zur Navigation springen

Entfernte Symbole: Mahnmale gegen Mord und Unrecht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Auf den Spuren der braunen Vergangenheit / Aufarbeitung der Geschichte in nationalsozialistischer Zeit

von
erstellt am 05.Feb.2014 | 19:18 Uhr

Wir Glücklichen leben seit bald 70 Jahren in einer Demokratie. Die Menschen, die das Dritte Reich repräsentierten, Veranstaltungen, Flaggen und Zeichen, die die Jahre 1933 bis 1945 prägten, sie sind seit langem verschwunden, von Motiven einer offenen, toleranten, internationalen Gesellschaft abgelöst worden. In den letzten Jahrzehnten wurde aufgearbeitet, und auch in Eckernförde – einst eine „braune Stadt am Meer“ - gibt es Bücher wie „Vergessen und verdrängt“ von Kurt Hamer, Karl-Werner Schunck und anderen mutigen Historikern. Wenn man jungen Bürgern dieser Stadt sagt, dass es einmal eine Straße der SA gegeben hat, einen Adolf-Hitler-Platz, eine Hermann-Göring-Straße, dann begegnet man ungläubigem Staunen.

So ist es fast Detektivarbeit, heute noch sachliche Spuren des vergangenen Nationalsozialismus in Eckernförde zu suchen. Gemeint sind nicht Fotos oder Presseberichte – sie stehen uns in Archiven und Museen in großer Zahl zur Verfügung. Vielfach abgedruckt ist das Foto Adolf Hitlers, wie er im offenen Wagen durch die Frau-Clara-Straße fährt und ein Kind „segnet“, das ihm eine begeisterte Eckernförderin reicht. Und wir alle kennen Fotos von Rotkreuzschwestern, die sich im „Stadt Kiel“ mit dem Hitlergruß um ihre Anführer scharen, Fotos von Aufmärschen am Exer in einem Wald von Hakenkreuzfahnen. In allen Interessierten offen stehenden Pressearchiven können wir heute nachlesen, wie die damalige Eckernförder Zeitung schon 1932 die „deutsche Freiheitsbewegung Adolf Hitlers“ begrüßte.

Mit diesem Artikel in der neuen, demokratischen Eckernförder Zeitung soll noch einmal versucht werden, Sachspuren des „Dritten Reiches“ festzuhalten. Hierzu gehören Hausfronten in der Kieler Straße, die ihre Erbauungszeit 1937 mit stolzen Mauerankern am Treppengiebel anzeigen, auch ganze Straßen wie den Kakabellenweg, dessen einheitliche Backsteinbauten z. T. noch die Aufhänge-Vorrichtung für den schwarz-weiß-roten Fahnenschmuck zeigen. Von manchen öffentlichen Bauten weiß man, dass sie einmal das Hakenkreuz als Stuckarbeit trugen.

Aus einer kunsthandwerklich bedeutsamen Keramikarbeit der „Kieler Kunst-Keramik“, die heute noch eine Eingangstür des ehemaligen Truppengebäudes „Nordmark“ in der Kaserne Carlshöhe schmückt, ist der deutsche Reichsadler zu sehen, wie er einen Kranz im kühn gebogenen Schnabel trägt – das einst hier eingefügte Hakenkreuz ist ausgemerzt worden. Ein kaum bekanntes Relikt ehemaliger nationalsozialistischer Symbolik findet sich im kunstvoll geschmiedeten Gitter am Aufgang zur ehemaligen Reichsbank, heute Sitz der Polizei. Erkennbar ist noch der Adler mit einem aus Eichenlaub geflochtenen Kranz im Schnabel, der heute naheliegenderweise leer ist. Halten wir eine Fünf-Reichsmark-Münze daneben, erkennen wir das vollständige Motiv wieder.

Vielleicht sind solche versteckten Zeichen wichtige Erinnerung an zurückliegende Zeiten, die niemand mehr wiederholen möchte. Wie gesagt, bisher sind wir Glückliche in einer wirklichen Demokratie.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen