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Das Försterhaus in Owschlag schließt : Eine Unterkunft, aber keine Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Amt Hüttener Berge schließt zum 30. Juni das Försterhaus in Owschlag

von
erstellt am 04.Apr.2017 | 06:44 Uhr

Owschlag | Beim jüngsten Amtsausschuss hatte Andreas Betz schon darauf hingewiesen, dass, sollte sich die Belegungssituation im Försterhaus nicht ändern, man um eine Schließung nicht herumkomme. In nicht-öffentlicher Sitzung hatte sich der Amtsdirektor dann auch gleich ermächtigen lassen, die Flüchtlingseinrichtung in Owschlag schließen zu dürfen, um Schaden vom Amt abzuwenden. Jetzt steht fest, zum 30. Juni wird das Försterhaus geschlossen. „Uns fehlen einfach die Flüchtlinge“, brachte es Betz gestern im Gespräch mit der Eckernförder Zeitung auf den Punkt.

Derzeit leben 44 Personen in dem Gebäude, das eigentlich für knapp 80 Personen ausgelegt ist und sogar noch über eine Ausbaureserve für weitere 25 Personen verfügt. Von den 44 Menschen aus sieben Nationen sind 16 anerkannt und damit auf Wohnungssuche. Sechs der Bewohner sind ausreisepflichtig, bei 22 Personen ist der Status noch unklar, das Verfahren läuft. „75 Bewohner waren es zu Jahresbeginn 2016 und auch noch die nächsten Monate“, berichtet Betz, dann nahmen die Zuweisungen vom Land ab, die Bewohnerzahl sank. 60 bis 70 Personen müssten es mindestens sein, damit das Försterhaus ausgelastet ist. Das Problem: viele Kosten, beispielsweise für den Wachdienst, würden nicht anerkannt und damit vom Land nicht erstattet werden.

„Es war damals aber die richtige Entscheidung, das Försterhaus gekauft zu haben“, betont Amtsvorsteher Gero Neidlinger. „Wir haben viele andere Möglichkeiten geprüft, um die große Anzahl der Flüchtlinge im Amt unterzubringen – Container oder auch Neubau – der Kauf war die günstigste“, betont der Borgstedter. Beim Kauf des Hauses im September 2015 sei geplant gewesen, es für die nächsten fünf Jahre als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen, um den Kauf zu refinanzieren. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Dass sich die Situationen so entwickelt, konnte zu dem Zeitpunkt niemand ahnen.

Um eine Schließung zu vermeiden, war Amtsdirektor Betz sogar bemüht, Flüchtlinge aus anderen Regionen nach Owschlag zu lotsen. Doch die Städte und Kommunen lehnten dankend ab, denn auch anderswo würde der Leerstand die Kassen finanziell belasten.

Wie geht’s jetzt weiter? „Rausgeworfen wird keiner“, betont Betz. Die vielen ehrenamtlichen Helfer und auch die zuständigen Mitarbeiter aus den Fachdiensten der Verwaltung würden die Bewohner bei der Wohnungssuche unterstützen. Die wenigen, die übrigbleiben, würden in den Mobilheimen in Borgstedt oder in angemieteten Wohnungen der Umgebung unterkommen.

In Hektik werde man nicht verfallen, so Betz, ein Verkauf des Gebäudes stehe nicht zur Disposition. Betz versicherte zudem, dass die Sprachkurse, die Volkshochschule Rendsburg neuerdings im Försterhaus anbiete, weiterlaufen.

In Kürze werde es ein Gespräch mit einem Interessenten für das benachbarte Gästehaus geben, mehr aber auch nicht. Wie Betz mitteilte, würde das Land derzeit zehn Millionen Euro für den Rückbau von Flüchtlingsunterkünften zur Verfügung stellen. Geld, das bis Ende Mai beantragt werden müsse. „Wir werden auf jeden Fall Geld beantragen“, so Betz, er rechne aber damit, dass dieser Fördertopf „hoffnungslos überzeichnet“ ist. 

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