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Eckernförder Zeitung

24. September 2017 | 16:10 Uhr

Eine ungewollt lustige Schwarzfahrt

vom

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Eckernförde | Gute Freunde helfen einander, heißt es. So entschloss ich mich, meiner leicht gehbehinderten Freundin behilflich zu sein, sicher in den Zug zu steigen. Am Morgen des Reisetages regnete es, dennoch kamen wir einigermaßen trocken am Bahnhof an. Der Bahnsteig stand schon voller Menschen, und es wurden immer mehr. Ja, wollte denn die Hälfte der Eckernförder Einwohner an diesem verregneten Morgen verreisen?

Als der Zug einlief, legte ich meinen Regenschirm auf einer Sitzbank des Bahnhofes ab. Es gelang mir, meiner Freundin einen für sie guten Sitzplatz zu finden. Ich konnte auch ihr Reisegepäck noch sicher abstellen und wollte gerade mit einem fröhlichen "Tschüss, und gute Reise" den Zug verlassen, als mir der Schreck in die Glieder fuhr: Der Zug rollte schon und die automatischen Türen waren bereits zur Hälfte geschlossen. Was nun, was tun. Ich wollte doch gar nicht mitfahren, hatte doch auch gar keinen Fahrschein.

"Drück den roten Knopf, spring raus, denn der Zug fährt ja noch nicht zu schnell", das waren die Gedanken, die mir wie Blitze durch den Kopf schossen. Inzwischen hatten einige Mitreisende mein Missgeschick mitbekommen und schienen es weniger sorgenvoll zu sehen als ich, denn ich sah nur fröhliche Gesichter. Meine Sorge, nun von einem Kontrolleur erwischt zu werden und ob er mir glauben würde, als unfreiwilliger Bahngast mitzufahren, wurde mir genommen, denn ein Fahrgast rief mir schmunzelnd zu: "Der ist gerade in Eckernförde ausgestiegen." Wenigstens etwas Trost für mich als Gefangene des Zuges. Keiner ahnt, wie viele lachende zugerufene Ratschläge ich mir an diesem Morgen anhören musste, hatte ich doch ungewollt zur Heiterkeit beigetragen. Ich ertrug den fröhlichen Spott und konnte letztendlich mitlachen, denn keiner von ihnen wollte mir etwas Böses.

Als der Zug Gettorf erreichte, stieg ich aus, stand im strömenden Regen und winkte den lachenden Reisenden nach.

Schade eigentlich, denn mit dieser froh gestimmten Gesellschaft wäre ich gern noch weiter gefahren. Ich löste mir ein Ticket am Automaten und fuhr mit dem nächsten Zug nach Eckernförde zurück. Was tat es da noch, dass mein Regenschirm einen Liebhaber gefunden hatte. Ich war ja eh schon nass wie ein Pudel.

Im Nachhinein meine ich, auch ein Missgeschick an einem regenschweren Tag kann ein Tag des fröhlichen Erinnerns werden, denn selten haben mir so viele Menschen an einem einzigen Tag fröhlicher zugewunken, Und die Bahn? Die erfährt erst heute von meiner lustigen Schwarzfahrt.

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