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Vorhang auf fürs Internationale Naturfilmfestival : Emotion pur zum Green-Screen-Start

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Viele hundert Grundschüler haben gestern Vormittag die sechs Spielstätten des 7. Internationalen Naturfilmfestivals gestürmt. In den Sälen wurde mitgefiebert und mitgelitten – echte Emotionen. Einige Naturfilmer standen Rede und Antwort.

Das Licht wird gedämmt – Jubel brandet auf, erste „Green-Screen“-Rufe künden von gespannter Erwartung. Der Trailer läuft an, ein Flusspferd taucht auf – Begeisterung und Jubel erhebt sich im ganzen Saal. Das Gleiche beim Kampf zweier Bären und Moschusochsen, deren Körper beim Zusammenprall der Schädel förmlich vibrieren – Green Screen ist Emotion pur, und Kinder sind das beste Publikum, das Filmemacher sich vorstellen können. Das dürfte auch Ulf Marquardt so sehen, der ganz hinten in der Ecke stand und miterleben durfte, wie die 442 Grundschüler aus 15 Schulklassen seinen Film „Adoptiert von Delfinen“ förmlich in sich aufsogen, die Bilder fasziniert verfolgten und begeistert mitgingen, als die Delfine mit einem aufgepumpten Kugelfisch spielten, sich mit dem „Kaugummi des Meeres“, einer Qualle, spielerisch vergnügten, ohne diese zu töten, oder wenn die abenteuerlich aussehende Zipfelseegurke hinten das ausschied, was sie vorne gerade vertilgt hatte – „Iiiih“ machte der ganze Saal, als der Seegurkenkot in Nahaufnahme den Weg ins Freie fand.

Solche Bilder gibt es nur bei Green Screen. Solche Emotionen ebenfalls und die Bestätigung, dass Naturfilme Jung und Alt in den Bann ziehen. Ulf Marquardt erzählt die Geschichte des Delfins „Ferdinand“, der mit einer Gruppe von 140 Delfinen vor Hurghada (Ägypten) im Roten Meer lebt. „Ferdinand“ ist aber eigentlich eine „Frau“, denn am Ende des Films schwimmt dicht neben ihr ihr Baby – „Frodo“. Der Naturfilmer zeigt die behutsame Beobachtung der Delfinherde durch die Zoologin Angela und den Tauchlehrer Michael, die von den Delfinen akzeptiert und „adoptiert“ werden. Auf diese Weise gelangen bisher einzigartige Bilder vom Leben der schlauen Meeressäuger bei der Paarung (zweier Bullen), bei der „chemischen Reinigung“ von Parasiten durch das Kratzen an Korallen oder eines spektakulären Überfalls der Gruppe durch vier fremde Bullen, die ein weibliches Tier entführten. Delfine, so war weiter zu erfahren, schwimmen selbst im Schlaf schneller als ein hellwacher Mensch. Am Ende stand die Botschaft: Die Delfine vor Hurghada brauchen eine Schutzzone, um nicht von den aufdringlichen Tauchtouristen ständig gestört zu werden. Nach der Vorstellung betrat Ulf Marquardt zusammen mit den Jungfilmern Bjarne Klockemann und Jon-Vincent Drewes die Bühne und wurde von den Kindern mit Fragen bombardiert – auch das gibt es nur bei Green Screen und unterstreicht die besondere Bedeutung des Festivals.

Ebenfalls begeistert waren die jungen Zuschauer im Ratssaal, die den Film „Waschbären – Einwanderer aus Wildwest“ von Heiko De Groot sahen. Die Dritt- und Viertklässler aus Gettorf und Eckernförde fieberten dem Film entgegen. Sie verfolgten gebannt das Leben der Waschbärfamilie, empörten sich über Jäger und Autofahrer, die die scheuen Tiere töten und bogen sich vor Lachen, als eine Gruppe Waschbären in ein Haus einbrach und an alten Schuhen knabberte. Mit „Ah“ und „Oh“ wurde jeder Waschbär auf der Leinwand begrüßt. Und am Ende war klar: Der Waschbär ist weniger gefährlich als sein Ruf, aber mitunter gerissen und auch an das Leben in der Stadt angepasst.

Nach Filmende sprudelten die Fragen nur so aus den Grundschülern heraus. Ob die Waschbären wirklich gestorben sind, ob die gefilmten Tiere Namen hätten, wie alt sie werden können.

Moderator Wolfgang Herda antwortete geduldig und hörte sich die eigenen Waschbärbegegnungen der Kinder an – die meisten im Tierpark, einige sogar in freier Wildbahn, allerdings in Kanada und nicht in Deutschland. Herda macht die Arbeit mit Kindern Spaß: „Sie sind sehr interessiert und haben viel eigenes Wissen, das sie gerne einbringen möchten.“

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erstellt am 06.Sep.2013 | 06:20 Uhr

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