Dienstags-Interview : Einzelhandel fehlt es an Unterstützung

Zwei Generationen ziehen an einem Strang: Inhaber Jens Methmann (r.) und sein Vater Georg in „Methmanns Mittagstisch“.
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Zwei Generationen ziehen an einem Strang: Inhaber Jens Methmann (r.) und sein Vater Georg in „Methmanns Mittagstisch“.

Gastronom Jens Methmann äußert sich im neuen „Dienstags-Interview“ zu den Problemen der Innenstadtkaufleute

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09. Januar 2018, 06:00 Uhr

Eckernförde | Liebe Leserinnen und Leser, ab sofort finden Sie in unseren Dienstagausgaben Interviews zu den unterschiedlichsten Themen. Den Anfang macht heute der Eckernförder Gastronom Jens Methmann aus dem Eckgebäude Frau-Clara-Straße 2 / Ottestraße. Der 56-Jährige führt den Familienbetrieb bereits in vierter Generation. 1998 hat er „Methmanns Mittagstisch“, in dem man auch frühstücken kann, von seinen Eltern Monika und Georg Methmann übernommen. Das Haus ist seit 1910 in Familienbesitz. Urgroßmutter Helene Methmann gründete dort einen Gemischtwarenhandel, ihr Sohn Hans erweiterte ihn zu einem Kolonialwarenhandel, bevor Monika und Georg Methmann das Geschäft im Jahr 1960 übernahmen und bis 1983 einen florierenden Delikatessenhandel betrieben. 1976 gingen zur Einweihung der Fußgängerzone an einem Wochenende 600 Hummer über den Tresen. 1978 wurden dann parallel täglich ein bis zwei Mittagsgerichte gekocht und mit großer Resonanz an Anwohner und Berufstätige in der Innenstadt verkauft. Als die Nachfrage stetig wuchs, konzentrierten sich die Methmanns darauf – ein Geschäftsmodell, das bis heute funktioniert. Monika und Georg Methmann stehen bis heute hinter dem Tresen und unterstützen ihren Sohn Jens, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Geschäftsjubiläum feiern kann. Von entscheidender Bedeutung ist für ihn die gute Erreichbarkeit der Innenstadt, eine ausreichende Zahl von Parkplätzen und eine weitere Attraktivitätssteigerung durch Schlecht-Wetter-Angebote.

Herr Methmann, Sie sind als Gastronom eines traditionsreichen Hauses seit vielen Jahren mit der Entwicklung in der Innenstadt vertraut. Wie beurteilen Sie die Situation des Einzelhandels in der Innenstadt?

Jens Methmann: Meiner Meinung nach wird die Situation für die Einzelhändler in Eckernförde immer schwieriger, besonders für die Inhaber-geführten Geschäfte, die anders als große Filialisten Verluste nicht so leicht ausgleichen können.

Wo liegen denn die Ursachen für die Entwicklung?

Immer mehr Eckernförder nutzen die kostenfreien Parkplätze zum Beispiel in Eckernförde-Süd, die dort in großer Zahl angeboten werden, um ihre gesamten Einkäufe dort zu erledigen. Zudem spürt man sehr deutlich das Fehlen des Aldi-Markts in der Innenstadt als Frequenzbringer, dadurch wandern noch mehr Gäste und Kunden in die Randbezirke ab. In den vergangenen Jahren sind mit Aldi und Markant zwei große Lebensmittelhändler aus der Innenstadt verschwunden, und nun verschwinden auch noch innenstadtnahe, kostenfreie Parkplätze. Das steigert nicht gerade den Reiz, die Innenstadt zum Einkaufen zu besuchen.

Außerdem fehlen in Eckernförde eindeutig Freizeitangebote, die auch bei schlechtem Wetter nutzbar sind. Dadurch wandern die Touristen in andere Städte und geben dort auch ihr Tagesbudget aus. Um dem entgegenzusteuern, braucht Eckernförde dringend ein Kino, eine Bowlingbahn und ein Indoor-Center, mit denen man die Attraktivität in Eckernförde gerade auch bei schlechtem Wettern steigern würde.
Der Internethandel kann Ihnen als Gastronom im Unterschied zu Ihren Kollegen aus dem Einzelhandel in der Innenstadt ja nichts anhaben. Eigentlich müssten Sie doch von der Attraktivitätssteigerung in der Innenstadt und dem gelungenen Ausbau der Frau-Clara-Straße profitieren. Wo liegt denn der Hase im Pfeffer?

Die Frau-Clara-Straße hat nach dem Ausbau deutlich gewonnen. Sie ist eine attraktive Straße mit einem gutem Mix aus schönen Geschäften geworden. Der immer mehr zunehmende Internethandel betrifft mich allerdings indirekt auch. Kunden, die nicht vor Ort einkaufen, kommen auch nicht zum Essen.

Wenn etwas nicht mehr so gut läuft, sollte man auch sein eigenes Geschäftsmodell kritisch hinterfragen. Halten Sie Ihres mit dem traditionellen Mittagstischs noch für zeitgemäß und zukunftsfähig?

