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Wildunfälle : Einsatz zur „Geisterstunde“ auf der Bundesstraße 203

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Looser Jagdpächter Jürgen Sohrt versorgt Verkehrsfallwild an der B 203 / 13 tote Tiere im Jagdjahr 2015/16.

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erstellt am 03.Feb.2016 | 06:52 Uhr

Loose | Wenn andere schlafen, dann ruft bei Jürgen Sohrt in Loose die Polizei an. Besonders oft kommt das in der Stunde zwischen 23 und 0 Uhr vor, die Sohrt gerne als „Geisterstunde“ bezeichnet. Sohrt ist Jagdpächter im Revier Loose. Sein 330 Hektar großes Revier wird von der B 203 zerteilt. Und wenn es dort zu einem Unfall mit Wild kommt, dann meldet sich die Polizei bei ihm.

Seit gut 50 Jahren ist Sohrt Jagdpächter in Loose. Viele Jahre übte er die Aufgabe im Verbund mit weiteren Pächtern aus, seit 2015 ist er Alleinpächter. Besonders der Bereich der B 203 ab der Tankstelle in Loose bis zur Gemeindegrenze mit Holzdorf, sei sehr unfallträchtig, erklärt Sohrt. Im jetzt abgelaufenen Jagdjahr wurde er zu 13 Verkehrsfallwildeinsätzen gerufen. Darunter waren zehn Stück Damwild und drei Stück Rehwild. In den Vorjahren erwischte der Verkehr auch Wildschweine. Nicht gezählt werden durch den Straßenverkehr getötete Dachse und Füchse. Auch das seien eine ganze Reihe. Hauptunfallzeit ist natürlich die Brunftzeit der Tiere. So kommt es zwischen Mitte Oktober und Mitte November oft vor, dass er zwei, selten auch drei mal, am Tag an die Straße muss, um Fallwild zu versorgen, berichtet der passionierte Jäger.

Doch auch außerhalb der Brunftzeit kommen immer wieder Tiere durch den Verkehr zu Fall. Eine Ursache ist aus Sicht von Sohrt die zu hohe Geschwindigkeit des Verkehrs sowie die Nichtbeachtung der Hinweise auf Wildwechsel. Sohrt bedauert, dass der letzte Versuch der Gemeinde, auch zwischen Moorbrücke und Barkelsby ebenfalls ein Tempolimit von 80 zu erreichen, scheiterte (wir berichteten). Die Verkehrsbehörde hatte festgestellt, dass auf dem Straßenstück zu wenig Zufahrten seien, die ein Tempolimit rechtfertigten, hieß es in der Gemeindevertretung.

Die Unfallzahlen, besonders auf dem rund 2,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen Tankstelle und Moorbrücke zu reduzieren, scheiterten bislang, so Sohrt. Sie hatten über den Hegering große spezielle Brunft-Hinweis-Tafeln bekommen, die allerdings nach nur wenigen Jahren im Einsatz geklaut wurden. Vom Erfolg der durch die Kreisjägerschaft montierten blauen Reflektoren ist Sohrt auch nicht überzeugt, wie er sagt. „Die Tiere bewegen sich immer auf ihren angestammten Wegen und lassen sich nicht davon abbringen.“ Hinzukommt, dass die vorhandenen Hinweisschilder auf Wildwechsel nicht ausreichend beachtet werden. Besonders abends und nachts würden Autos und Motorräder über die B 203 rasen. Tempo 100 würde kaum einer einhalten, so seine Beobachtung.

Letztlich helfe nur den Fuß vom Gas zu nehmen, ergänzt Ehefrau Waltraud Sohrt. Nur so bekomme man als Fahrer etwas mehr Zeit, um auf Wild auf der Fahrbahn zu reagieren, berichtet sie aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung als Berufspendlerin. Verhindern könne man Zusammenstöße aber nicht grundsätzlich. Kommt nachts der Anruf von der Polizei, dann begleitet sie ihren Mann und die ausgebildete Hündin Tessa (13) oft bei der Suche nach dem Fallwild. Im Idealfall warteten die Unfallbeteiligten an der Unfallstelle. So könnte nach der Unfallbescheinigung für die Versicherung zielsicher die Nachsuche beginnen. Leider entfernten sich aber oft Fahrer vom Unfallort, und riefen dann später von ihrem Heimatort aus die Polizei an oder wüssten nicht, wo sich der Unfall ereignete. Dann gestaltet sich die Nachsuche schon mal sehr schwer, erklärt Sohrt. Eine Bescheinigung bekommen abwesende Verursacher von Sohrt nicht.

Die Zusammenarbeit mit den Jagdpächtern der benachbarten Reviere in Barkelsby und Holzdorf ist sehr gut, sagt Sohrt. Man springe für einander ein und setze Nachsuchen fort. Ihnen ist es sehr wichtig, die angefahrenen Tiere schnell von ihrem Leid zu erlösen.

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