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Entdeckungen, Enttäuschungen und erfüllende Arbeit

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Museumsleiter Dr. Uwe Beitz geht am 29. Februar nach 25 Jahren in den Ruhestand und zieht im Gespräch mit der Eckernförder Zeitung eine Bilanz seiner Arbeit

25 Jahre lang hat Dr. Uwe Beitz das Museum Eckernförde geleitet. Am 29. Februar geht der Kunsthistoriker und Volkskundler in den Ruhestand. Beitz wurde am 21. Oktober 1950 in Braunschweig geboren, machte 1970 in Minden sein Abitur, studierte an der Braunschweiger Kunsthochschule Kunstpädagogik mit der Absicht Lehrer zu werden. Nach dem 1. Staatsexamen wechselte er an die Universität Marburg und studierte dort Kunstgeschichte und Volkskunde. Am 1. Dezember 1986 bekam er ein museumspädagogisches Volontariat auf Schloss Gottorf. Anschließend arbeitete er zunächst als AB-Kraft im Eckernförder Heimatmuseum unter Leitung von Hans Jessen. Dort bereitete er mehrere Ausstellungen vor, unter anderem mit Werken von Gert Bettermann, und wurde schließlich 1991 zum neuen hauptamtlichen Leiter berufen.

Am 14. Februar wird die letzte Ausstellung unter Ihrer Leitung im Museum eröffnet: „Draußen“ heißt sie, zu sehen sind Bilder von Friedel Anderson, einem Maler der norddeutschen Realisten. Hat Friedel Anderson den Titel seiner Ausstellung etwa Ihrem Eintritt in den Ruhestand zum 29. Februar gewidmet?
Dr. Uwe Beitz: Nein (lacht), das ist nicht der Fall. Wir haben überlegt, welche Bilder gezeigt werden sollen. Es sollen Landschaften sein, speziell aus der Gegend in und um Eckernförde, aber auch aus Dänemark. Wir haben einfach überlegt, wie der Titel für diese Ausstellung lauten könnte. Irgendwie sagte Friedel Anderson dann „draußen“. Genau das gleiche ist mir in dem Moment auch eingefallen – der Titel war geboren.

Wie sieht es angesichts des anstehenden Ruhestands mit Ihrer Gefühlslage aus?
Etwas zwiespältig (lacht erneut). Einerseits na gut, es reicht, nach dem Motto 25 Jahre sind genug. Andererseits hab ich noch eine ganze Menge Ideen für Ausstellungen im Hinterkopf, die ich jetzt nicht mehr realisieren kann. Das ist etwas traurig.

Können Sie Ihrer Nachfolgerin davon nicht etwas mit auf den Weg geben?

Nein, das wollte ich eigentlich nicht. Ich denke, die neue Museumsleiterin wird ihr eigenes Programm machen. Ich möchte da überhaupt nicht eingreifen. Es sind ein paar Sachen an mich herangetragen worden, die ich Frau Bieske auch mitgeteilt habe. Zum Beispiel wird es wieder eine Green-Screen-Fotoausstellung geben, Heinz Teufel hat schon Kontakt aufgenommen.


25 Jahre Museumsleiter in Eckernförde – was fällt Ihnen dazu spontan ein?

Spontan ist gut, woran denken Sie (lacht schon wieder)?

Spontan halt!

Spontan fällt mir eigentlich nur ein: Oh, Wunder, (lacht), dass das so lange gegangen ist! Es ist mir wichtig zu sagen, dass ich diese 25 Jahren gerne in Eckernförde gearbeitet habe. Ich habe, glaube ich, eine ganze Menge Ideen für Ausstellungen gehabt. Und zwar nicht nur für Kunstausstellungen, sondern auch für historische Ausstellungen über die Stadtgeschichte, etwa die Kieler Straße, die Gaststätten, über 1849. Zur Umsetzung all dieser Ideen war es gut, dass ich diese 25 Jahre auch hier war.

Sie kamen damals aus Schleswig und haben das Heimatmuseum von Hans Jessen übernommen. Können Sie sich an Ihre ersten Eindrücke und Tätigkeiten erinnern?
Im ersten Jahr war ich mit Hans Jessen zusammen, er hatte die Fäden noch in der Hand. Ganz wichtig für mich war die Begegnung mit der modernen Keramik. Gleich meine zweite Ausstellung war die mit dem Ehepaar Scheid aus Hessen. Das war für mich die erste Begegnung im Rahmen meiner Museumstätigkeit mit moderner Keramik. Das fand ich so spannend, dass mich das auf den Weg gebracht hat, mich mit Keramik zu befassen. Ich habe mich von der Qualität verschiedener Keramiker überzeugen können und habe diesen Bereich hier im Hause weiterentwickelt. Damit habe ich dem Haus ein besonderes Image gegeben, wir hatten landesweit zeitweilig fast ein Alleinstellungsmerkmal. Wir hatten daher keine Probleme, überregional bekannte, deutsche Keramiker zu bekommen. Eckernförde hat einfach einen sehr guten Ruf.