Auf jeden Fall. In anderen Städten entstehen gerade jetzt viele gastronomische Angebote für den eiligen Gast mit dem großen oder kleinen Hunger. Allerdings hat sich die Speisekarte im Laufe der Zeit verändert. Es werden weniger deftige und reichhaltige Gerichte gegessen, sondern eher leichte Speisen, auch gerne Suppen. Auch ich habe mein Angebot verändert, indem ich Gerichte in zwei verschiedenen Portionsgrößen und wechselnde Gerichte auch unter 5 Euro anbiete.

Fühlen Sie sich mit Ihren Anliegen und Problemen bei der Eckernförder Kommunalpolitik gut aufgehoben? Haben Sie das Gefühl, dass die Ratsfraktionen Ihre und die Sorgen des Einzelhandels ernst nehmen und an einer zukunftsfähigen Lösung arbeiten?
Ein Teil der Kommunalpolitiker hat die Problematik zum Beispiel der fehlenden Parkplätze erkannt. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass der Einzelhandel in der Innenstadt genügend Unterstützung erfährt. Warum wird das Aldi-Parkdeck mit kostenfreien Stellplätzen im Dezember zur Weihnachtszeit geschlossen? Das ist doch ein Schlag ins Gesicht für die Kaufleute in der Innenstadt.


In der Innenstadt fehlen nach dem aktuellen Parkraumkonzept der Stadt Eckernförde 848 Parkplätze. Eine gewaltige Zahl. Am gravierendsten sind die Verluste des Aldi-Parkdecks mit rund 240 kostenfreien Stellplätzen und der drohende Verlust von weiteren 300 kostenfreien Parkplätzen zwischen Schulweg und Bahnhof. Was halten Sie von den angedachten und politisch wohl auch mehrheitsfähigen Kompensationsmaßnahmen mit dem Bau von 600 Parkplätzen am Grünen Weg und 180 am 3. Gleis?
Der Bau dieser Parkplätze am Grünen Weg und am 3. Gleis ist unbedingt notwendig. Allein werden sie aber nicht ausreichen, um die fehlenden Stellplätze zu kompensieren. Es müssen zusätzlich kostenfreie, innenstadtnahe Parkplätze entstehen, um auch den älteren und gehbehinderten Menschen einen kurzen Weg in die Innenstadt zu ermöglichen. Für sie ist der Grüne Weg und das 3. Gleis nämlich eindeutig zu weit.

Von vielen Kunden habe ich über die jetzige Parkplatzsituation Unmutsäußerungen gehört. Da hört man Sätze wie: „Dann fahre ich eben nach Gettorf zum Einkaufen!“ Oder: „Wenn ich zum Wochenmarkt möchte, gehe ich doch vom Grünen Weg und zurück mit vollen Tüten oder Taschen, dann fahre ich eben nicht mehr so oft nach Eckernförde.“ Diese Äußerungen nehme ich durchaus ernst, und das sollten unsere Politiker auch tun.

Sehen Sie irgendwelche Standortalternativen für den Bau der Parkplätze?

Diese Standortalternative sehe ich nur auf dem Gebiet der geplanten Nooröffnung. Darüber sollte sich die Politik ernsthaft Gedanken machen. Der Platz dafür ist durchaus noch schaffbar. Eine mir bekannte Stadtplanerin hat gesagt, sie könne überhaupt nicht verstehen, dass dort nicht ein größerer Parkplatz mitgeplant wird. Das wäre überhaupt kein Problem, es müsse nur gewollt sein.
Wäre die Bebauung des Exers mit einer Hotelanlage gut für Eckernförde und die Innenstadt?
Nein, ein Hotel sollte dort auf gar keinen Fall entstehen. Nicht alle Freiflächen der Innenstadt müssen bebaut werden. Vor Jahren sprach man noch von einer Sichtachse Kieler Straße Süd – Ostsee, die entstehen sollte. Die jetzige strandnahe Parkfläche muss auf jeden Fall erhalten bleiben, für die Gäste der Stadthalle und die Strandbesucher, sonst fahren auch die noch woanders hin.


Wie bewerten Sie die Bebauungspläne am Bahnhof mit Wohnungen, Büros, einem Vollsortimenter und möglicherweise einem Kino?
Ich befürworte diese Pläne. Es steigert Eckernfördes Attraktivität und erhöht hoffentlich auch die Kundenfrequenz in der Innenstadt. Ein Kino-Standort wäre dort ideal, denn ein Kino gehört in eine zentrale Lage. Natürlich wäre ein Kino auf dem Sky-Markt in der Gartenstraße noch zentraler und besser zu erreichen mit Parkplätzen vor der Tür. Davon würden auch die Gaststätten und Restaurants in der Innenstadt profitieren.


Abschließend ein Blick in die Zukunft: Wie ließe sich Ihrer Meinung nach die Attraktivität der Innenstadt langfristig erhöhen?
Die Attraktivität der Innenstadt lässt sich durch kostenfreie, zentrale Parkplätze und ein verbessertes Freizeitangebot erhöhen. Die Politik sollte ein Gesamtkonzept entwickeln, in dem berücksichtigt wird, dass man in Eckernförde nicht nur leben kann, sondern auch parken muss. Auch der ruhende Verkehr gehört zu einer florierenden Innenstadt. Ich hoffe, dass sich die Kommunalpolitiker bei diesem wichtigen Thema zum Wohle Eckernfördes einigen können.

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