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Zeitreise : Eiszeit-Kunst auf dem Mammutknochen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Geotanium in Schönhagen startet mit neuen Angeboten für Touristen und Schülergruppen / Ostersonntag Auftaktveranstaltung

Brodersby | Mammut, Nashorn und Bison sind in Schleswig-Holstein lange ausgestorben. Mit viel Glück finden Hobby-Fossiliensammler aber noch heute Fundstücke der riesen Urzeittiere in Kiesgruben oder selten sogar am Strand. Einfacher ist ein Besuch im Geotanium, dem „Museum zum Anfassen“ in Schönhagen. Rund 100  000 Jahre alt sind die Knochenfunde, an Hand derer Holger Tüxen (62) dort am Ostersonntag, 16. April, 14 Uhr die neue Saison startet.

Vor einem Jahr öffnete die Anlage unter Leitung von Johannes Jannsen und Holger Tüxen. Nun startet das Team mit einem erweiterten Programm ins neue Jahr. Den Auftakt macht ein Mitmach-Angebot unter dem Titel „Eiszeit-Kunst“. Tüxen, der seit seiner Kindheit von Fossilien fasziniert ist, möchte bis zu 20 Teilnehmern die Eiszeitmenschen vorstellen. Wer waren die Menschen vor 30  000 Jahren? „Sie waren nicht nur Jäger mit Keule und Speer, sie waren auch künstlerisch aktiv“, sagt Tüxen, der aus Angeln stammt. So fand man nicht nur Malereien der Urzeitmenschen in Höhlen, sondern auch auf Knochenfunden. Und so werden die Teilnehmer mit spitzen Flintsteinsticheln (handgefertigtes Steinwerkzeug) auf Zigtausend Jahre alten Originalknochenstücken, wie die Eiszeitmenschen, Bilder erstellen, auf Wunsch auch farbige. Während die Teilnehmer arbeiten und Farbe durch Abrieb von farbigen Steinen erstellen, wird Tüxen über die lang vergangene Zeit berichten. Er bezeichnet sich selber als Geschiebesammler, der inzwischen eine sehr umfangreiche Privatsammlung (150 Regalmeter) aufgebaut hat. Auch sie ist nach Vereinbarung zu besichtigen. Dort ist auch ein rund 100  000 Jahre alter Mammut-Unterhüftknochen von fast einem Meter Länge zu bestaunen.

Die letzten Mammuts starben vermutlich erst vor 4000 Jahren auf der Wrangelinsel (Arktischer Ozean, westlich Alaska) aus. „Fast hätten die Mammuts überlebt“, stellt Tüxen fest. In Schleswig-Holstein starben Wollhaarmammut und Wollhaarnashorn vermutlich vor 20 bis 10  000 Jahren aus. Sie folgten aus Westen kommend dem abschmelzenden Gleschtereis, das Schleswig-Holstein tausende von Jahren mächtig überdeckte. Während zwischenzeitlichen Wärmeperioden zog sich das Eis weiter nach Osten zurück. Die Tiere folgten. Belegt sind diese Vorkommen durch einzelne Funde von Backenzähnen und eines Nashorn-Skeletts beim Bau des Nord-Ostsee-Kanals.

Bereits vor Saisonstart hat eine 5. Klasse aus Pinneberg Zutritt in die moderne Museumshalle erhalten. Geologe Jannsen weist sie in die Kunst des Bernsteinschleifens ein. „Das finden die Kinder total spannend. Am Strand suchten sie aber vergeblich nach Bernstein“, berichtet Klassenlehrer Jörg Stolzenberg. Seine Schule unternehme oft Klassenfahrten nach Schönhagen. Der Besuch im Geotanium, früher in Damp am Hafen, heute direkt am Strand von Schönhagen, gehört zum Programm.

In diesem Jahr rechnet Jannsen mit 30 Schulklassen, die sich die Ausstellung zum Anfassen und die Mitmachaktionen besuchen. So bieten sie neben Bernsteinbearbeitung, eine Fossilienwerkstatt, Edelsteinkunde und Gesteinskunde am Strand an. Beliebt ist auch die Edelsteinsuche einschließlich des Schürfens in einer Wasserwanne. In der Saison werden geologische Wanderungen zum Strand angeboten, bei denen die Gesteine der Ostsee vorgestellt werden und es spannendes Wissen zur Entstehung der Schönhagener Steilküste gibt. Außerdem gibt es Kescherkurse. Für das Museum wird ein Eintritt verlangt und besondere Mitmachaktionen, wie auch die Eiszeit-Kunst, kosten eine Gebühr.

Wer besondere Strandfunde hat, findet dazu Infos im Geotanium. Von April bis Juni ist Mittwoch und Sonntag von 13 bis 17 Uhr geöffnet. In der Hauptsaison in Juli und August ist täglich von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Gruppen können Termine vereinbaren. Infos unter Tel. 04346/60  29  02, Tel. 0174/41  70  87  5 beziehungsweise für die Eiszeit-Kunst bei Holger Tüxen unter Tel. 04632/553.

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erstellt am 05.Apr.2017 | 06:40 Uhr

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