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Eckernförder Zeitung

19. Oktober 2017 | 11:23 Uhr

Eklat: Beirat lehnt Sky-Kinoprojekt ab

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gestaltungsbeirat spricht sich für eine Kino-Planung am Bahnhof aus und rät zur langfristigen städtebaulichen Aufwertung der Gartenstraße

von
erstellt am 23.Feb.2017 | 06:09 Uhr

Eckernförde | „Wir können dem ganzen Projekt nicht folgen!“ Mit diesen Worten nagelte der Vorsitzende des Planungs- und Gestaltungsbeirats der Stadt Eckernförde, der Lübecker Architekt Helmut Riemann, das Kino-Projekt auf dem Sky-Markt in der Gartenstraße an die Wand. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie Ihrer Heimatstadt diese Fassade gegenüber dem Rathaus antun wollen“, griff Riemann die Planung seines Architektenkollegen Stefan Rimpf aus Eckernförde direkt an. „Wir wollen das Kino nicht verhindern, glauben aber, dass ein Kinostandort in Bahnhofsnähe besser für Eckernförde ist.“ Der Beirat habe auch nichts gegen den Sky-Markt, versicherte Riemann, er könne sich dort aber statt eines Kinos eine Wohnbebauung besser vorstellen, um die Innenstadt zu beleben. Es sollte auch kein Haus an der Reeperbahn abgerissen werden, stattdessen sollte man die vier Wohnhäuser besser freistellen und zur Geltung bringen. Riemann empfahl der Politik, ein langfristig angelegtes städtebauliches Gutachten auf den Weg zu bringen, in dem vier oder fünf Büros vor allem die unansehnliche und ungeordnete rückwärtige Fläche, aber auch die Gesamtfläche zwischen Rathaus und Amtsgericht gestalterisch aufwerten. Er stelle sich auch die Frage, ob der Parkplatz in der Gartenstraße „an dieser Stelle sein muss“, sagte Riemann. Am Bahnhof, wo derzeit ein neuer Bebauungsplan aufgestellt wird, könnte die Planung für einen Kino-Neubau unabhängig von den offenbar laufenden Grundstücksverhandlungen mit der Bahn vorangetrieben werden und „wesentlich schneller realisiert werden als das Projekt Gartenstraße“, sagte er zur allgemeinen Überraschung.

Zuvor hatten Coop-Geschäftsführer Dierk Berner und Architekt Stefan Rimpf auf kurzfristige Einladung – die Vorstellung ist erst für den Bauausschuss am 22. März geplant –, dem Beirat das geplanten Projekt mit dem Neubau aus Sky-Verbrauchermarkt mit aufgesetzter Kino-Etage erläutert: neuer Markt, Tiefgarage, sechs Kinosäle mit 650 Plätzen, Zufahrt nicht mehr im engen Bogen über die Gartenstraße, sondern direkt von der Reeperbahn über eine neue Zufahrt, die durch den Abriss eines der vier Wohnhäuser entsteht. In groben Zügen waren die Pläne bereits bekannt, sie sind nur noch einmal mit dem Bauamt abgeglichen und an einigen Punkten verändert worden. Am 1. Februar hatten Bürgermeister Jörg Sibbel, der gestern nicht anwesend war, und Bauamtsleiter Roy Köppen mit Dierk Berner und Stefan Rimpf alles besprochen. Berner hatte in dem Gespräch erklärt, dass nun auch der größere Fusionspartner Rewe seine Zusage zur Projektentwicklung gegeben habe, zur Bekräftigung der Realisierung hatte Coop dann, wie von der Stadt gewünscht, umgehend die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans eingereicht. Der Bürgermeister sprach von „positiven Signalen“ (EZ v. 7. Februar: „’Hoffnungsschimmer’ für das Projekt Sky-Kino“).

Es deutete somit alles auf eine Realisierung des allseits gewünschten Kinoprojekts hin. Bis gestern Abend. Die Planung kann natürlich immer noch umgesetzt werden, weil der Gestaltungsbeirat nur eine beratende Funktion für die Politik hat. Die Entscheidung fällen nicht Helmut Riemann, Fredo Wiescholek, Teja Trüper und Rainer Steffens, sondern die Ratsversammlung. Wie dort die Meinungsbildung ausfällt, bleibt abzuwarten.

Architekt Rimpf und Coop-Geschäftsführer Berner waren fassungslos. Rimpf verteidigte vehement seine Planung. Seitens der Politik unterstützte ihn an diesem Abend Georg Bicker (CDU): „Das kann nicht die Lösung sein“, sagte er zum Kinostandort Bahnhof. Dort werde großräumig geplant, ein Kino werde da nur unter ferner liefen geführt, die vorgestellte Studie sei „sehr nebulös. Bevor dort überhaupt ein Investor kommt, muss die Stadt mit 5 bis 10 Millionen Euro in Vorleistung treten, man habe weder einen Kino-Investor noch einen Betreiber. „Sky ist die einzige Möglichkeit, alles andere ist finanziell und politisch nicht darstellbar. Sie liegen völlig falsch und arbeiten gegen die Interessen der Bürger“, warf Bicker dem Gestaltungsbeirat vor.

 

Kommentar:

Freigeister ohne Bodenhaftung

Zum Votum des Gestaltungsbeirats von Gernot Kühl

Kaum zu glauben, was der Vorsitzende des Planungs- und Gestaltungsbeirats, Helmut Riemann, und seine drei Kollegen gestern Abend zu Protokoll gaben. Sie haben vollkommen unbekümmert das von allen heiß ersehnte Sky-Kinoprojekt in der Gartenstraße zum Abschuss durch die Politik freigegeben. Ein Eklat. Als hätte es die unerträgliche Standortdiskussion in den vergangenen fünf Jahren nicht gegeben. Mehr Ignoranz geht kaum.

Den Eckernfördern zu sagen, dass sie schmuddelige Ecken haben, auch im Hinterhof der Kieler Straße, ist eine Binsenweisheit und nicht neu. Dort für eine Aufwertung zu sorgen, ist selbstverständlich und hätte schon längst in Angriff genommen werden können. Ausgerechnet dort, wo endlich eine Lösung der Kino-Krise zum Greifen nahe ist, mit  langfristigen Stadtentwicklungsphantasien zu kommen, wirkt wie ein Schlag ins Gesicht.

Sicher, die  Planer und Gestalter sind frei in ihren Gedanken und beraten nur, wie sie immer wieder betonen. Eine komfortable, privilegierte Stellung ohne Entscheidungsdruck. Der Beirat  verkennt die politische Realität in Eckernförde, die seit geraumer Zeit auf gegenseitige Blockade ausgerichtet ist. Auf eine schnelle Umsetzung von Kinoplänen auf dem Bahnhofsparkplatz zu setzen, der  als kostenfreier Parkraum nach dem Abriss der Parkpalette Aldi noch an Bedeutung gewinnen wird, ist derzeit ebenso naiv wie unrealistisch.

Die Ratsversammlung ist gefordert, die richtige Entscheidung zu treffen.

 

 

 

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