Konzert : „Einfach mal weg, raus“

Abschied: Kay Kankowski kehrt Eckernförde den Rücken und reist für längere Zeit nach England und in die USA.
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Abschied: Kay Kankowski kehrt Eckernförde den Rücken und reist für längere Zeit nach England und in die USA.

Der Musiker Kay Kankowski nimmt sich eine längere Auszeit und bereist England und die USA

shz.de von
23. Mai 2015, 06:52 Uhr

Unsere Mitarbeiterin Carola Flügel sprach mit Kay Kankowski, der sich rund um Eckernförde als freischaffender Musiker, Künstler und Musiklehrer über lange Jahre engagiert hat. So initiierte er mit Sigi Siemsen die regelmäßigen „hafenmusic“-Konzerte auf der Siegfried-Werft, die 14 Jahre lang stattfanden, oder feierte gerade im November 2014 mit seinem Streichquartett in Eckernförde Premiere. Jetzt geht er auf Reisen.

Herr Kankowski, Sie werden Eckernförde für eine Weile den Rücken kehren ...
Ja, das stimmt. Meine Frau Martina und ich haben immer schon mal eine Auszeit nehmen wollen; wir waren fast neidisch, wenn Freunde oder Bekannte in ein Sabbatjahr gingen. Vor drei Jahren haben wir dann angefangen, unseren Ausstieg auf Zeit zu planen.


Was muss da bedacht werden?
Ach, so einiges. Ich musste Projekte beenden, wir mussten die Route planen – und sparen, denn ein Jahr lang nicht zu arbeiten, ist schon ein Einschnitt. Meine Frau als Landesbeamtin hat da klarere Perspektiven, sie kann offiziell ein Sabbatical nehmen und geht dann in ihren Job zurück.

Und wo geht es hin?
Wir werden über Bremen und Amsterdam zuerst nach England fahren – nach London zu Freunden – und dort den Sommer nutzen, um das Land mit seinen Museen, den unglaublichen Gärten und seinen Menschen noch besser kennenzulernen. Danach, Ende Oktober, geht’s per Schiff nach New York. In den USA wollen wir uns einen Camper zulegen und die Ostküste hoch und die Westküste wieder runter fahren. Jede Galerie, jedes Kunstmuseum gucken wir uns da an. Meine Frau und ich gehen leidenschaftlich gern in Museen. In Berlin haben wir mal acht Stunden in einem verbracht – unsere Freunde, die mit uns da waren, gingen erst ins Café, dann nach Hause...


Und – haben Sie bestimmte Erwartungen an diese Länder?
Wir können schon abschätzen, was uns erwartet. Aber es ist spannend: Wie anders können Länder sein, die uns kulturell doch so nah sind ... Wir leben hier in ja einer sicheren Blase. In Kalifornien herrscht Wasserknappheit, vor seiner Küste fließt gerade Öl ins Meer ...


Und andere Erwartungen an dieses Jahr „On the road“?
Ja, vielleicht finde ich Zeit, an meinem zweiten Streichquartett zu arbeiten. Zu malen. Zu skizzieren, zu komponieren. Ich werde immer eine Gitarre dabei haben – allerdings nicht meine eigene. Die kauf ich mir in den Staaten, um bei der Einreise nicht den Eindruck zu erwecken, dort als Musiker arbeiten zu wollen. Aber, zurück zur Frage – auf alle Fälle: Menschen kennen lernen. Sich selbst begegnen, Zeit haben für die Sachen, zu denen ich sonst nicht komme. Einfach mal weg. Raus.


Werden Sie Eckernförde vermissen?
Bestimmt. Ich bin sehr heimattreu, fühle mich an der Ostseeküste sehr wohl, es ist aber auch alles sehr klein und überschaubar. Mir fehlt Input, ich freu’ mich jetzt auch mal auf neue Menschen, Landschaften und Orte. Wo es uns gefällt, bleiben wir vielleicht auch mal. Der Schnitt jetzt ist eine wichtige Zäsur. Ich schließe hier einiges ab. Zum Beispiel habe ich nach zwölf Jahren den Vorstand des Vereins Muckemacher abgegeben. Mit dem Abschiedskonzert heute in Haby werden auch Kai Kankowski & Band vorerst pausieren.


Mit was für einem Schiff geht es in die USA? Mit einem Frachtschiff, das auch Passagiere mitnimmt?
Nein, auf der Hinfahrt nach USA haben wir eine Kabine in einem nagelneuen Kreuzfahrtschiff der Meyer-Werft, das, um nicht leer zur neuen Reederei in den USA zu fahren, Passagiere zu guten Konditionen mitnimmt. Dieser Teil der Reise dauert acht Tage.“

Wie ist auf Kai Kankowskis Homepage zu lesen: „Ich bin ständig auf Reisen, ich bin in mir drin auf Reisen, entdecke mich neu, finde Zugang zu mir und meiner Welt.“

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