Open Ship in Eckernförde : „Elbe 1“ und erfüllte Lebensträume

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Ganz oben im Leuchtturm in 15 Metern Höhe: Die Prismenlinse wurde früher von einer 1500-Watt-Birne bestrahlt. Jens Walther ist Bootsmann auf der „Elbe 1“. Fotos: Kühl
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Ganz oben im Leuchtturm in 15 Metern Höhe: Die Prismenlinse wurde früher von einer 1500-Watt-Birne bestrahlt. Jens Walther ist Bootsmann auf der „Elbe 1“. Fotos: Kühl

„Open ship“ auf dem größten deutschen Feuerschiff von einst – Crew hält das Museumsschiff mit viel Herzblut am Leben.

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10. Juli 2019, 17:08 Uhr

Eckernförde | Der Star ist das Schiff, die feuerrote „Elbe 1“, die von 1948 bis 1988 als größtes und äußerstes der drei Feuerschiffe in der Elbmündung allen einlaufenden Schiffen 20 Seemeilen vor der Elbmündung den Weg Richtung Hamburg gewiesen hat. 57,30 Meter lang, 9,55 Meter breit, 4,72 Meter Tiefgang, 1000 Tonnen schwer. Mittlerweile ein Museumsschiff im Besitz der Stadt Cuxhaven und betrieben vom „Förderverein Schifffahrtsgeschichte Cuxhaven - Feuerschiff Elbe 1“.

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Aber eines, das tip-top in Schuss , zwischen Mai und Oktober ständig unterwegs ist und von seiner Mannschaft geliebt wird. Am Dienstagabend hatte die „Elbe 1“ von Warnemünde kommend auf dem Weg zum „Dampfrundum“ in Flensburg im Eckernförder Hafen festgemacht. Gestern ließ die Crew die Gangway für interessierte Besucher herunter – „open ship“ auf der „Elbe 1“, ein Angebot, das viele Besucher nutzten. Von 10 bis 11.50 Uhr wurden 173 Besucher gezählt. Viele weitere kamen nachmittags, heute geht’s nach Flensburg.

Kapitän Ralph Streller in Eckernförde: „Schön hier“.
Kapitän Ralph Streller in Eckernförde: „Schön hier“.
 
Vereinsvorsitzender Hermann Lohse in der Offiziersmesse, die etwa 20 Mal im Jahr auch als Trauzimmer genutzt wird.
Vereinsvorsitzender Hermann Lohse in der Offiziersmesse, die etwa 20 Mal im Jahr auch als Trauzimmer genutzt wird.

Wenn das Schiff der Star ist, sind die 16 Besatzungsmitglieder zumindest „co-starring“, wie es früher in den Filmabspannen immer so schön hieß. Oft knorrige, aber umso interessantere Seeleute aus Leidenschaft, die die „Elbe 1“ hegen und pflegen und es als Ehrensache ansehen, mit ihr Ost- und Nordsee zu befahren. Freiwillig und ehrenamtlich vom Vereinsvorsitzenden Hermann Lohse (75) bis hin zum Kapitän des „fahrenden Leuchtturms“, Ralph Streller (53). Fast alle sind bereits im Ruhestand, der Kapitän arbeitet noch beim Wasser- und Schifffahrtsamt Cuxhaven. Ursprünglich kommt er aus den USA – aus den „unteren sächsischen Abschnitten“, wie er hinterher schiebt. So sind sie an Bord: Erfahrene Seemänner mit viel Salz im Blut, trockenem Humor und intakter Kameradschaft.

Jens Walther spleißt ein Auge in das Festmachertau ein, Hermann Lohse (l.), Bernd Klabunde (r.) und Familie Lammers aus Hilter bei Osnabrück mit Cara und Jenna schauen zu.

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Sein Landsmann Jens Walther (54) kommt aus Coswig bei Dresden. Hochseefischer in der DDR – Kabeljau, Seelachs, Heilbutt in der Barentssee, Kalmare vor Uruguay, er kam rum, selbst zu DDR-Zeiten. Bis 1989. Dann war Schluss. Umschulung und schließlich selbstständiger Netzemacher für Sportvereine. „Ich wollte die Beschleunigung und den Stress aus meinem Leben raushaben“, sagt Walther und heuerte als Bootsmann auf der „Elbe 1“ an. Wieder in der Seefahrt, für den Sachsen die „Erfüllung eines Lebenstraums“, der ihn auch ernährt: Jens Walther und ein weiterer Maschinenschlosser sind die einzigen hauptamtlichen Crewmitglieder.

Unten im Maschinenraum ist Klaus Polley Herr über die Kolben und Ventile. 31 Jahre zur See gefahren auf Fangfabrikschiffen, Salz im Blut, 14 Jahre bei der Tanker-Reederei Carl Büttner, seit November 2016 im Ruhestand. „Ich kann nicht auf der Terrasse sitzen und dem Rasen beim Wachsen zusehen.“ Er schraubt lieber und repariert gerissene Einlassventile und Kolben der 8-Zylinder-MAN-MTU-Maschine mit 650 PS. Der älteste Schlosser an Bord ist Heinz Peters, 85, „mit jeder Schraube per Du“, sagt Polley anerkennend.

Die „6-Sterne-Kombüse“: Hier bereiten Bernd Kummer und Jürgen Wüsthoff (vorn) das Mittagessen vor.
Die „6-Sterne-Kombüse“: Hier bereiten Bernd Kummer und Jürgen Wüsthoff (vorn) das Mittagessen vor.
 

Viel hält er auch von der Kombüse, „die hat 6 Sterne“. Das Sterne-Menü gestern Mittag: Gulasch mit Nudeln und Kartoffeln, Bohnensalat und Vanillepudding mit Schoko-Streuseln. Zubereitet vom Ex-Lkw-Fahrer Bernd Kummer aus Potsdam und Bundesbahnbeamten a.D. Jürgen Wüsthoff aus Essen, die inzwischen in Cuxhaven, dem Heimathafen der „Elbe 1“, ihren Ruhestand genießen.

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Bei Flaggen kennt Eberhard Hewicker (rechts) sich bestens aus. Es gibt sogar ein Flaggen-Alphabet, dass alle Seeleute kennen. Die bekannteste Flagge ist der "Blaue Peter": Wird die gehisst, müssen die Gäste zurück an Bord, das Schiff legt innerhalb der nächsten 24 Stunden ab. Urlauber Holger Pegelow (l.) aus Holm im Kreis Wedel muss das Alphabet als Segler nicht kennen, die Berufs-Seeleute schon.




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