„Muko“ : Engelsgesänge in der Borbyer Kirche

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Kopenhagener Studentenchor „Muko“ sorgte mit seinem Auftritt für Gänsehautatmosphäre im Gotteshaus.

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19. Mai 2015, 13:08 Uhr

Eckernförde | Ein Chorkonzert in der Borbyer Kirche sei in dem Sinne nichts wirklich Besonderes, mag wohl mancher denken, das habe man an diesem Ort schon häufiger erlebt. Was jedoch am Sonnabend in den Kirchenmauern stattfand, das sucht seinesgleichen, das hat man so noch nicht gehört. „Muko“, der Studentenchor des Musikwissenschaftlichen Instituts Kopenhagen, war mit 35 jungen Stimmen und Dirigentin Nenia Zenana nach Eckernförde gekommen. Sie sangen so, dass man sich schon nach den ersten Minuten völlig überrascht in die Bank zurückfallen ließ, es kaum für möglich hielt, was da so machtvoll in die Seele drang. Es war Musik, die den Himmel auf Erden holte. So müssen wohl Engelsgesänge klingen: zart, eindringlich, schmelzend und wunderschön. Nicht von dieser Welt – und für alle, die es hörten, öffneten sich leise die Türen zu einem inneren Licht. Ein Geschenk für die Zuhörer, im doppelten Sinn, denn Eintritt wurde nicht verlangt.

So stand der Abend auch unter dem Motto „Aus der Dunkelheit zum Licht“ – ein frühlingshafter Gedanke, wenn man die Samenkörner im Erdreich vor Augen hat. Auch ein christlicher Gedanke – so Nenia Zenana, denn auf Qual und Finsternis folgen Himmelfahrt, Licht und Erlösung. In Latein und Dänisch formulierten die Sänger ihre Worte, enthoben die Zuhörer damit dem Bemühen, alles Verbale verstehen zu wollen. Ein schriftliches Programm lag nicht vor. So sprach die Musik für sich, der Ausdruck der Stimmen reichte, um die Zuhörer wegzuschwemmen – nie zu laut, stets ganz behutsam, oft zärtlich und süß wie ein lieber Gedanke, rührte die Kunst der jungen Männer und Frauen ganz ans Herz. Einer handfesten Rührung konnte sich da wohl keiner entziehen.

Ganz weggetreten, völlig in die Musik versunken, in die Kostbarkeit dieser Stunde ergeben, war die „Welt draußen“ sehr weit weg. Zeit? Ort? Nenia Zenana gab mit sanften Bewegungen die Richtung vor, verwandelte ihr Dirigat in einen Ausdruckstanz; allein ihr anmutiger Anblick ließ tief Luft holen.

Kompositionen des Franzosen Maurice Duruflé (1902-1986), Choräle und Lieder des Dänen Carl Nielsen (1865-1931) waren schon wunderbar. Aber über allem verzauberten die Kompositionen des Amerikaners Eric Whitacre (*1970). Suchtpotential. Mit „Lux aurumque“ brachte er die Kopenhagener Chorstimmen zum Strahlen, die leichten und raffinierten Dissonanzen wirkten wie ein unbekanntes Gewürz, das alles noch verfeinerte. Die himmelhohen Töne waren kristallklar und von schwebender Leichtigkeit. Zum Weinen schön. Und nicht genug davon: Auch Eric Whitacres „Alleluia“ musste noch ertragen werden. Schaute man in die Runde, dann sah man – die Ergriffenheit hatte sich über alles gelegt.

Zum Abschluss verteilten sich alle Interpreten im Kirchenraum, sangen John Rutters „The Lord bless you and keep you …“ und verabschiedeten sich mit einem gehauchten „Amen“.

Im Hinausgehen fanden viele Zuhörer so schnell keine Worte – Maria und Hans-Joachim Geigenberger aus Hamburg überwältigt: „Wir haben schon vieles gehört – aber diese Musik war ohne Vergleich. Ein zaubrischer Abend, der Herzen öffnete.“

Die Eckernförderin Johanna Ewald, die selbst in Kopenhagen als Studentin in „Muko“ mitsingt, hatte den Besuch „ihres Chores“ in der Borbyer Kirche organisiert. Am Vorabend hatten sie ein Gastspiel in Flensburg und wollten am Wochenende noch zurück nach Kopenhagen. Dort warte ein nächstes, großes Konzert auf sie.

Und in Eckernförde? Hier warten viele auf ein nächstes Mal „Muko“ – hoffentlich auf bald.

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