Waren Sie denn von der Sammlung des Museums angetan?
Ja. Ich bin auch Volkskundler. Die Handwerksabteilungen, die Sattlerei, der Tante-Emma-Laden, die Wäscherei und so weiter waren mir vertraut. Sie sind allerdings nicht ganz leicht zu präsentieren. Aber die Verknüpfung aus Kunst, Kulturgeschichte, Volkskunde und Geschichte wie 1849 oder die Ausstellung „Vergessen und verdrängt“, die ich gerne übernommen habe, war für mich ganz wichtig.


Was zeichnet das Eckernförder Museum aus?
Es hat allein deshalb einen besonderen Charakter, weil es sich im alten Rathaus, dem ältesten profanen Bau der Stadt, befindet. Wenn man das mit der Stadt- und Kulturgeschichte qualitativ gut füllen kann, ist das eine ganz tolle Sache. Das Besondere ist die Hülle, und in der Hülle unser großer Saal, der offen bleiben sollte, um den besonderen Raumeindruck vermitteln zu können. Was das Museum weiterhin auszeichnet, sind die Sammlungen, die zur Eckernförder Stadtgeschichte gehören. Ich bin sehr froh, dass wir die an Land ziehen konnten. Zum Beispiel die Ausstellung über 1849: Zum Bestand kamen immer neue Grafiken und Objekte aus dem Holz von Christian VIII. dazu. Zum anderen haben wir der Kunst in Eckernförde, angefangen bei Baasch, Thöming, Fiebig bis hin zu Bössenroth und Streckenbach, Raum geben können und eine tolle Sammlung zusammenbekommen. Man muss immer wieder nachdenken, wie man das am Leben erhält und neue Exponate aus dem Magazin zeigt.

Das sind also die Stärken. Gibt es auch Schwächen?
Es gibt einige Punkte, an denen wir mehr hätten machen können. Wir hätten auch für die Stadtgeschichte wichtige Themen, zu denen aber wenige Objekte vorhanden sind. Wenn wir wirklich aussagekräftige Objekte zum Thema Marine oder Bauschule hätten, könnte man daraus jeweils eine Abteilung machen. Nur jede neue Abteilung geht zu Lasten einer alten, die fliegt dann raus. Das ist der Nachteil des Hauses: Es gibt keine Erweiterungsmöglichkeit. Ich habe mich ja immer gegen eine Dependance gewehrt. Mit „Vergessen und verdrängt“ haben wir schon Schiffbruch erlitten. Deshalb habe ich gesagt: Ich möchte unsere Sammlung nicht aufteilen, zum Beispiel hier Stadtgeschichte und etwa in der Willers-Jessen-Schule unsere Ausstellungen. Das würde unser Haus spalten, am Ende würde nichts Positives herauskommen. Viele Besucher einer Sonderausstellung sind noch nie vorher bei uns im Hause gewesen, gucken sich das Ganze an und sind überrascht und durchaus begeistert, was sie hier vorfinden. Das wäre nicht der Fall, wenn die Ausstellungen ausgegliedert werden.

Aber wir sind gerade dabei, unsere Medienstation, die ja immer gekränkelt hat, in Betrieb zu nehmen. Frau Afrossin, unsere erste FSJlerin, hat sich dieses Themas angenommen. Sie erarbeitet gerade eine Power-Point-Präsentation über unsere Sammlungen, die wohl bis zum 14. Februar fertig sein wird. Da gibt es dann die Möglichkeit, sich am Bildschirm der Medienstation im Großen Saal im Schnellgang durch die Geschichte der TVA, der Bauschule und der Eisenbahn in Eckernförde zu hangeln. Weitere Themen wie Carlshöhe sind in Vorbereitung. Das ist ausbaufähig mit unserem Bildmaterial aus dem Stadtarchiv.


Rund 200 Ausstellungen in 25 Jahren. Können Sie sich noch an die allererste erinnern?

Die erste Ausstellung, die ich mit aufgebaut habe, war eine Peter-Nagel-Ausstellung, dann die von Karl und Ursula Scheid mit ihren Keramiken. Die Ausstellungen, die ich 1991 gemacht habe, waren schon vorgeplant. Der damalige Bürgermeister Klaus Buß war sehr aktiv und Sammler wie Otto Pauls oder Wilhelm Krohn.

