zur Navigation springen

Polizei : Enkel statt Ganoven: Polizeichef geht in den Ruhestand

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Diebstahl, Raub und Körperverletzung: Wolfgang Petersen hat 14 Jahre lang die Polizeistation Eckernförde geleitet . Morgen ist sein letzter Arbeitstag.

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2015 | 06:04 Uhr

Eckernförde | Ob Diebstahl, Betrug oder Raub – die Eckernförder Polizei ist da, wenn es Ärger gibt. 14 Jahre lang hat Wolfgang Petersen die Dienststelle der Schutzpolizei in Eckernförde geleitet, morgen geht er in den Ruhestand.

Eigentlich hatte der heute 60-Jährige gar nicht den gehobenen Dienst angesteuert, denn seine Ausbildung hat der gebürtige Maasholmer 1971 bei der Bereitschaftspolizei in Eutin als Wachtmeister im mittleren Dienst begonnen. Nach Zwischenstationen beim technischen Zug der Stabshundertschaft und Streifendienst in Kiel kam er nach Schleswig, wo er in den gehobenen Dienst aufstieg. Einem kurzen Zwischenspiel in Itzehoe folgte 1982 der Wechsel nach Flensburg. Hier versah er seinen Dienst in verschiedenen Dienststellen und Funktionen, meistens als Vertreter des Dienststellenleiters, bevor er 2001 selbst die Leitung der Polizeizentralstation Eckernförde übernahm.

49 Beamte unterstanden ihm am Anfang. Nach der Zusammenlegung mit der Station Gettorf zum Polizeirevier im Jahr 2012 waren es 63, aufgeteilt auf die Stationen Eckernförde, Damp, Rieseby, Ascheffel, Gettorf, Altenholz und Schwedeneck. Sie decken den Altkreis Eckernförde ab. Die Schutzpolizisten sind immer die ersten am Ort des Geschehens. „Sofortreaktion“ nennt Wolfgang Petersen das. „24 Beamte sind für die Stadt Eckernförde zuständig, egal ob es um Einbrüche, Diebstähle, Betrug oder Sexualdelikte geht.“ Für die Ermittlungsarbeit ist in Eckernförde die Kriminalpolizei zuständig, die von der Schutzpolizei nach Kräften unterstützt wird. „Die Zusammenarbeit klappt sehr gut.“

„Eckernförde war ein Glücksgriff“, sagt Wolfgang Petersen heute. Unter anderem wegen des entspannteren Einsatzgeschehens. In Eckernförde herrsche eine andere Bevölkerungsstruktur als in vergleichbaren Städten mit einem größeren Anteil an „problematischer Klientel“. Die Stadt sei gepflegt. „Man hat hier gleich ein anderes Gefühl, als wenn man in einer Stadt lebt mit schmutzigen Ecken und herumlungernden Gestalten. Aber auch in Eckernförde gibt es Einbrüche, Körperverletzungen, Raub und Sexualdelikte, aber eben in einem anderen Ausmaß als woanders.“

Besonderheiten hat Wolfgang Petersen während seiner 14 Jahre in Eckernförde durchaus erlebt, zum Beispiel als es noch eine aktive Antifa-Szene gab: „Ich hätte mir nie träumen lassen, mal mit einer Hundertschaft in Rieseby eine Demo zu begleiten.“ Leider nehme die Respektlosigkeit gegenüber der Polizei zu. Auch sei Gewalt gegenüber Polizisten nichts Neues. Wolfgang Petersen war dagegen immer recht sicher: Sein Arbeitsplatz als Revierleiter ist in erster Linie der Schreibtisch.

Eine schwere Aufgabe sei es gewesen, Todesnachrichten zu überbringen. „Das nimmt einen echt mit“, so Petersen. Unter anderem deshalb sieht er seinem Ruhestand mit Freude entgegen. „Es gibt einige Dinge, die ich vermissen werde, wie den Schnack mit den Kollegen, aber auch andere Dinge, die mir nicht fehlen werden.“ Langweilig wird ihm sicher nicht werden. „Meine Frau und ich haben drei Kinder und sieben Enkel.“ Auch an Hobbys mangelt es ihm nicht.

Morgen ist sein letzter Arbeitstag, seiner Dienststelle wünscht er, dass irgendwann wieder die räumliche Trennung von Schutz- und Kriminalpolizei aufgehoben wird, zum Beispiel durch eine gemeinsame Unterbringung im Finanzamt in der Bergstraße. Sein Nachfolger wird Ralf Lohmeyer, der zurzeit noch stellvertretender Dienststellenleiter in Schleswig ist und schon einmal als Dienstgruppenleiter in Eckernförde gearbeitet hat. Entgegen der Ankündigung, dass er erst Anfang des Jahres anfängt, soll er schon in der kommenden Woche seinen Dienst antreten.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen