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Schüleraustausch : Eintauchen in eine andere Welt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

14 Schüler des Altenholzer Gymnasiums besuchen ihre Partnerschule in Kiew

shz.de von
erstellt am 06.Apr.2017 | 08:35 Uhr

„Am beeindruckendsten ist es zu beobachten, wie die Schüler Land und Leute aufsaugen und dieses andere Leben bewusst wahrnehmen“, erklärt Henning Schröder, der mit seinen Schülern eine Woche in der Ukraine verbrachte.

Bei der Reise handelt es sich um einen Austausch zwischen Schülern des Altenholzer Gymnasiums und des Kiewer Gymnasium Nummer 59. Im letzten Sommer waren die ukrainischen Schüler zu Besuch und nun fand der Gegenbesuch an, auf den sich die Schüler im Rahmen einer Projektphase vorbereitet haben. Schon beim Besuch der Kiewer Schüler, sollten medial geprägte Verzerrungen abgebaut werden. „Selbstbilder, Fremdbilder, Medienbilder–Annäherungen zwischen friedlicher Tradition und aktueller Bedrohung lautet auch in diesem Jahr der Projekttitel, mit dem sich das Gymnasium bei der Stiftung West-Östliche Begegnungen beworben hat(wir berichteten).

Die Schüler waren in den Familien ihrer Partnerschüler untergebracht und Hennig Schröder und seine Kollegin Nadine Köhler kamen bei ihren ukrainischen Lehrerkollegen unter. „Das muss man sich mal vorstellen, die Ukrainische Kollegin lebt mit ihrem Mann und ihrer 19-jährigen Tochter in einer Zweizimmerwohnung“, so Schröder. Die Familie rückte zusammen , um ihrem Gast das Schlafzimmer zu überlassen. Man verstünde auf einen Schlag, in was für einem sicheren Land man selber lebe und wie priviligiert dieses Leben sei. „Wir leben hier in einer sicheren Luxusblase, ein Lehrer in der Ukraine verdient in etwas 200 Euro im Monat“, so Schröder, der bereits zum zweiten Mal mit seinen Schülern nach Kiew reiste. Für ihn steht der interkulturelle Lerneffekt im Vordergrund. Die Kinder des Altenholzer Gymnasiums sind zwar schon viel gereist und stammen aus bildungsbürgerlichen Familien, ein Besuch in der Ukraine sei aber eine ganz besondere Erfahrung. Das hätten ihm auch alle Schüler zurückgemeldet, erzählt Schröder.

Die Schüler hatten ein straffes Programm. Sie unternahmen Unterrichtsbesuche, machten einen Stadtrundgang, besuchten das Tschernobylmuseum und das Museum des Großen Vaterländischen Krieges. Ein großes Thema nahm der Euro Maisan ein. Die Schüler trafen sich mit Natalia Boikiv von der Selbsthilfegruppe der „Himmlischen Hundertschaft“, die ihren Ehemann durch die Schüsse auf dem Maisan im Februar 2014 verloren hat. Die Schüler lauschten gespannt den Schilderungen Boikivs und stellten Fragen.

Das Leben mit dem Krieg war ständig präsent, auch innerhalb der Familien wurde viel darüber gesprochen. „Die Schüler lauschten sehr gespannt, wenn ihre Partnerschüler vom Krieg berichteten und was das für sie und ihre Familien bedeutete. Sie hörten so gebannt zu, man hätte eine Stecknadel fallen hören“, so Schröder.

Des Weiteren konnten die Schüler in ihrer Projektarbeit zum Thema wechselseitige Wahrnehmungen „Selbstbilder, Fremdbilder, Medienbilder“ anknüpfen. Die Schüler tauchten ein in das Alltagsleben der Gastfamilie, verbrachten Zeit mit Gleichaltrigen, die ihnen zeigten, was man in seiner Freizeit in Kiew unternimmt.

Das geplante und zugesagte Treffen mit dem Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko wurden zum Bedauern der Schüler kurzfristig abgesagt. „Das wäre natürlich der optimale Selfie-Moment gewesen“, so Schröder.

Eine außerplanmäßige Begegnung mit einem mittlerweile 89-jährigen ehemaligen Zwangsarbeiter, der als 15-Jähriger nach Nazideutschland verschleppt wurde und auf einem Hof in Achterwehr abreiten musste, gehörte zu einem bewegenden Höhepunkt der Reise. „Leider konnten nicht alle Schüler den Erzählungen lauschen, aber die, die dabei waren, hörten gebannt zu“, so Schröder

Die letzten beiden Tage vor der Abreise, waren für das individuelle Programm mit den Gastfamilien vorbehalten. „Eigentlich war dafür nur ein Tag angedacht, aber die Schüler wollten unbedingt mehr Zeit mit ihren Gastfamilien verbringen und das wollten wir ihnen nicht nehmen“, so Schröder. Die Schüler waren untereinander noch näher gerückt, es gab keine Berührungsängeste. Für Schröder war der Austausch wieder ein voller Erfolg. „Die Kinder lernen einfach etwas kennen, was man weder über Medien noch über Schulbücher transportieren kann“, so Schröder.

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