Welche war die erfolgreichste, sprich am besten besuchte, welche gingen gar nicht?

Die am schlechtesten besuchte Ausstellung war die von Otmar Alt am Aalregatta-Sonntag im Sommer 1991. Es war knallheiß, und wir saßen mit einer Handvoll Leuten im Museum - es kamen einfach keine Besucher. Auch diese Ausstellung war schon vorgeplant, ich hätte sie so nicht ausgerichtet, weil ich immer versucht habe, mit Künstlern zu arbeiten, die nicht ganz so weit oben angesiedelt sind, und lieber die in den Vordergrund zu rücken, die nicht überall bekannt sind. Betroffen gemacht hat mich die schwache Resonanz mit 800 Besuchern auf die Ausstellung von Rembrandt-Radierungen, die wir aus Schwerin bekommen hatten. Es war ein großer Akt, diese Ausstellung zu bekommen. Das war schon ärgerlich.

Die meisten Besucher – 1200 bis 1400 Besucher in acht Wochen – sind zur Gaststättenausstellung gekommen, die Kieler-Straße-Ausstellung war ähnlich gelagert, und wir hatten eine sehr gut besuchte Ingrid-Schmeck-Ausstellung. Die lokalhistorischen Ausstellungen sind fast immer sehr gut gelaufen, die Ausstellung mit lokalen Künstlern hingegen nicht so sehr, weil das lnteresse zwar vorhanden, aber zumeist auch lokal begrenzt ist.

Wir haben einige einheimische Künstler wie Volker Altenhof, Heinz Teufel oder damals Carl Lambertz, um nur drei Beispiele zu nennen. Wie beurteilen Sie die Ausstellungsaktivität in diesem Bereich?
Ich habe mir schon angeschaut, wer eine bestimmte Qualität und etwas zu sagen hat mit seiner Kunst. Danach habe ich ausgewählt. Die, die ich nicht ausgewählt habe, sind nicht unbedingt schlecht, aber sie sind fürs Museum nicht spannend gewesen. Wenn ich auf der einen Seite Besucherzahlen bringen soll, kann ich auf der anderen Seite nicht mit Künstlern arbeiten, bei denen ich weiß, dass sie nur ein ganz begrenztes lokales Publikum anlocken.

Nehmen die Eckernförder ihr Museum eigentlich wahr oder hätten Sie sich eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Museum und der eigenen Stadtgeschichte gewünscht?
Die historischen Ausstellungen waren immer ganz gut besucht. Trotzdem hätte ich mir bei manchen Ausstellungen mehr Besucher gerade aus Eckernförde gewünscht. Zum Beispiel zu dem Thema 1849, das war eine tolle Ausstellung mit guten Leihgaben unter anderen aus Coburg, oder auch bei Thöming mit vielen Leihgaben aus Hamburg, Flensburg und Kiel, die hier noch nie jemand gesehen hat. Wir haben einen mit 400 Mitgliedern großen Förderverein des Museums, wenn vom Verein jedoch nur 10 bis 15 Prozent der Mitglieder zu den Ausstellung kommen, finde ich das schade.

Ein anderes Thema: Seit 1997 geben wir die Sammelblätter heraus. Die letzten vier erscheinen jetzt zum 14. Februar, dann sind es 300 Stück. Wir haben versucht, ein Angebot an die Mitglieder und Besucher zu machen, sich etwas zusammenzubauen, was es alles im Museum gibt und welche Ausstellungen es gegeben hat. Die Abo-Zahlen sind in den vergangenen Jahren leider immer weiter zurückgegangen. Im Moment macht es keinen Sinn, die Museumsblätter weiter herauszugeben.

Wie sieht es mit dem Kontakt zu den Schulen aus?

Da hapert es restlos. Die Versuche mit guten Projekten mit Schulklassen bei uns im Hause schienen sich vor zehn Jahren zu entwickeln. Dagmar Rösner ist damals auch in die Schulen gegangen. Leider ist kaum etwas darauf gefolgt. Wir haben das Problem, dass wir zu wenig geschultes Personal für die Durchführung der Projekte haben und auch kaum neue Leute gewinnen konnten, so dass wir nicht offensiv dafür werben konnten.

Wie läuft es mit dem Stadtarchiv, für das sie ja auch zuständig sind. Könnte man das nicht stärker in den Blick der Öffentlichkeit rücken?

