Zusammenarbeit : Elf Mal Ja zum Gewerbegebiet

Winnemarks Bürgermeister Wilhelm Fülling unterzeichnet als letzter Bürgermeister der Partnergemeinden den Vertrag zur Gründung des „Zweckverbands Interkommunales Gewerbegebiet Nordschwansen“. Kappelns Bürgermeister Heiko Traulsen schaut zu.
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Winnemarks Bürgermeister Wilhelm Fülling unterzeichnet als letzter Bürgermeister der Partnergemeinden den Vertrag zur Gründung des „Zweckverbands Interkommunales Gewerbegebiet Nordschwansen“. Kappelns Bürgermeister Heiko Traulsen schaut zu.

Städte und Gemeinden unterzeichnen Gründungsvertrag des Zweckverbandes im Kappelner Rathaus.

shz.de von
20. Januar 2018, 06:07 Uhr

Kappeln | Manchmal darf man sich auch selber feiern. Am späten Donnerstagnachmittag taten das gleich mehr als ein Dutzend Menschen, die sich im großen Sitzungssaal des Rathauses zusammengefunden hatten – eigentlich nur, um ein Blatt Papier zu unterzeichnen. Nun darf man in diesem Rahmen davon ausgehen, dass es sich nicht um irgendein Papier handelte. Tatsächlich nämlich war es ein mehrere Seiten starkes Vertragswerk, das nicht viel weniger als ein Grundstein war. „Gründung des Zweckverbandes Interkommunales Gewerbegebiet Nordschwansen“ hatte auf der Einladung gestanden. Und als zehn Bürgermeister und eine Bürgermeisterin ihren Namen und das Dienstsiegel unter den Vertrag gesetzt hatten, war der entscheidende Schritt für das kreisübergreifende Gewerbegebiet „Erdbeerfeld“ an der B 203 getan.

„Es ist ein besonderer Tag.“ Mit diesen Worten leitete Kappelns Bürgermeister Heiko Traulsen die Veranstaltung ein. So besonders, dass Imbiss und Getränke gereicht wurden. Das zumindest war ein Anhaltspunkt für Gunnar Bock, Amtsdirektor im Amt Schlei-Ostsee, die Bedeutung des Nachmittags einzustufen. „Wir haben uns ja schon oft getroffen“, sagte er. „Aber heute das erste Mal mit Brötchen.“ Und die passten gut zur gelösten Stimmung, die dem Kappelner Sitzungssaal in der Regel nicht unbedingt zu eigen ist. Nach Schulverband und Breitband-Zweckverband, die Heiko Traulsen in der Folge nannte, ist nämlich der Zweckverband, der das Interkommunale Gewerbegebiet tragen soll, die dritte Zusammenarbeit dieser Art.

Die Städte Kappeln und Arnis sowie die Angelner Gemeinden Grödersby, Oersberg, Rabel, Rabenkirchen-Faulück, Stoltebüll und die Schwansener Gemeinden Dörphof, Karby, Thumby und Winnemark haben am Donnerstag mit den Unterschriften ihrer Vertreter unter den öffentlich-rechtlichen Vertrag den Zweckverband gegründet. Und Traulsen fasste das Gewicht dieser Entscheidung so zusammen: „Das Gewerbegebiet bietet vorhandenen Betrieben Entwicklungs- und neuen Betrieben Ansiedlungspotential und trägt insgesamt zur Stärkung der Region bei. Auf dieses Ergebnis können wir stolz sein.“

Amtsdirektor Gunnar Bock ging noch einen Schritt weiter, als er betonte: „Gerade kleine Gemeinden können ihre Selbstständigkeit nur erhalten, wenn sie sinnvolle Wege der Zusammenarbeit finden.“ In Bocks Augen sei dies ein Erfolgsmodell, das gleichermaßen Mut und Vertrauen voraussetze. Und für die Wireg, die das Projekt gemeinsam mit Wirtschaftsförderung Rendsburg-Eckernförde begleitet hat und weiterhin begleiten wird, nannte Michael Otten das Interkommunale Gewerbegebiet eine Idee „mit strategischer Weitsicht“. Otten: „Es ist mit Risiken verbunden. Aber das Risiko wäre noch größer gewesen, wenn Sie es nicht gemacht hätten.“ Otten beurteilte den Zeitpunkt der Gründung als ideal, da das Zinsumfeld stimme und er weiterhin eine wachsende Wirtschaft erwarte.

Und die elf Kommunen sind offenbar aus Überzeugung dabei. Helmut Andresen, Bürgermeister in Grödersby, hielt den Schritt schlicht für notwendig, „weil wir auf unserem Gemeindegebiet einfach keine Entwicklungsmöglichkeit mehr haben“. Und: „Es geht ja nicht nur darum, Betrieben etwas zu bieten, sondern auch der Bevölkerung in Form von Arbeitsplätzen.“ Und der Winnemarker Bürgermeister Wilhelm Fülling erinnerte sich an einen gescheiterten Versuch seiner Gemeinde, Ende der 90er-Jahre ein Gewerbegebiet auf die Beine zu stellen. „Jetzt haben wir eine realistische Chance, als kleine Gemeinde mitzuwirken“, sagte er. Was er übrigens auch getan hätte, würde das Gewerbegebiet auf Angelner Seite liegen. „Dass es auf unserer Seite liegt, ist nur ein zusätzliches Bonbon.“

Aber eines, das schon jetzt ankommt. Ulrich Bendlin von der Kappelner Verwaltung berichtete bereits zu diesem frühen Zeitpunkt von konkreten Anfragen aus der Region. Durchschnittlich habe er jährlich 5000 Quadratmeter Gewerbefläche verkauft – eine Zahl, die er halten will. „Und eigentlich“, sagte Bendlin weiter, „hätte ich schon für 2018 Grundstücke verkaufen können.“

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