Einkaufen und mitdenken – eine faire Sache

Fairtrade-Impulsgeber Joschka Knuth.
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Fairtrade-Impulsgeber Joschka Knuth.

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11. März 2014, 15:33 Uhr

„Selber Denken! Sieben Wochen ohne falsche Gewissheiten!“. Dieses Motto der jährlich stattfindenden Aktion der Evangelischen Kirchen zur Fastenzeit betrifft alle Bereiche unseres alltäglichen Lebens und hat zum Ziel, unser Leben bewusster zu gestalten. Dazu gehört auch, dass wir beim Kauf von Gütern des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel oder Kleidung unser Verhalten bewusster beobachten und hinterfragen.

Das Einkaufen ist immer stärker zu einer Routine des Alltags geworden, in der wir nur noch darauf bedacht sind, dass der Einkaufswagen mit einem möglichst geringen finanziellen Aufwand gefüllt werden soll. Die Jagd nach Sonderangeboten, die Suche nach Rabatten und Schnäppchen sind dabei unsere ständigen Begleiter. Diesen automatischen Mechanismus gilt es im Sinne des „Selberdenkens“ zu hinterfragen. Denn der Konsum vieler Produkte, also auch der damit verbundene Herstellungsprozess und der Handel haben weitreichendere Konsequenzen, als man sie sich meist vorstellen kann.

Nehmen wir als Beispiel die Produktion ein einfaches T-Shirts. Zunächst muss die Baumwolle angebaut und geerntet, dann gesponnen und gewebt werden. Der so entstandene Stoff wird in weiteren Schritten gefärbt, zugeschnitten und schließlich zu einem T-Shirt zusammengenäht. Erst jetzt wird das T-Shirt über verschiedene Groß- und Zwischenhändler zu den Filialen großer Ketten, den Discountern oder auch den kleinen Geschäften in unserer Innenstadt geliefert, von wo aus es in unsere Warenkörbe und unsere Kleiderschränke gelangt. An jedem Verarbeitungsschritt sind Menschen an den unterschiedlichsten Orten dieser Erde beteiligt. Sie alle müssen und sollen von dieser Arbeit leben. Die Arbeit soll sie und ihre Familien ernähren, den Kindern den Schulbesuch ermöglichen und unter menschenwürdigen Umständen geschehen.

Sieben Wochen ohne falsche Gewissheiten sind eine Gelegenheit, dieser Frage nachzugehen, das eigene Einkaufsverhalten zu hinterfragen und womöglich zu ändern. Denn es gibt die Möglichkeit, dass man anders als bei konventionell produzierten Produkten, bei denen man nur die Gewissheit hat, keine Gewissheit über die Herkunft und die Produktionsumstände zu haben, die Möglichkeit hat, Gewissheit über Entstehung und Herkunft von Produkten zu erlangen.

In Eckernförde widmen sich seit über 30 Jahren viele engagierte Bürger und Bürgerinnen aus allen Bereichen unserer Gesellschaft der Verbreitung des Gedankens des Fairen Handels. Seit nunmehr zwei Jahren erfährt dieses Engagement einen vermehrten Zuspruch und eine ganz neue Dimension. Eckernförde ist seit Oktober 2012 die 100. und die nördlichste „Fair Trade Town“ Deutschlands. In diesem Zuge bieten mittlerweile fast 40 Geschäfte und Gastronomiebetriebe in Eckernförde Produkte an, die aus nachweislich fairem Handel stammen.

Möglicherweise ist dies ja auch für Sie die Gelegenheit, für ihren nächsten Einkauf etwas mehr Denk-Zeit einzuplanen und zunächst ohne die Gewissheit, keine Gewissheit zu haben, einzukaufen, ehe Sie sich dann nach der Fastenzeit hoffentlich für 45 Wochen mit guten Gewissheiten entscheiden.

>Der 20-Jährige ist Initiator der Fairtrade-Bewegung in Eckernförde. Unter seiner Federführung haben sich viele Menschen und Institutionen für die Anerkennung als Fairtrade-Stadt engagiert, die am 20. Oktober 2012 erfolgte. Eckernförde ist die 100. und nördlichste Fairtrade-Stadt in Deutschland.

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