Es wäre sicher nicht uninteressant, aber es ist nur nebenher besetzt und daher fast nicht zu leisten. Mehr Benutzer heißt, dass ich als Aufsichtskraft dabei sitzen muss, weil ich Akten heraussuchen und Auskünfte geben muss. Das sind dann zwei bis drei Stunden für einen Benutzer. Die Zeit fehlt mir im Museum. Wenn ich jeden Tag nur einen Benutzer hätte, ginge das sehr zu Lasten der Arbeit im Museum.

Welche Höhepunkte und Tiefpunkte haben Sie erlebt?

Ein Höhepunkt war sicherlich die Entdeckung Bössenroths. Vor allen Dingen, dass es so viel Bilder hier in Eckernförde gegeben hat. Als ich hier anfing, hing im Flur ein großer Bössenroth und ich sagte: Können wir den nicht wegnehmen? Dann habe ich begonnen zu forschen, habe einen Aufruf in der Zeitung gemacht und bekam zig Hinweise, wo Bilder von ihm sind. Jetzt haben wir die größte Bössenroth-Bildersammlung weltweit.

Ein anderer Höhepunkt war die Sammlung mit Werken von Arthur Götting, dem Lehrer, der an der Jungmannschule aus dem Amt geworfen wurde, weil er eine jüdische Frau hatte. Da haben wir Entdeckungen gemacht, die wir nicht erwartet haben. Ich habe gerade im Januar aus der Familie das Original-Gipsmodel für die Messingplaketten, die auf dem Goldenen Buch der Stadt Eckernförde von 1936 draufsitzen, bekommen. Das sind aufregende Ereignisse, die zeigen, dass man sinnvolle Museumsarbeit gemacht hat.

Einen Tiefpunkt gab es auch, als die Diskussion aufkam, die Stelle zu kürzen, wenn ich gehe. Wir haben uns für das Museum aufgerieben, Wochenende um Wochenende dran gegeben, und dann bekommt man zu hören: Es geht ja auch mit der Hälfte der Zeit, wobei übersehen wird, dass da auch das Stadtarchiv mit dranhängt. Das hat sehr tief gesessen, es hat hier im Hause auch einen Knacks gegeben. Alle wissen, was sie hier gemacht haben und warum sie die Zeit, die sie dafür gebraucht haben, aufgewendet haben.

Sind Sie einverstanden mit der „Begleitmusik“ aus Politik und Museumsverein, privaten Gönnern und Spendern?

Ich hätte mir bei einigen Dingen einen etwas direkteren Umgang gewünscht. Das heißt, dass ich nicht aus der Presse erfahren muss, dass meine Stelle halbiert werden soll. Also dass man meine Arbeit quasi für überflüssig hält. Ich hätte das gerne direkt von denjenigen, die das angestoßen haben, selber gehört. Und dass sie sich vorher mal schlau gemacht hätten. Der Museumsverein hat uns sehr unterstützt. Es war eine konstruktive Zusammenarbeit, die uns sehr geholfen hat. Der vor ein paar Jahren verstorbene Galerist Jens Meier hat uns sehr unterstützt, auch durch mehrere größere Spenden pro Jahr. Sonst hätten wir manches nicht anschaffen können. Es gibt noch einige weitere kleinere Spender und die Förde Sparkasse als Sponsor.


Sie haben Ihr Haus bestellt, was geben Sie Ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg?
Ach, ich glaube, das sage ich ihr lieber selber.


Sie haben bald sehr viel Freizeit. Werden Sie künftig einer der aktivsten Museumsbesucher im Land und die Museen regelmäßig mit dem Blick eines entspannten Fachmanns „unter die Lupe“ nehmen?
(lacht) Ja. Ich werde es in Schleswig-Holstein wieder verstärken. Ich habe mir aber auch Dinge vorgenommen, die mit dem Museum Eckernförde zu tun haben. Ich möchte ehrenamtlich ein Bössenroth-Werkverzeichnis erstellen. Über eine andere Sache, die mit Jens Meier zu tun hat, möchte ich jetzt noch nicht reden.

Ein Hobby gibt es nicht, vielleicht sogar ein skurriles?

Ich habe mich als Museumsmensch und als Kunsthistoriker immer so gesehen, dass ich kein Hobby brauchte. Mal abgesehen davon, dass ich im Studium Fußball gespielt habe. Meine Arbeit war für mich auch Hobby. Ich bin unter anderen zu den Biennalen nach Venedig gefahren, das war dann mein Hobby. Skurriles? Ja, ich habe mal Pinguine gesammelt von Bleiguss bis Glas. Aber man sollte die Lust am Sammeln begrenzen, auch privat, deshalb sammle ich nicht mehr. Trotzdem habe ich zu Weihnachten noch mal einen bekommen, als Flaschenstopfen.




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erstellt am 03.Feb.2016 | 04:47 Uhr

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