransturms am Hafen „völlig überfordert“ gewesen seien und Müll ohne Ende produziert worden sei. Ursprünglich sollte die neue Müllsatzung nur die Gastronomie betreffen, „im Laufe der Beratungen ist der Wochenmarkt dazugekommen, wir sind übers Ziel hinausgeschossen“, sagte Heldt. „Wir bestrafen die, die ohnehin schon engagiert sind und mit ihrer losen Ware wenig Müll produzieren.“ Der Wochenmarkt sei ein „Frequenzbringer“ und wichtig für Eckernförde.

Martin Klimach-Dreger (SPD) begrüßte den Antrag. Die Verwaltung werde einen längerfristig tragenden Vorschlag für den Umweltausschuss vorbereiten. Generell aber müsse man so viel Plastikmüll wie möglich verhindern.

Matthias Huber (Bürger-Forum) plädierte dafür, dass Eckernförde seine Vorreiterrolle konsequent ausspielen und auch vermarkten sollte. Er verwies auf den neuen Coffee-to-go-Mehrwegbecher und die neue Papiertüte, die Eckernfördes Stadtmarketingchef Stefan Borgmann entwickelt hat. Im Übrigen gebe es bereits zersetzende Folien, auf die Händler auch zurückgreifen könnten.

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erstellt am 08.Feb.2017 | 06:19 Uhr

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