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Demo für Erhalt der Kinderstation : Eltern setzen ein „Riesenzeichen“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

400 bis 500 Teilnehmer haben am Sonnabend für den Erhalt der Kinderstation und der Geburtshilfe an der Imland Klinik Eckernförde demonstriert. Klare Ansage an den Kreistag.

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erstellt am 12.Dez.2016 | 06:22 Uhr

Eckernförde | Kinderwagen auf Kinderwagen schiebt sich zum schummrigen Skaterpark im Schulweg, junge Eltern mit ihren Kinder stehen dort, die Stimmung ist gelöscht, gleichzeitig aber auch entschlossen. Minütlich füllt sich der Versammlungsplatz unter den Augen der Polizeibeamten. Dann das Zeichen – das große Transparent nach vorne, Drums & Pipes und die Familienkolonne dahinter schiebt sich der Demonstrationszug vom Schulweg über die Reeperbahn, den Exer, Jungfernstieg, Frau-Clara-Straße, Langebrückstraße und Reeperbahn zum Rathausmarkt. Keine Sprechchöre, kaum Plakate, dafür aber geballte Elternpräsenz. Die Organisatorin, Sprecherin der „Bürgerinitiative für den Erhalt der Kinderstation der Imland Klinik Eckernförde“ und vierfache Mutter Alexandra Bruns mittendrin in gelber Sicherheitsweste. Sie strahlt übers ganze Gesicht: „Ich bin begeistert! Eine tolle Resonanz, die zeigt, wie Eckernförde für ihre Station brennt!“ Die Schätzungen der Polizei und der Veranstalterin liegen zwischen 400 und 500 Teilnehmern.

Auf dem Rathausmarkt erklangen am Sonnabend kurz vor dem Eintreffen des Demonstrationszuges noch schöne, weihnachtliche Weisen der TuS Eckernförde, dann nähert sich der Zug mit ganz anderen Klängen und kräftigen Trommelrhythmen des Spielmannszuges Drums & Pipes. Der Rathausmarkt füllt sich, die alte Rathaustreppe dient als Rednerpult. „Das ist ein wahnsinnig starkes Signal!“, ruft Alexandra Bruns den Teilnehmern und Passanten zu. Sie pocht auf das Recht der Grundversorgung für die Kinder in der Region Eckernförde. Während man kein Problem damit habe, Millionen für Straßen und Radwege auszugeben, „haben wir keine 300  000 bis 400  000 Euro pro Jahr für Schwangere und kranke Kinder?“ Bruns kritisiert die Politik der reihenweisen Schließung von Geburtsstationen im Land – Sylt, Oldenburg, Föhr, Niebüll. Sie habe sich überall gegen die Schließungen eingesetzt „Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen. Wir dürfen nicht aufhören, für die Geburts- und Kinderstationen zu kämpfen, sonst ist unser Ende besiegelt“, ruft Bruns den Menschen zu. Man habe sich auf das Wort des Kreistages verlassen und müsse nun zur Kenntnis nehmen, was daraus geworden ist. Die Wortführerin der Elternbewegung kündigt die erstmalige Anwendung eines „Einwohnerantrags“ an, um die Kinderstation zu erhalten. Mit einem solchen Antrag, der von mindestens 5 Prozent der Einwohner ab dem vollendeten 14. Lebensjahr unterzeichnet sein muss, kann die Ratsversammlung dazu verpflichtet werden, sich in öffentlicher Sitzung mit dem Thema zu befassen. So könnten die Eltern selbst aktiv werden, um auf direktem, demokratischem Weg zu einer „bedarfsgerechten Lösung ohne Fristsetzung, Herr Johannsen“ zu kommen, sagt sie im scharfen Ton an die Adresse des Geschäftsführers der Imland Kliniken, Dr. Hans-Markus Johannsen.

Unterstützung kommt von der Insel Sylt. Lars Schmidt ist dort Gemeindevertreter und hat mehrere Schließungen auf den Inseln und auf dem Festland hautnah miterlebt. „Wir haben die Nase voll!“, die Wege würden länger, die Versorgungsqualität werde immer schlechter. „Der Verlust von Lebensqualität ist übel“, sagt Schmidt. Er warnt: Das Land plane nur noch mit vier bis fünf Geburtshilfestationen Level 1, „alle anderen werden geschlossen“. Die Schließung der Kinderstationen „ist der erste Schritt“, sind die weg, „werden auch die Geburtsstationen geschlossen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche“. Er pocht auf den Erhalt der medizinischen Grundversorgung und beschwört die soziale Sicherheit. Kinderstationen und Geburtshilfen müssten erhalten werden, „egal, was es kostet, auch dann, wenn sie nicht kostendeckend sind.“ Für die HSH Nordbank würde das Land Milliarden ausgeben. „Lieber tot als Sklave („Lever dod as slav“) ruft der Nordfriese den Teilnehmern am Ende zu.

Weitere Redner schließen sich an. Der Eckernförder DGB-Vorsitzende Horst Kunze stärkt den Demonstranten den Rücken, spricht von „uneingeschränkter Solidarität“. Wenn man eine kinderfreundliche Gesellschaft wolle, müsse man dafür auch etwas tun, eine wohnortnahe Versorgung von Kindern gehöre dazu. SPD-Ortsvorsitzender Jonas Kramer wertete die Demonstration als „Riesenzeichen“, das Signal müsse weitergetragen werden, „der Ball liegt jetzt beim Kreistag“. Auch sein grüner Amtskollege Joschka Knuth nimmt den Kreistag in die Pflicht: „Wir fordern, dass der Beschluss zum Erhalt der Kinderstation eingehalten wird - Punkt.“ Es gelte, eine praktikable Lösung zu finden, die zwischen Schwarz und Weiß liege. Der FDP-Landtagsabgeordnete Oliver Kumbartzky warnt ebenfalls: „Wenn die Kinderstation zu ist, ist auch die Geburtshilfe weg – so weit darf es nicht kommen“.

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