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Regionale Filmreihe im „Haus“ : Einfühlsam und authentisch: Doku-Filme aus der Region

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Filmemacher Kay Gerdes und Jess Hansen begleiten besondere Menschen mit der Kamera. Sie kommen ihnen besonders nah, ihnen gelingen authentische, anrührende Porträts. Im „Haus“ sprachen sie mit ihrem Publikum.

Eckernförde | Mit Begeisterung verfolgten die Zuschauer am Sonnabend im Kinosaal des „Haus“ den Film von Kay Gerdes und Jess Hansen „Ohne Netz und doppelten Boden – Circus auf Wanderschaft.“ Über eineinhalb Jahren haben die Filmemacher das Zirkusehepaar Barbara und Harry Hecker begleitet, die zu zweit mit ihrem Wanderzirkus quer durch Norddeutschland ziehen. In 73 Minuten wurde das Leben im Wohnwagen, der Auf- und Abbau des Zeltes, die Tierdressuren oder die Auftritte der „kleinsten Manege im Norden“ anschaulich dargestellt. Die offenherzige und fröhliche Art der beiden Jevenstedter Zirkuskünstler kam beim Kinopublikum hervorragend an.

Nach der Vorstellung gab es Gelegenheit zum Gespräch mit den beiden Filmemachern und den beiden lebensfrohen Hauptdarstellern. Statt Fragen gab es Lob: „Man hat nie eine Frage gehört und trotzdem das Gefühl gehabt, ständig im Gespräch zu sein und hat sehr viel erfahren“, stellte Monika Kannenberg aus Hollingstedt fest. Zur Fangemeinde gehörte auch Klaus Küsel aus Eckernförde: „Das Schönste war, dass Sie so viel gelacht haben und mit Herz dabei sind. Bewahren Sie es sich.“

Barbara Hecker sei zunächst gar nicht begeistert gewesen, ins Visier der Filmemacher geraten zu sein. „Doch die beiden waren so sympathisch und unaufdringlich, es war eine sehr lustige Zeit.“ Der Aufbau einer besonderen Beziehung, fehlende Zeitdruck und die Tatsache, dass Kay Gerdes und Jess Hansen nur zu zweit und ohne große Ausrüstung ans Werk gegangen sind, sei der Grund dafür, so authentisch drehen zu können. „Für uns ist es eine Liebhaberei – ein Stück Leben“, erklärte Jessen, der mit der Produktionsfirma „Joker Pictures“ Filme für den Norddeutschen Rundfunk macht. Beim NDR hätte er auch Gerdes kennengelernt, der dort als Cutter beschäftigt ist. Schnell seien die beiden sich einig gewesen, als Team in ihrer Freizeit aktiv zu werden. Vor acht Jahren drehten sie dann den ersten von bisher vier Filmen und betrachten es als „wunderbare Ergänzung zu ihrer hauptberuflichen Tätigkeit“. Dass ihre Filme keine Kassenschlager werden, lässt Gerdes und Hansen kalt. „Wir machen es, weil wir Lust dazu haben und müssen nicht davon leben“, so Gerdes. „Es gibt hier so viele gute Geschichten, da muss man nicht weit fahren.“ Und Fingerspitzengefühl müsse man haben. „Als wir den Film über die Fischer `Mal König, mal Bettelmann´ gemacht haben, haben wir einen Stammtisch im Ort besucht und die Kamera beim ersten Mal gar nicht erst ausgepackt. Das können wir natürlich nur machen, weil wir keinen Kameramann bezahlen müssen“, erklärte Gerdes. Wenn es dann ans Drehen gehe, bleibe alles, wie es ist: Keine Szene wird gestellt – kein Betrieb aufgehalten. Im Gegenteil: „Ich musste dem Fischer einmal helfen, die Heringe zu sortieren, weil er an dem Tag, als ich mit ihm auf dem Kutter unterwegs war, so viele gefangen hat“, berichtete der Regisseur. Bei den Arbeiten für den Film „Ein Schäfer auf Wanderschaft“, galt es ebenfalls mit anzupacken: „Wir haben die Schafe wieder zusammengetrieben, weil sie ausgebüchst waren“, erinnert sich Kameramann Jess Hansen. Für „Einem Jäger auf der Spur“ bekamen die beiden einen Dokumentarfilmpreis beim Kieler Fimfestival „Augenweide“.

Im neuen Projekt soll ein Bauernhof in Szene gesetzt werden, am besten ein Familienbetrieb mit Altenteil. Über Hinweise freut sich Gerdes unter Telefon 0175/2106788 oder per Mail KayGerdes@freenet.de. Dort können auch die vier Filme für jeweils 12 Euro erworben werden. Den „Circus auf Wanderschaft“ gibt es außerdem unter www.circus-hecker.de, bei den Vorstellungen oder als weitere Vorstellung in der Rendsburger „Schauburg“ am kommenden Sonntag um 10.45 Uhr.



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erstellt am 17.Feb.2014 | 06:00 Uhr

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