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Im Polizeieinsatz verletzt : Eine Woche Rügen als Zeichen der Anerkennung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Eckernförder Polizist Oliver Schulz bei einer Festnahme von Täter angegriffen - Handknochen gebrochen- 20 Wochen dienstunfähig / Hilfs- und Unterstützungsverein der Polizei dankt verletztem Beamten mit einer Kurzreise

Oliver Schulz ist seit 33 Jahren Polizeibeamter. Seit 14 Jahren sorgt er mit seinen 29 Kollegen im Altkreis Eckernförde für Ordnung und Sicherheit. Er hat einen guten Draht zu den Bürgern. Dass seine Arbeit nicht immer gefahrlos ist, hat der 49-jährige Oberkommissar schon einmal 1996 in seiner Schleswiger Zeit erleben müssen, als Rechtsradikale ihn auch privat unter Druck zu setzen versuchten. Schulz ist Profi genug, diese Dinge zu verarbeiten. Das trifft auch auf die Geschehnisse des 5. Juli 2013 zu. Nach der Festnahme eines betrunkenen 22-Jährigen, der einem Platzverweis nicht Folge leisten wollte, attackierte dieser Oliver Schulz im Zellentrakt der Polizeistation in übelster Käfigkämpfermanier mit einem Fußtritt gegen den Kopf. Schulz ging zu Boden und versuchte den Täter zu überwältigen, im Kampf brach er sich den Knochen der rechten Hand. Der Täter wurde überwältigt, das Strafverfahren läuft. Die Folgen des Übergriffs: Schulz war 20 Wochen dienstunfähig. Er trägt immer noch eine Manschette, hat hart trainiert und seine linke Hand zur Einsatzhand umfunktioniert. Er würde nicht zögern, erneut einzugreifen, wenn es die Situation erfordert. Er kennt seine Aufgabe und erledigt sie professionell mit großer Verantwortung.

Gestern bekam Oliver Schulz prominenten Besuch: Landtagspräsident Klaus Schlie stärkte ihm stellvertretend für alle im Einsatz verletzten Polizisten den Rücken und überreichte ihm in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Hilfs- und Unterstützungsfonds der Polizei die Reiseunterlagen für einen einwöchigen Kur- und Erholungsaufenthalt auf Rügen. „Das kann und soll keine Entschädigung sein, die Zuwendung soll unsere Anerkennung für Ihre Arbeit und Einsatzbereitschaft zum Ausdruck bringen“, sagte Schlie im Beisein von Revierleiter Wolfgang Petersen, dem Leiter der Polizeidirektion Neumünster, Bernd Lohse, und Torsten Jäger, Medienchef der Gewerkschaft der Polizei. Schlie hatte „erschreckende Zahlen“ dabei: 2013 kam es in Schleswig-Holstein zu 1188 Gewaltdelikten oder Widerstandshandlungen, bei denen 354 Polizisten verletzt wurden. Die Vorfällen ereigneten sich zumeist im Streifendienst bei der Schlichtung von Streitigkeiten, Festnahmen oder Durchsuchungen. „Es fehlt an Respekt gegenüber den Polizisten und Anerkennung von Autorität“, so Schlie. Glücklicherweise respektiere ein Großteil der Bevölkerung die angesichts zunehmender Gewalt immer notwendigere Arbeit der Polizei. „Es gibt genug Menschen in Schleswig-Holstein, die Sie schätzen und achten“, sagte er an die Adresse von Oliver Schulz und seine 7500 Kollegen im Land. Die Vermittlung von Werten fange bei der Erziehung im Elternhaus an. Leider werde diese oft genug vernachlässigt.

Schulz berichtete von einer Zunahme der Gewaltbereitschaft in den letzten 15 Jahren vornehmlich bei jüngeren Menschen. „In 80 Prozent spielt Alkohol eine große Rolle“, so Schulz. Eine Einschätzung, der sein Direktionschef Lohse nur beipflichten konnte. 81 Prozent aller Übergriffe gegen Polizisten erfolgten im Streifendienst. In der Arbeitsgruppe „Gewalt gegen Polizeibeamte“ werde mit einer Vielzahl von Maßnahmen gegengesteuert. Keinesfalls, da waren sich alle einig, dürfe es zum Abbau von Dienstposten kommen.

 

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erstellt am 08.Mai.2014 | 06:33 Uhr

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