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Verzicht auf Vordächer und breite Markisen : Einzelhändler befürchten wirtschaftliche Verluste

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die politische Mehrheit ist derzeit für ein Verbot von Glas-Vordächern und breiten Markisen in der Fußgängerzone. Der Wirttschaftskreis kämpft für deren Akzeptanz.

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erstellt am 03.Mär.2016 | 06:06 Uhr

Eckernförde | Das Veto des Planungs- und Gestaltungsbeirats gegen den von der Ratsversammlung am 19. Mai 2015 einstimmig verabschiedeten Auslegungsbeschluss der neuen Ortsgestaltungsatzung mit gläsernen Vordächer bis 1,50 Meter Tiefe und durchgehenden Schaufensterüberdeckungen (Markisen / gläserne Vordächer) hat für politische Turbulenzen und große wirtschaftliche Sorgen bei den Einzelhändlern in der Kieler Straße gesorgt. Die Bedenken des Gestaltungsbeirats haben die politischen Mehrheiten verändert: SPD, Grüne, Bürger-Forum und Linke sind im Bauausschuss deren Vorschlägen gefolgt und haben gegen die Stimmen von CDU und SSW gläserne Vordächer in der gesamten Altstadt und somit auch in der Kieler Straße sowie durchgehende Schaufensterüberdeckungen für unzulässig erklärt, um den städtebaulichen Altstadtcharakter zu erhalten. CDU, SSW und die FDP, die im Ausschuss kein Stimmrecht hat, pochen hingegen aus wirtschaftlichen Erwägungen auf die Umsetzung der neuen Ortsgestaltungssatzung in der Ursprungsform und damit mit gläsernen Vordächern und durchgehenden Markisen.

Diese unterschiedlichen Vorstellungen prallten am Dienstagabend auch im Ausschuss für Wirtschaft und Finanzwesen aufeinander. Vorsitzender Ralph Krüger (CDU) hatte das Thema auf die Tagesordnung gesetzt, weil er es nicht nur aus städtebaulicher, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht beleuchten wollte. Die CDU hatte eigens einen Antrag eingebracht, um besagte Vordächer und Markisen entgegen der Empfehlung des Gestaltungsbeirats zu erlauben. Ergebnis: SPD, Grüne, Bürger-Forum und Linke hatten mit 7:4 Stimmen exakt die gleiche Mehrheit wie schon im Bauausschuss. Das letzte Wort hat jetzt die Ratsversammlung am 14. März.

Als Vertreter der Innenstadtkaufleute und des Wirtschaftskreises appellierte Malte Behrendt, Inhaber mehrerer Modehäuser in der Fußgängerzone, an die Ausschussmitglieder, nicht nur die städtebaulichen, sondern auch die wirtschaftlichen Aspekte zu berücksichtigen. Niemand habe etwas gegen den Erhalt wertvoller Bausubstanz, doch die Kieler Straße erfülle in erster Linie die Funktion Einzelhandel. „Das muss oberste Priorität haben“, sagte Behrendt. Für die Einzelhändler sei der Verzicht auf vergleichsweise kleine, gläserne Vordächer und durchgehende Beschattung durch Markisen „inakzeptabel“. Vordächer böten wichtigen Regenschutz und verhinderten ein Abwandern von Kunden in Einkaufszentren, und Markisen verhinderten, dass die Waren in der Sonne ausbleichen, damit „wertlos“ würden und für einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden sorgten, sagte Behrendt. „Das ist für uns sehr entscheidend, wir brauchen einen durchgehende Sonnenschutz.“ Er appellierte an die Politik, sich nicht allein nach den Hinweisen des Gestaltungsbeirats und der Städteplaner zu richten, sondern „das Funktionieren der Einkaufsstraße zu gewährleisten“.

Perdita Schaarschmidt (CDU) unterstrich Behrendts Aussagen. Sie verwies auf die einstimmige Entscheidung der Ratsversammlung sowie die Sitzungen und Abstimmungsgespräche auch mit dem Gestaltungsbeirat. „Was ist in dieser Zeit so anders geworden, warum jetzt die negative Beurteilung? Wie verlässlich ist die Politik?“, fragte Schaarschmidt. Karin Himstedt (CDU) forderte ebenfalls, beim alten Ratsbeschluss als ausgehandeltem Kompromiss zu bleiben. Man solle die Meinung des Gestaltungsbeirats zwar zur Kenntnis nehmen, müsse ihr aber nicht unbedingt folgen. Die Politik dürfe auch eine andere Meinung haben. Ebenso argumentierte Christoph Christiansen (SSW). Der Gestaltungsbeirat habe nur empfehlenden Charakter, man müsse ihm nicht zwangsläufig folgen. Da es keine neuen Fakten gebe, stehe der SSW nach wie vor zum Ratsbeschluss. Auch Susanne Molt (FDP) forderte, dass die „ästhetischen Aspekte“ in dieser Frage zurücktreten müssten.

Matthias Huber (Bürger-Forum) kritisierte die erneute Diskussion im Finanzausschuss. Er sah dadurch den von ihm geführten Bauausschuss ein wenig diskreditiert. Im übrigen gebe es Städte wie Flensburg, die auch ohne Vordächer und durchgehende Markisen attraktiv seien. Edgar Meyn (Grüne) wies auf die gewichtige Stellung des Gestaltungsbeirats hin, „den wir losschicken, um private Bauherren weichzuklopfen. Da stellt sich dann die Frage, wie wir selbst damit umgehen.“

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