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Eckernförder Zeitung

12. Dezember 2017 | 19:27 Uhr

Minusgrade : Eiszeit: Ausgehverbot für Tapire

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Winter im Tierpark Gettorf: Alpakas machen die Minusgrade nichts aus, Erdmännchen bevorzugen die Wärme, Präriehunde halten Winterschlaf.

shz.de von
erstellt am 19.Jan.2016 | 06:00 Uhr

Gettorf | Schal um, Mütze auf und Handschuhe an – jetzt sind sie endlich da, die winterlichen Temperaturen. Aber wie geht es den Tieren im Zoo? Im Tierpark Gettorf weiß Tierpfleger Lars Helms genau, was für welche Tierart bei Graden unter Null wichtig ist.

„Wir haben viele Tiere, denen die Temperaturen nichts ausmachen“, berichtet Helms. Die Alpakas zum Beispiel sind durch ihre dicke Wolle geschützt, und auch die Trampeltiere, die aus Zentralasien nahe der Wüste Gobi kommen, sind unkompliziert. Es stimme ja nicht, dass es in der Wüste immer warm ist, erklärt der Tierpfleger. In der Nacht sei es oft drastisch kalt, so dass Tiere aus dieser Region extreme Witterungswechsel gewöhnt sind. „Sie sind durchaus winterfest“, sagt Helms. Nur wenn sie nass werden, und es anschließend friert, werde es gefährlich.

Ebenfalls ein gutes Kälteempfinden haben die sieben Nasenbären des Tierparks. Sie entscheiden allein, wann sie sich in ihr beheiztes Haus zurückziehen. Zurückgezogen haben sich auch die Flamingos. Der kleine See der stolzen Vögel ist gefroren. „Das ist nur deshalb ein Problem, weil sie darauf ausrutschen können“, so Helms. Das Futter, das die Tiere sonst aus dem Wasser filtrieren, wird jetzt frostfrei in ihrem Stall gefüttert. Im Afrika-Gehege haben gerade die Zebras Ausgang. Sie werden mit ihren Mitbewohnern, den Elenantilopen und Zwergzebus, alle zwei bis drei Stunden im Wechsel an die Luft gelassen. Das geht gut, solange es kein Glatteis gibt. Besonders für die Antilopen sei ein Ausrutschen gefährlich. Falls das Streuen mit Sand nicht hilft, heißt es daher: Stubenarrest.

Die Berberaffen aus Nordafrika können den Winter gut ab. „Sie spielen auch gern mal im Schnee, wenn es denn mal schneit“, berichtet Lars Helms. Und wenn es ihnen doch einmal zu kalt wird, kuscheln sie sich eng aneinander und wärmen sich die Finger und die Füße: „Dann sieht man nur eine große Fellkugel“. In den Freigehegen müsse man bei Temperaturen um den Gefrierpunkt besonders darauf achten, dass das Wasser nicht friert. Auch gibt es das Futter in mehreren und kleineren Rationen als sonst. „Auch Obst und Gemüse friert sonst schnell mal ein“, erklärt der Experte.

Die drei Schimpansen des Tierparks – Chico, Nicki und Bibi – haben sich in den großen beheizten Innenbereich ihres Geheges verzogen. Aber sie haben tagsüber zu jeder Zeit die Möglichkeit, ihr Revier zu kontrollieren. „Streife gehen“ nennt Helms die regelmäßigen Runden. Gar nicht gut findet der Schopfmangabe die Temperaturen. Er sei mit seinen 30 Jahren der Rentner bei den Affen und sitze lieber „drinnen vor der Heizung“, berichtet der Tierpfleger.

Vorsicht ist bei den Lemuren geboten: Sowohl die Kattas als auch die roten Varis haben kein echtes Kälteempfinden. Da kann es besonders für die Schwanzspitzen oder die Extremitäten gefährlich werden, wenn die Tiere bei Minusgraden draußen sitzen. Das große Außengehege ist daher von Oktober bis zirka April für die Lemuren geschlossen. So können sich auch die Weiden ein wenig erholen, erklärt Helms weiter.

Bei Temperaturen unter Null haben auch die Tapire Ausgehverbot. Obwohl man das gar nicht so genau an den Temperaturen festmachen könne, erzählt Helms, es komme immer darauf an, wie das Wetter dabei ist.

Seit rund acht Monaten leben drei Erdmännchen im Tierpark Gettorf. Das Weibchen wird voraussichtlich im Sommer geschlechtsreif sein, dann hofft die Belegschaft auf zahlreichen Nachwuchs. Ein kleiner Ausgang führt in ein Gehege, das auf den ersten Blick nicht besonders groß wirkt. Aber es ist mit einem Tunnel mit einem weiteren Auslauf und vielen kontrollierten Buddelmöglichkeiten verbunden. Bei den winterlichen Temperaturen suchen die Erdmännchen, die in Afrika beheimatet sind, die Sonne und räkeln sich unter ihrem „Solarium“ in der Halle. „Aber nicht immer“, verrät Tierpfleger Helms. Oft überwiege bei den kleinen Raubtieren die Neugier. „Dann laufen sie auch schon mal raus in den Schnee. Aber nur kurz und dann zurück in die Sonne zum Aufwärmen“.

Auch das gibt es im Tierpark: Ein kleines Gehege wirkt völlig verlassen. Im Sommer tummeln sich hier die Präriehunde, die aufgrund ihres Verhaltens gern mit den Erdmännchen verwechselt werden. Aber die etwas pummeligen Nagetiere kommen aus Nordamerika und nehmen sich daher im Winter eine komplette Auszeit: Sie halten Winterschlaf. Abhängig von den Temperaturen im Herbst gucken sie meist im November schon etwas verschlafen aus ihren Erdlöchern. Mitte Dezember herrscht dann endgültig Ruhe im Gehege. Und wann kehrt hier wieder Leben ein? Helms lacht: „Auch das hängt von den Temperaturen ab: Meistens sind im März die ersten Nasen wieder zu sehen.“
>Für Besucher gibt es auch bei kalten Temperaturen jede Menge zu entdecken und erfahren:Tierpark Gettorf, Süderstr. 33, Gettorf. Tel: 04346 / 4160-0. Mail: info@tierparkgettorf.de. www.tierpark-gettorf.de

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