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Eckernförder Zeitung

17. Dezember 2017 | 05:32 Uhr

Wort zum Sonntag : Einen Augenblick

vom

Dirk Homrighausen, Pastor in St. Nicolai, Eckernförde mit dem Wort zum Sonntag.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 09:27 Uhr

Einen Augenblick bitte! - Das wird gern als freundliche Aufforderung zu warten formuliert. Schade nur, dass sich diese Bitte viel seltener erfüllt als sie ausgesprochen wird. Denn wie oft wendet sich derjenige, der das gerade noch gesagt hat, im gleichen Moment leider ohne den versprochenen Augenblick etwas oder einem ganz anderem zu? Dabei hätte man sich wirklich mal ganz gern in die Augen geschaut.

Eines der berühmtesten Zitate dürfte ein Satz von Humphrey Bogart aus dem Film "Casablanca" sein: "Ich schau dir in die Augen, Kleines." Dann folgt immer ein wirklich herrlicher Augenblick. Um Ansehen und angesehen sein geht es oft in unserem Leben. Am Ende eines Gottesdienstes mündet der Segen in ein Wort über das Ansehen: "Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden."

Das Segenssehen erinnert mich daran, dass Ansehen zuerst immer ein Wort der Beziehung und Begegnung meint. Wie der nicht erfüllte versprochene Augenblick hat das Ansehen unter uns eine oftmals andere, abgeschwächte Bedeutung erfahren. Der kann sich sehen lassen. Die hat es zu Ansehen gebracht, dann meint das meistens etwas, was einmal in einer Bank-Werbung zu sehen war: Mein Haus, mein Auto, meine Yacht oder welches Statussymbol auch immer mir Ansehen verleihen soll.

Aber wirkliches Ansehen ereignet sich von Angesicht zu Angesicht, wenn Augen sich anfunkeln, beginnen zu leuchten und uns zum Strahlen bringen. Wie beim Anblick eines kleinen Kindes oder in der Liebe, wenn sich die Augen ineinander vertiefen und uns zu den schönsten Augenblicken der Ewigkeit verführen. In einen solchen Blick nimmt uns Gottes Segen. Gott richtet seinen Blick auf uns - nicht richtend, sondern aufrichtend. Gottes Segenssehen nimmt uns in einen leuchtenden und liebevollen Augenblick hinein. Gott gibt uns damit wie Humphrey Bogart herrlichen Anschauungsunterricht für wirkliches Ansehen. Das Schauen liegt ganz in seinem Wesen. Darauf deutet schon das griechische Wort für Gott: "Theos". Denn dieses Wort leitet sich von "theomai" ab, das nichts anderes heißt als "schauen, staunend betrachten und bewundern".

Kein Wunder also, dass unser Gott uns gerne anschaut, uns besser anschaut, als wir es oft vermögen. Bei Gott genießen wir höchstes Ansehen. Angesichts dieses herrlichen Augenblicks bekommt unser Leben eine Perspektive, die sich sehen lassen kann, nicht nur für einen Augenblick. So angesehen werden, das ist ein Segen.

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